Braunfels: Gedenken an die Reichspogromnacht

Deutschlandweit wurde am 9. November an die Ereignisse der Reichspogromnacht vor 86 Jahren erinnert. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten die Nazis deutschlandweit Synagogen nieder, misshandelten Jüdinnen und Juden, verwüsteten ihre Wohnungen und Geschäfte. Die Pogromnacht war der Auftakt für die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus.
© Britta Pedersen

In Braunfels ist es Tradition, dass der Stadtverordnetenvorsteher am Abend des 9. November an die Geschehnisse der Reichspogromnacht erinnert. Auch in diesem Jahr.

Anzeige

Braunfels. Jedes Jahr lädt der Braunfelser Stadtverordnetenvorsteher für den 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, an das Mahnmal an der ehemaligen Synagoge in Braunfels zu einer Gedenkstunde ein und legt dort einen Kranz nieder.

Auch in diesem Jahr folgten wieder etwa 30 Mitbürgerinnen und Mitbürger der Einladung. Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Stadtverordnetenvorstehers Michael Hollatz sprach Pfarrer Sven Seuthe von der evangelischen Kirche einige einleitende Sätze. 

In seiner Gedenkrede warf Hollatz einen Blick zurück in die dunkle Zeit des Nationalsozialismus, betonte aber auch den Neuanfang, den Israels Präsident Ben Gurion und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1960 in New York besiegelten und auf den beide Staaten nun aufbauen sollten. Mit großer Sorge blickte Hollatz auf den wachsenden Antisemitismus im Land, den man vor dem 7. Oktober 2023, vor dem Terroranschlag der Hamas auf Israel, nie für möglich gehalten habe. Und er verdeutlichte, dass Antisemitismus, egal, von welcher Seite er komme, nicht hinnehmbar sei.

Anzeige
Setzen sich für das Gedenken an die Reichspogromnacht in Braunfels ein (v.l.): Karl-Heinz Blättel, Joachim Bernecke und Michael Hollatz.
Setzen sich für das Gedenken an die Reichspogromnacht in Braunfels ein (v.l.): Karl-Heinz Blättel, Joachim Bernecke und Michael Hollatz.
© Karl-Heinz Blättel

„Wir gedenken heute der vielen Opfer der Pogrome in den Tagen um den 9. November 1938, der Verfolgung in den darauf folgenden Jahren und der Ermordung von Millionen Menschen. Und so denken wir heute hier an unsere ehemaligen jüdischen Nachbarn, Freunde, Verwandte – alle jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Braunfels. Und wir hoffen, dass sie uns vergeben haben, was vor 86 Jahren und danach geschah“, schloss Hollatz seine Rede.

Gemeinsam wird ein „Vater unser“ gesprochen

Musikalisch gestaltet wurde der Abend von Linda Gundal, die zum einen mit einem gesungenen Psalm zur Erinnerung beitrug, aber auch mit dem Lied „Hevenu shalom aleichem“, das auf dem hebräischen Gruß „Shalom aleichem“ (Friede sei mit euch) basiert.

Eine kurze Ansprache hielt auch Pastoralreferentin Andjelka Ferincevic von der katholischen Kirche, bevor Jutta Göttsche von der evangelisch-methodistischen Gemeinde das Schlusswort sprach, das sie mit dem gemeinsam gesprochenen „Vater unser“ beendete.