Mandelns "Adler" feiern den 100. Geburtstag

Mit Verspätung begeht die TSG Mandeln ihr Jubiläum. Erinnerungen an eine sehr wechselhafte Vereinsgeschichte, die mit buchstäblich nichts begann, und eine "tierische" Verbindung.

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DIETZHÖLZTAL-MANDELN. Es geht auch ohne - unter diesem Motto lassen sich die Anfänge des Fußballs in Mandeln zusammenfassen. Als im Mai 1921 Ferdinand Blecher, Theodor Gisse, Alfred Nassauer und Heinrich Leukel die Gründung des SV "Adler" auf den Weg brachten, hatten sie buchstäblich nichts, was einen Fußballverein heute ausmacht. Gespielt wurde auf Viehweiden mit einem "Lappenknäuel" in Ermangelung von Sportplatz und Ball.

Aber die Begeisterung für das runde Leder, auch wenn das erst einmal aus Stoffresten bestand, kannte keine Hindernisse. Schon nach einem Jahr konnten die "Adler" 20 Spieler aufbieten, die sich auch von einer ersten hohen Niederlage in Achenbach und einer 0:11-Klatsche in Rittershausen nicht entmutigen ließen.

Festzelt wird zum Mittelpunkt des Dorfes

100 Jahre später, wegen Corona mit einem Jahr Verspätung, wird am 10. und 11. September das 100-jährige Jubiläum groß gefeiert. Ein Festzelt für 800 Besucher soll auf dem Sportplatz zwei Tage zum Mittelpunkt des Dorfes werden. Dass die Corona-Pandemie den Fußballern im vergangenen Jahr einen Strich durch die Jubiläums-Pläne machte, passt in gewisser Weise zur Geschichte des Vereins, die kaum wechselhafter hätte verlaufen können.

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Fünf ersten Jahren mit Freundschaftsspielen folgten 1926 drei Jahre Pause, die erst durch den Burbacher Werner Marenbach beendet wurden. Er mobilisierte die Kicker wieder, die bald darauf den Verein ein zweites Mal gründeten. Es gab die ersten Trikots, für die jeder Spieler pro Woche eine halbe Mark bezahlen musste.

1934 schlossen sich die Mandelner Fußballer mit dem Sportverein Roth zu einer Spielgemeinschaft zusammen - es sollte nicht die letzte bleiben. Drei Jahre hielt die Verbindung, die mit dem zweiten Platz in der B-Klasse des Kreises Biedenkopf ihren größten Erfolg feiern konnte. Höhepunkte aber waren drei Gastspiele von Viktoria 09 Düsseldorf, wie aus der Vereinschronik, die zum 60. Geburtstag erstellt worden war, zu erfahren ist. 1936 fuhren die Mandelner zum Rückspiel an den Rhein.

Turner und Leichtathletik-Abteilung

Nachdem der Zweite Weltkrieg für eine erneute Unterbrechung gesorgt hatte, starteten die Kicker schon 1945 nun mit vereinten Kräften durch: Zusammen mit dem Turnverein waren die Fußballer als "Turn- und Sportgemeinschaft" aktiv. Für ein Jahr schlossen sich auch die Ewersbacher Kicker an.

In den Nachkriegsjahren waren vor allem die Turner sehr aktiv, dazu gesellte sich eine rührige Leichtathletik-Abteilung, deren Aushängeschild Lore Klute später deutsche Hochschulmeisterin wurde.

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Die Fußballer kämpften derweil in der B-Klasse mit um die Meisterschaft, die sie 1950 nur knapp verpassten. Hatte die Mannschaft bislang "auf dem Lotz" gespielt, stellten die Sportler nun ihr handwerkliches Können unter Beweis und bauten "am Heckelchen" einen neuen Sportplatz. Auf dem mietete sich 1955 auch der SSV Steinbrücken ein - für jedes Spiel musste eine Gebühr von vier Mark gezahlt werden.

20 Jahre später feierte die TSG mit dem Aufstieg in die A-Klasse ihren größten sportlichen Erfolg. Die Freude darüber war riesengroß, währte aber nur zwei Spielzeiten, dann ging es zurück in die B-Liga.

Wie die Fußballer waren auch die Tischtennisspieler 1975 in die A-Klasse aufgestiegen, kämpften drei Jahre gegen den Abstieg und etablierten sich dann in der oberen Tabellenhälfte.

Spielbetrieb ruht in den 1990er Jahren

In den 90ern gab es bei den Fußballern der TSG einen Bruch. Der Spielbetrieb ruhte und wurde erst 1998 wieder aufgenommen. Es folgte ein weiterer "Aussetzer", ehe 2003 wieder Kontinuität einzog. Zehn Jahre später schließlich taten sich die "Adler" aus Mandeln mit den Raben aus Steinbrücken zusammen und bilden seither die Spielgemeinschaft "Hammerweiher." Schon 2005 waren die Mandelner noch "solo" in die B-Klasse aufgestiegen.

2010 waren wieder bauliche Fertigkeiten gefragt, als es an den Bau des Sportheims ging. Inzwischen sind auch das Flutlicht, der Ballfangzaun und die Toilette erneuert worden. Das jüngste Projekt sind nun die Duschen.

Zuerst aber wird groß gefeiert. Am 10. September geht es um 19.30 Uhr mit einem Festkommers los, in dessen Rahmen auch neue Ehrenmitglieder ausgezeichnet werden sollen. "Reset - Die VollXrocker" wollen im Anschluss den Gästen musikalisch kräftig einheizen. Am Sonntag sorgen dann ab 11 Uhr die "Weifenbacher Musikanten" mit böhmisch-mährischer Blasmusik für die Unterhaltung beim abschließenden Frühschoppen.