Aufruf am Universitätsklinikum Gießen-Marburg: Warnstreik am...

Archivfoto: Möller

Am Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM) wird für den 4. Februar zu einem Warnstreik aufgerufen. Hintergrund des Streiks ist die aktuelle Tarifrunde mit dem Land Hessen.

Anzeige

GIESSEN/MARBURG. An den hessischen Universitätskliniken Gießen-Marburg (UKGM) sowie Frankfurt ruft der Marburger Bund Hessen seine Mitglieder für den 4. Februar 2020 zu einem ganztägigen Warnstreik auf. Hintergrund des Streiks ist die aktuelle Tarifrunde mit dem Land Hessen, welches zuständig ist für das UKGM und der Goethe-Universität Frankfurt. Gefordert ist eine spürbare Verbesserung der Arbeit zu besonders belastenden Zeiten durch Nacht- und Sonntagszuschläge, Anhebung von Kinderzuschlägen, eine Tarifsteigerung von 6,9 Prozent sowie die versprochene Fortführung des so genannten Landestickets.

In den beiden bisherigen Verhandlungsrunden sind keine entscheidenden Fortschritte gemacht worden, daher kommt es nun zu einem Warnstreik. Die dritte Verhandlungsrunde ist auf den 27. Februar 2020 terminiert. Der Tarifvertrag (TV-Ärzte Hessen) gilt für mehr als 2000 Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Außerhalb Hessens gilt an den Universitätskliniken der Tarifvertrag zwischen Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). In diesem Tarifgebiet wird es am 4. Februar 2020 deutschlandweit ebenfalls zu einem Warnstreik mit einer Zentralkundgebung in Hannover kommen.

Anzeige

Aktuell führt der Marburger Bund Hessen eine Befragung zu den Themen Gesundheitsschutz, Beruf und Familie sowie Forschung und Lehre unter seinen Mitgliedern durch. Der Rücklauf ist enorm. An der noch laufenden Umfrage haben aktuell bereits mehr als 800 der insgesamt mehr als 2000 Ärztinnen und Ärzte der Unikliniken Gießen-Marburg und Frankfurt teilgenommen. Die erste Bilanz zeigt ein extrem hohes Maß an Unzufriedenheit bei den Beschäftigten. Der überwiegende Teil der bisherigen Antworten ergibt, dass die Arbeitszeit nicht ausreicht, um die tägliche Arbeit zu erledigen, Privat- und Arbeitsleben aufgrund der Arbeitsbelastung leidet und gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht genommen werden können und trotzdem von der geleisteten Arbeitszeit abgezogen werden.

Besonders erschreckend ist die Situation bei der Erfassung der Arbeitszeiten und bei Überstunden. Deutlich mehr als die Hälfte der bisher Befragten gab an, dass es ihnen nicht möglich ist, ihre gesamte Arbeitszeit zu erfassen und schon davon abgehalten wurde, Überstunden überhaupt aufzuzeichnen. Da verwundert es nicht, dass insbesondere am privatisierten Universitätsklinikum Gießen-Marburg mehrere zehntausende ärztliche Überstunden entgegen tariflicher Bestimmungen nicht ausgezahlt, sondern als riesiger Berg vor sich hergeschoben werden. Das UKGM aber auch das Land Hessen als Arbeitgeber der dortigen Ärztinnen und Ärzte ignorieren hier klare tarifliche Regelungen zum Ausgleich dieser Stunden. Die Ergebnisse zeigen auch, dass sich Hessen mit der international anerkannten Leistungsfähigkeit in Forschung und Lehre schmückt, die Interessen derjenigen, die dies tagtäglich leisten, aber vernachlässigt. Der weit überwiegende Teil der bisher Befragten gibt an, Forschung in der Freizeit betreiben zu müssen.

Auch für die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses steht für die meisten innerhalb der Arbeitszeit selten bis nie ausreichend Arbeitszeit zur Verfügung, obwohl auch dies Dienstaufgabe ist. Der Marburger Bund Hessen wird nach Beendigung der Umfrage mit den Ergebnissen auf die Vertreter des Landes und der Universitätskliniken zugehen.

Von red