Braunfels: Gedenken an die Reichspogromnacht
In Braunfels ist es Tradition, dass der Stadtverordnetenvorsteher am Abend des 9. November an die Geschehnisse der Reichspogromnacht erinnert. Auch in diesem Jahr.
Braunfels. Jedes Jahr lädt der Braunfelser Stadtverordnetenvorsteher für den 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, an das Mahnmal an der ehemaligen Synagoge in Braunfels zu einer Gedenkstunde ein und legt dort einen Kranz nieder.
Auch in diesem Jahr folgten wieder etwa 30 Mitbürgerinnen und Mitbürger der Einladung. Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Stadtverordnetenvorstehers Michael Hollatz sprach Pfarrer Sven Seuthe von der evangelischen Kirche einige einleitende Sätze.
In seiner Gedenkrede warf Hollatz einen Blick zurück in die dunkle Zeit des Nationalsozialismus, betonte aber auch den Neuanfang, den Israels Präsident Ben Gurion und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1960 in New York besiegelten und auf den beide Staaten nun aufbauen sollten. Mit großer Sorge blickte Hollatz auf den wachsenden Antisemitismus im Land, den man vor dem 7. Oktober 2023, vor dem Terroranschlag der Hamas auf Israel, nie für möglich gehalten habe. Und er verdeutlichte, dass Antisemitismus, egal, von welcher Seite er komme, nicht hinnehmbar sei.

„Wir gedenken heute der vielen Opfer der Pogrome in den Tagen um den 9. November 1938, der Verfolgung in den darauf folgenden Jahren und der Ermordung von Millionen Menschen. Und so denken wir heute hier an unsere ehemaligen jüdischen Nachbarn, Freunde, Verwandte – alle jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Braunfels. Und wir hoffen, dass sie uns vergeben haben, was vor 86 Jahren und danach geschah“, schloss Hollatz seine Rede.
Gemeinsam wird ein „Vater unser“ gesprochen
Musikalisch gestaltet wurde der Abend von Linda Gundal, die zum einen mit einem gesungenen Psalm zur Erinnerung beitrug, aber auch mit dem Lied „Hevenu shalom aleichem“, das auf dem hebräischen Gruß „Shalom aleichem“ (Friede sei mit euch) basiert.
Eine kurze Ansprache hielt auch Pastoralreferentin Andjelka Ferincevic von der katholischen Kirche, bevor Jutta Göttsche von der evangelisch-methodistischen Gemeinde das Schlusswort sprach, das sie mit dem gemeinsam gesprochenen „Vater unser“ beendete.