Dillenburger Experten: Das Eigenheim bleibt finanzierbar

Kann ich die Kosten für ein Eigenheim tragen? Diese Frage stellen sich viele Menschen aufgrund der aktuellen Preissteigerungen. Symbolfoto: dpa

Gestiegene Bauzinsen alleine lassen den Traum vom Eigenheim nicht platzen. Risikofaktor ist eher die Inflation. Warum das so ist, erklären zwei heimische Bänker.

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DILLENBURG. Die Bauzinsen steigen, die Inflation holt weiteres Geld aus dem eigenen Portemonnaie. Wir wollten wissen, wie sich die Zinssteigerungen auf dem Immobilienmarkt und die Kreditvergabe auswirken und haben dazu Michael Lehr, Vorstand der Sparkasse Dillenburg, und Timo Heck, Bereichsleiter Marketing der VR-Bank Lahn-Dill, befragt.

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"Die Anzahl der Beratungsgespräche ist ungebrochen auf hohem Niveau", sagt Lehr. Heck äußert sich ähnlich und spricht von einem "konstanten Niveau". Ähnlich sieht es in der Immobilienabteilung aus, wo der Marketingleiter "keinen nennenswerten Rückgang der Nachfrage" feststellt. Ein wenig anders formuliert es die Sparkasse: "Die Nachfrage ist qualifizierter geworden. Nur mal so, um mal die eigenen Möglichkeiten zu erkunden, kommen weniger." Es gebe aber viele Kernbereiche im heimischen Raum, da sei auf dem Markt kein Angebot vorhanden.

Dass Finanzierungen in die Zukunft abgeschlossen werden, ist laut Michael Lehr "gang und gäbe". Das würde sein Haus seit Jahren praktizieren. Wenn jemand ein Konzept habe, sei das völlig unkritisch. Oft werde in der zweiten Jahreshälfte geplant und erst im Frühjahr angefangen. Dann würde bei der Beratung die Frage zu beantworten sein: "Kann ich mir das auch leisten?" Bei der Volksbank bietet man an, den Kreditbetrag je nach Kundenwunsch und individueller Vereinbarung bis zu 18 Monate zu den heute vereinbarten Konditionen bereitzustellen. Voraussetzung ist, dass alle für eine Kreditbeantragung erforderlichen Unterlagen vorliegen. Alternativ nennt Heck ein sogenanntes Forwarddarlehen: "Diese sichern die heutigen Konditionen mit einem gewissen Zinszuschlag auch für weiter in der Zukunft liegende Baubeginne."

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Bei der Berechnung der monatlichen Belastungen spielt auch die Laufzeit eine Rolle. Die Kosten steigen mit einer längeren Zinsbindung leicht. Timo Heck rät "auf dem derzeitigen, historisch immer noch sehr niedrigen Zinsniveau, zu langfristigen Finanzierungsmodellen". Das sei auch in der Niedrigzinsphase von Kunden nachgefragt worden. Letztendlich sei eine Baufinanzierung aber immer hochindividuell. Michael Lehr sieht es ähnlich: "Bei einer Laufzeit von 10 oder 15 Jahren kann man nichts falsch machen." Er kann einen "Fünf-Jahres-Schnapper" derzeit nicht empfehlen. Auch für ihn gibt es eine individuelle Überlegung: "Wenn in absehbarer Zeit zusätzliches Geld zur Verfügung steht, ist eine lange Laufzeit hinderlich."

Die Baufinanzierung ist die eine Sache, wenn die Zinsbindung abgelaufen und die eigenen vier Wände noch nicht komplett bezahlt sind, steht eine Anschlussfinanzierung an. Hier geben beide Finanzexperten mit Blick auf die Zinsentwicklung und die "Standardlaufzeit" von zehn Jahren Entwarnung. Beide Aussagen ähneln sich: Lehr spricht von "grob geschätzt dem Niveau von vor zehn Jahren", Heck von "aktuell auf dem Niveau von vor zehn Jahren". Wer nach 15 Jahren die Anschlussfinanzierung braucht, kommt aus dem Abschlussjahr 2007 sogar von einem rund 1,5 Prozent höheren Zinssatz in die neue Zinsbindung.

Zehn-Jahres-Anleihen als Indikator ansehen

Der Sprecher der VR-Bank sagt, dass bei den Beratungen in seinem Haus auch ein Zinsanstieg bei der Anschlussfinanzierung simuliert und in die Gesamtbetrachtung einbezogen werde. Das habe nicht nur vor zehn Jahren gegolten, auch in der Niedrigzinsphase seien die Kunden dafür sensibilisiert worden. Michael Lehr macht eine Rechnung auf mit einer 300 000-Euro-Finanzierung. Ein Prozent mehr Zinsen würden zusätzliche 250 Euro im Monat, zwei Prozent mehr 500 Euro im Monat an Abtrag bedeuten. Er rät bei niedrigen Zinsen zu mehr Tilgung, um das Eigenheim schneller schuldenfrei zu bekommen.

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Beide Banker gehen aber auch auf die aktuellen Preissteigerungen ein, die sowohl den Lebensunterhalt als auch Neubaupläne beinhalten. So ist sich der Sparkassen-Vorstand sicher, dass "Dinge, die letztes Jahr noch möglich waren, heute und morgen nicht mehr möglich sind". Bei solchen "stärkeren Belastungen" würde man mit den Kunden Lösungen wie Ratenreduzierungen oder Ratenaussetzungen besprechen, sagt Heck.

Der Marketingleiter sieht den erst vor wenigen Tagen angehobenen Leitzins nicht als Faktor für den Bauzins. Dieser beeinflusse in der Regel nur kurzfristige Zinsbereiche. Als Indikator für den Bauzinssatz sieht er beispielsweise die Entwicklung von Zehn-Jahres-Bundesanleihen. Für Lehr "hängt das damit zusammen, aber nicht 1:1." Dies sehe man daran, dass der Leitzins jetzt erst angepasst worden, der Bauzins aber schon Anfang des Jahres gestiegen sei. Der Sparkassenvorstand zitiert die Marktmeinung: "Der Bauzins ist in einem Jahr einen Ticken höher als jetzt."