Meinung

Kommentar zu Mittelhessens Sanitätern: „Weiter so!”

Patrick Stein
Zur Verhandlung der DRK-Bundestarifkommission sind auch Mitarbeiter des Rettungsdiensts Mittelhessen in Wiesbaden angereist. Sie treten für bessere Arbeitsbedingungen und Perspektiven ein.

Volontär Patrick Stein arbeitet selbst im Rettungsdienst. Seine Kollegen bekräftigt er darin, sich für ihre Rechte stark zu machen.

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Der Fachkräftemangel schlägt auch im Rettungsdienst voll durch. Rettungswagen können nicht besetzt werden, weil Sanitäter fehlen. Die, die da sind, schieben Überstunden. Nach drei Jahren Ausbildung darf vieles vom Gelernten nicht angewendet werden. Hinzu kommen Schichten von zwölf Stunden, von denen jedoch nur zehn angerechnet werden. Als ich vor zwölf Jahren selbst im Rettungsdienst anfing (ich arbeite nach wie vor in Teilzeit als Notfallsanitäter) war die Rede von einer Professionalisierung des Rettungsdienstes. Ein neues Berufsbild – der Notfallsanitäter – sollte 2013 das Allheilmittel sein. Zur Frustration der Einsatzdienst-Mitarbeiter hat sich die Situation jedoch oftmals nicht zum Besseren gewendet. Die Einsatzzahlen steigen seit Jahren. Viele dieser Einsätze sind jedoch nur Bagatelle – eingewachsene Nägel, Bauchschmerzen seit Tagen oder einfach, weil der Rettungsdienst einen bequem in die Klinik fährt. Über Jahre passierte kaum etwas, um den Beruf attraktiver zu gestalten, geschweige denn Perspektiven zu schaffen. In Tarifverhandlungen hatten meist die Arbeitgeber Oberwasser. Auch, weil viele der Arbeitnehmer resignierten und nur auf den Rettungswachen Stammtischparolen schwangen, damit aber hinter dem Berg hielten, wenn es galt. Jetzt haben die Rettungsdienstler in Wiesbaden jedoch gezeigt, dass sie da sind und dass sie für bessere Arbeitsbedingungen einstehen werden. Das macht Mut und lässt hoffen, dass der aktuelle Fachkräftemangel abgewendet – oder zumindest abgemildert – werden kann, wenn die Kollegen dran bleiben.