Bahn macht den Hickengrund schon vor 150 Jahren attraktiv

Ein Bild aus dem Jahr 1915: der Niederdresselndorfer Bahnhof am Rande der Bahnstrecke Gießen - Cölln. Er wurde 1877 gebaut und noch bis 1941 genutzt.  Foto: Archiv Frank Lipke

Frank Lipke hat sich mit der Blütezeit der Hellertalbahn als Teil der Deutz-Gießener Eisenbahn beschäftigt. Der Hobbyautor macht auch einen Ausflug nach Dillenburg und Breitscheid.

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DILLENBURG/BREITSCHEID/ BURBACH-NIEDERDRESSELNDORF. Frank Lipke entwickelte mit den Jahren eine große Faszination für Eisenbahnen und den Schienenverkehr. Seine Leidenschaft bringt der Niederdresselndorfer in einem besonderen Sachbuch zum Ausdruck: "Der Bau der Bahnstrecke Giessen - Cölln und die Auswirkungen auf die industrielle Entwicklung des Hickengrundes". Das 32 Euro teure Buch ist nicht im freien Handel erhältlich, kann aber beim Autor bestellt werden.

Ein Bild aus dem Jahr 1915: der Niederdresselndorfer Bahnhof am Rande der Bahnstrecke Gießen - Cölln. Er wurde 1877 gebaut und noch bis 1941 genutzt.  Foto: Archiv Frank Lipke

Zweidreiviertel Jahre hat Lipke an der 298 Seiten starken Dokumentation gearbeitet. Viel Zeit und Herzblut flossen in das Projekt - und ganz viel Recherchearbeit. Er vertiefte sich in bestehende Fachliteratur über die Geschichte der Bahn in der Region. Darüber hinaus stellte er Nachforschungen im Dorf an, sprach mit Unternehmern und bat bei Familien ehemaliger Bahnbediensteter um alte Fotoaufnahmen. Rückmeldung und Material erhielt er sogar aus Amerika und Australien. Im Fundus des Heimatvereins Niederdresselndorf wurde er ebenfalls fündig.

Breitscheider Thonindustrie hatte eigene Verladestation

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Auf seiner Suche nach Informationen reiste er auch in verschiedene Landesarchive. Darüber hinaus durfte er Quellen aus dem DB-Museum Koblenz und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin nutzen.

Frank Lipke beschreibt anhand von Bauplänen von 1941 den Umbau des ersten Bahnhofs von 1877 zum bis 1999 bestehenden zweiten Bahnhof im Dorf sowie die Bedeutung und die außergewöhnliche Größe des Bahnhof Niederdresselndorf mit drei Güter- bzw. Verladebahnhöfen für den Ort mit seinen damals gerade einmal 500 Einwohnern.

Zusätzlich gab es noch die Drahtseilbahn (1901 bis 1947) der in Breitscheid beheimateten Westerwälder Thonindustrie (WTI) mit einer eigenen großen Verladestation mit Gleisen vor dem eigentlichen Bahnhof. Diese Drahtseilbahn verlor erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Zwar wurde die komplette Eisenbahnstrecke Haiger - Breitscheid bereits im Jahr 1939 nach der Fertigstellung des Rabenscheider Tunnels befahren, doch die Wiederinbetriebnahme erfolgte erst 1949. In diesem Jahr wurde die Strecke um 800 Meter auf insgesamt 13,1 Kilometer bis zur Westerwälder Thonindustrie verlängert. Einen dritten Verladebahnhof gab es auf dem Gelände des heutigen Tennisclubs Hickengrund.

Antriebsfeder für das Projekt war die Erkenntnis, dass viele gar nicht wissen, warum die frühere Hauptstrecke Gießen - Köln durch den Hickengrund verlief und wie groß der Bahnhof zu seinen besten Zeiten war. Das wollte der gelernte Bürokaufmann ändern. Das nötige Selbstbewusstsein holte er sich in der Zeit, als die Ortsdurchfahrt neu gebaut wurde und er täglich über den Fortschritt der Maßnahme auf Facebook berichtete. "Das hat mich zum Schreiben gebracht", sagt der Frührentner, bei dem 2009 Parkinson diagnostiziert wurde. Von der schweren Krankheit ließ er sich bei seinem Herzensprojekt nicht aufhalten.

In dem Buch geht es aber nicht nur um den Hickengrund. Der Dresselndorfer widmet sich auch den Endstationen der Hellertalbahn. Das war im Nordwesten das Bahnbetriebswerk in Betzdorf, im Südwesten Dillenburg. Beide Standorte werden auf jeweils elf Seiten ausgiebig beschrieben. Und bildlich festgehalten ist beispielsweise der Tag der offenen Tür im Juni 1970 in Dillenburg. Dabei darf die "letzte Ruhestätte" der Lok 094 539-6 am Bahnhofsvorplatz in Gönnern nicht fehlen.