Schweinepest kaum aufzuhalten

Die Wildschwein ist Überträger der Afrikanischen Schweinepest. Deshalb werden sie besonders intensiv bejagt. Dennoch fürchten Experten, dass die Krankheit früher oder später auch in Deutschland austritt. Möglicherweise sinkt dann die Nachfrage nach Schweinefleisch, was einen Preisverfall zur Folge hätte.  Archivfoto: Adel

Die Schweinepest könnte sich von Osteuropa aus nach Deutschland ausbreiten. Landwirte und Jäger sind auch im Hinterland alarmiert, denn die wirtschaftlichen Folgen wären...

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Marburg-Biedenkopf. Die Schweinepest könnte sich von Osteuropa aus nach Deutschland ausbreiten. Landwirte und Jäger sind auch im Hinterland alarmiert, denn die wirtschaftlichen Folgen wären verheerend. Die Krankheit soll nicht auf Menschen übertragbar sein.

"Fachleute meinen, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Seuche auch in Deutschland auftritt", sagt Heinz-Hermann Nau-Bingel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Er befürchtet Auswirkungen für heimische Landwirte. "Alle Formen der Schweinehaltung wären vom Ausbuch betroffen."

Die Exportmöglichkeiten von Schweinefleisch wären eingeschränkt, was einen Preisverfall zur Folge hätte. Ist in einem Bestand ein Tier an ASP erkrank, müssen es und alle weiteren Schweine des Hofs getötet werden. So soll vermieden werden, dass die Schweinepest sich weiter ausbreitet."Die Landwirte hoffen natürlich, dass ihre Schweinebestände von der Seuche verschont bleiben und halten die vorgeschriebenen Hygienemaß;nahmen in ihren Ställen strickt ein", sagt Heinz-Hermann Nau-Bingel. Die Krankheit endet für Schweine tödlich, gilt aber als ungefährlich für Menschen.

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Im Landkreis Marburg-Biedenkopf hielten im Jahr 2017 seinen Angaben zufolge rund 400 Schweinehalter insgesamt etwa 23500 Tiere. Davon sind etwa 60 Betriebe Halter von Zuchtsauen mit 800 Sauen. Diese Zahlen beziehen sich auf Angaben der Hessischen Tierseuchenkasse. "Die Schweinehaltung im Altkreis Biedenkopf ist eher von untergeordneter Bedeutung, hier steht die Mutterkuhhaltung im Vordergrund", erläutert Nau-Bingel.

Während die Landwirte wenig tun können, sind die Jäger gefordert, mehr Wildschweine zu schieß;en – auch im Hinterland: Schwarzwild ist Überträger der für Schweine meist tödlichen Krankheit. "Wichtigste Maß;nahme ist die Reduzierung des Wildschweinebestandes durch intensive Bejagung", sagt Nau-Bingel und verweist auf eine Entschließ;ung des Hessischen Bauernverbands.

Heimische Jäger sollen so viele Wildschweine wie möglich schieß;en – auch wegen der Schäden

"Ja, die Behörden haben uns vorgewarnt", berichtet Ingrid Knapp, Pressesprecherin der Hinterländer Jägervereinigung. Abschussprämien, wie sie zum Teil in anderen Bundesländern gezahlt werden, gebe es aber nicht.

Weil Wildschweine nicht nur die Afrikanische Schweinepest übertragen können, sondern auch auf Feldern und in Gärten Schäden anrichten, stünden das Schwarzwild ohnehin fortlaufend im Fokus: "Von den Behörden kommt für alle Jagdausübungsberechtigten immer die Anweisung, so viele Sauen wie möglich zu jagen", sagt Knapp.

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Allerdings sei das leichter gesagt als getan. "Wildschweine sind nicht leicht zu bejagen", erklärt Knapp. "Sie sind anpassungsfähig und intelligent und haben eine hohe Vermehrungsrate." Milde Winter und häufige Buchen- und Eichenmasten komme dem Schwarzwild zusätzlich zu gute.

Bei den Abschusszahlen, der so genannten Strecke, gab es laut Knapp schon immer Schwankungen, beispielsweise in Jahren mit härteren Wintern. Aber: "Im Raum Biedenkopf sind in diesem Winter sehr viele geschossen worden, so viele wie sonst kaum."

In der Jagdsaison 2016/17 sind nach Angaben des Landkreises kreisweit 4037 Wildschweine getötet woden: 3742 bei der Jagd, 295 bei Wildunfällen. 2015/16 lag die Zahl der insgesamt getöteten Tiere bei 4326, eine Saison zuvor nur bei 3223. Für das aktuelle Jagdjahr liegen noch keine Zahlen vor.

Neu ist die Gefahr nicht. Die Afrikanische Schweinepest tritt seit 2014 in den baltischen Staaten und Polen, in weiter östlich liegenden Ländern bereits seit 2007 häufig auf. Und seitdem besteht auch die Gefahr der Verschleppung über die Grenzen dieser Länder. Einen Impfstoff gibt es nicht, weil das Virus komplex ist. Experten fürchten, dass das Virus sich durch den Transitverkehr schnell nach Deutschland ausbreitet. Schon im vergangenen Sommer hatte das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit von einem "hohen Risiko" für die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland gewarnt.

Heimische Jäger sollen verendetes Schwarzwild unverzüglich beim Veterinäramt melden

"Seit mehreren Jahren läuft ein Wildtier-Monitoring in den einzelnen Landkreisen", berichtete Stephan Schienbein, Pressesprecher des Landkreises. Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Marburg Biedenkopf auf die Afrikanische Schweinepest 205 Proben untersucht; die per Verordnung vorgeschriebene Zahl der Proben liegt bei 60. "Hier liegt der Landkreis Marburg-Biedenkopf also deutlich über dem Soll."

Die heimischen Jäger sind angewiesen, verendetes Schwarzwild unverzüglich beim Veterinäramt zu melden, damit es auf die ASP untersucht werden kann. Denn ist ein Tier erstmal infiziert, kann sich der Virus schnell ausbreiten: Zum Beispiel über Essensreste, die heimkehrende Urlauber oder Geschäftsreisende aus Osteuropa wegwerfen.