Amnon Orbach ist ein "Glücksfall für Marburg"

Amnon Orbach, Ehrenbürger der Universitätsstadt Marburg, feiert mit seiner Frau, seiner Familie und vielen Wegbegleitern Geburtstag: Die Stadt richtet einen Empfang für ihn im Rathaus der Stadt aus.  Foto: Patricia Grähling / Stadt Marburg
© Patricia Grähling / Stadt Marburg

Stadt Marburg dankt dem Gründer der Jüdischen Gemeinde. Festakt zum 90. Geburtstag im Rathaus.

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MARBURG. Gründer und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, Ehrenbürger der Universitätsstadt Marburg, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit: Amnon Orbach prägt das jüdische Leben und den interkulturellen Dialog in Marburg seit Jahrzehnten. Anlässlich seines 90. Geburtstag hatte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) zu einem Empfang ins Marburger Rathaus eingeladen.

Der Erhalt jüdischer Traditionen und jüdischen Glaubens in Marburg, ein besseres gegenseitiges Verständnis, ein friedvolles Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen und Religionen - dafür setzt Amnon Orbach sich unermüdlich ein, seit es ihn 1982 in die Universitätsstadt geführt hat. Rund 150 Menschen war es daher ein besonderes Anliegen, ihm beim Empfang im Rathaus persönlich zum 90. Geburtstag zu gratulieren.

"Wir feiern heute einen Menschen, der jede Lobpreisung verdient und zugleich die Tugend der Bescheidenheit so hochhält, dass er Lob eigentlich gar nicht hören möchte", sagte Oberbürgermeister Spies. "Ihr Einsatz für jüdisches Leben in Marburg, Ihre Lebensaufgabe, ist für die Universitätsstadt Marburg von unschätzbarem Wert." Die Inschrift "Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker sein" an der Synagoge sei auf Orbachs Wunsch hin angebracht worden. Diese Worte zeigen: Der Geehrte hat sich auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Dialog zwischen den Religionen eingesetzt. So wurden in Marburg die letzten Worte der Torarolle gemeinsam mit Vertretern der christlichen Kirchen und der islamischen Gemeinde geschrieben - ein Akt des Zusammenhalts, der in die Geschichte Marburgs eingegangen sei.

"Du bist ein Glücksfall für Marburg und ein Brückenbauer. Du stehst für ein jüdisches Leben, das existenziell im Alltag ist und nicht engstirnig in der religiösen Praxis", sagte Monika Bunk. Die Weggefährtin und Freundin von Amnon Orbach und langjährige zweite Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sie hat selbst an diesem Tag Geburtstag, hielt bei dem Empfang im Rathaus die Laudatio. Sie fand bewegende Worte zum 90. Geburtstag des Marburger Ehrenbürgers.

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Und hielt Rückblick, auf einen jungen Mann, der schon "früh mit Kampf und Gefahr konfrontiert war". Der - 1930 in Jerusalem geboren - dort im Unabhängigkeitskrieg gekämpft hatte, als er noch keine 20 Jahre alt war.

Er war Ingenieur der israelischen militärischen Industrie, studierte in New York, baute die elektro-optische Industrie mit auf, wird Vater einer Tochter und eines Sohns, gründete eine Firma für Lehrmaterialien und Spiele, zog in seinen 50er-Jahren als Repräsentant dieser Firma nach Marburg. Doch ihm habe in Marburg das Judentum gefehlt.

"Du machtest dich auf die Suche und fandest allerhand - zusammen mit Willy Sage ein paar fast verschüttete Torarollen in einem Haus am Friedhof, die die Grundlage für die ersten Gottesdienste wurden."

Lob für Energie und Idealismus

Er habe die jüdische Kultur in Marburg wieder auferstehen lassen, mit enormer Energie und Idealismus für den Ausbau der neuen, modernen Synagoge in der Liebigstraße gewirkt. "Du hast die Jüdische Gemeinde nicht nur wiederaufgebaut, sondern bist auch ihr geistiger Zusammenhalt, Herz und Seele."

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Ein Grußwort für die Jüdische Gemeinde Marburg hielt Thorsten Schmermund. "Du hast die Jüdische Gemeinde gegründet, die für viele Migranten Heimat und Gemeinschaft wurde", bedankte er sich. Amnon Orbachs Drang zu lernen und dessen Liebe zu den Menschen höre nie auf.

Orbach selbst richtete nach den Grüßen und Glückwünschen seinerseits Dankesworte an die Gäste: "Ich habe in Marburg viele gute Freunde gewonnen." Eine besondere Freude hat ihn zum Geburtstag Bodam Lee gemacht. Sie begleitete den Geburtstag musikalisch - auf der Geige, die Amnon Orbach selbst in seiner Kindheit gespielt hat.