Steinperfer Ehepaar will ins Boulder-Bundesliga-Finale

Nico und Johanna Ortmüller sind erfolgreich im Bouldern bundesweit unterwegs.	FOTO: BF

Sie haben ein großes Ziel vor Augen: das Finale der Bundesliga im Bouldern. Johanna und Nico Ortmüller aus Steinperf berichten von ihrem Sport.

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Steinperf. Bundesligen kennt man nicht nur aus allen Ballsportarten, sondern beispielsweise auch im Turnen, Schach oder in der Leichtathletik. Eine oberste Klasse gibt es aber auch im Klettersport, genauer gesagt: im Bouldern. Zwei Mitglieder des Gießener Alpenvereins, Johanna und Nico Ortmüller, sind da mittendrin. Die beiden, die in Steinperf im Kreis Marburg-Biedenkopf wohnen, sind am Wochenende regelmäßig in deutschen Kletterhallen unterwegs und versuchen dort, vorgegebene Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade möglichst rasch zu bewältigen. Ziel ist dabei, sich für ein Bundesliga-Finale zu qualifizieren.

An den drei 2016 gegründeten Boulder-Bundesligen kann sich jeder Interessierte beteiligen. Wer mitmacht, muss binnen eines Jahres in zehn verschiedenen Kletter- und Boulderhallen bestimmte gekennzeichnete Boulderrouten absolvieren. Schafft der Kletterer eine Route im ersten Versuch, wird ihm ein Flash gutgeschrieben. Kommt er nur bis zur Hälfte, wird das als Zone bewertet. Benötigt er mehrere Versuche bis zum Ende, bekommt er nur ein Top gutgeschrieben. Je nach Schwierigkeitsgrad der Route können so unterschiedliche Punktzahlen gesammelt werden.

100 Boulderer qualifizieren sich für die Finals

Die 100 Boulderer mit den höchsten Punktzahlen qualifizieren sich alljährlich für die Finals in den Bundesligen 1 und 2, in der 3. Liga werden die 75 Besten eingeladen. Das Ganze beruht auf Treu und Glauben: Seine Punktzahlen trägt sich jeder auf der Webseite der Liga selbst ein. Allerdings: Wer versucht, zu mogeln, um sich in ein Finale einzuschleichen, fliegt dort sofort auf und blamiert sich.

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Nico Ortmüller (32) ist auf einem Umweg zu diesem speziellen Sport gekommen. Seit dem Jugendalter war er Fußball-Torwart in Oberscheld im Dillkreis. Nach einer langen Verletzungspause suchte er sich ein neues Betätigungsfeld und stieß dabei auf »Ninja Warrior«. Das ist eine vor allem bei jungen Leuten sehr beliebte Akrobatik-Show von RTL. Wer da mitmachen will, braucht vor allem viel Griffkraft und Balance. Als der Anlagenmechaniker den Tipp bekam, dass genau das auch beim erfolgreichen Bouldern vonnöten ist, probierte er es im Sommer 2020 aus und war sofort begeistert.

Auch Ehefrau Johanna ließ sich von dieser Leidenschaft anstecken. Die Physiotherapeutin hat ein eigenes Pferd und war lange im Turniersport aktiv. Aus Kostengründen beschränkt sie sich inzwischen auf die Freizeitreiterei. Um sich fit zu halten, kam ihr das Bouldern gerade recht.

Ehepaar ist in der Sektion Gießen-Oberhessen aktiv

Über ihr neues Hobby, bei dem sie zunächst unterschiedliche Hallen in Mittelhessen ansteuerten, kamen die Eheleute auch zum DAV Kletter- und Boulderzentrum Gießen und meldeten sich in der Sektion Gießen-Oberhessen an. »Weil hier einen familiäre Atmosphäre herrscht und das Personal freundlich ist«, versichert Nico Ortmüller. Sportlich sei zwar beispielsweise das Level 8 in Gießen etwas attraktiver, aber dort seien die Stimmung kühl und viele Griffe abgenutzt.

Im Zuge ihrer Bundesliga-Ambitionen ist die Familie inzwischen an Wochenenden viel unterwegs, zwischen Köln, Kassel, Erlangen und Mannheim, mitunter sogar noch weiter. Immer dabei: Tochter Josephine (6 Jahre), die selbst schon eifrig und gut bouldert, und das einjährige Nesthäkchen Lilea, das vor Ort abwechselnd von Mutter und Vater beaufsichtigt wird.

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Nico Ortmüller ist Realist genug, um zu wissen, dass es ein Traum bleiben wird, einmal an der RTL-Fernsehshow teilnehmen zu dürfen, für die sich jährlich Zehntausende bewerben. Aber sein Ziel ist die Teilnahme an der 2019 entstandenen European Ninja League. Zur Erfolgsaussicht meint der ehrgeizige 32-Jährige: »Nichts ist unmöglich.« Wer die Ortmüllers einmal auf ihren Bundesliga-Routen im Bouldern erleben will, findet entsprechende Videoclips auf dem Instagram-Account »ninja_phoenix90«.

Von Guido Tamme