Weiter Streit ums Energiesparen in Dillenburg

Wahrzeichen als Schattenriss: Nachts steht der Wilhelmsturm seit Kurzem im Dunklen da. Nur die Laternen des Fußwegs sind eingeschaltet. Foto: Katrin Weber

Während das Herborner Stadtparlament bereits Sparbeschlüsse gefasst hat, wird in der Oranienstadt noch diskutiert. Es geht auch um Weihnachtsbeleuchtung, Sonderurlaub und Ampeln.

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DILLENBURG. Weil im Winter in Deutschland das Gas knapp werden könnte, soll Energie gespart werden. Neben dem Gas, das bisher überwiegend aus Russland importiert wurde, auch Strom - auch weil der zum Teil in Gaskraftwerken zu hohen Kosten produziert wird. Zum Sparen sind alle aufgerufen, auch die Kommunen, was in Dillenburg nach dem Sozialausschuss nun auch im Gremium, das sich mit Klima und Umwelt, Zukunft und Nachhaltigkeit beschäftigt, für Streit sorgte.

Worum geht es? Die von der Verwaltung vorgelegten Maßnahmen, mit denen Energie im Herbst und Winter eingespart werden soll, unterteilen sich in drei Blöcke. Der erste umfasst verbindliche Vorgaben des Bundes, die die Stadt umzusetzen hat.

Anlass für Diskussionen geben die Blöcke zwei und drei: Sowohl die Sparmaßnahmen, die der Städte- und Gemeindebund vorgeschlagen hat, als auch zusätzliche Bemühungen, die in der Stadtverwaltung überlegt worden sind, sind freiwillige Maßnahmen - und damit politische Verhandlungsmasse.

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Schärfster Kritiker der angedachten Sparvorhaben war auch im Klimaausschuss Klaus Niggemann von der AfD. Auf der Gegenseite deutete Knut Letzel von den Grünen schon einmal an, dass seine Fraktion sich auch weitergehende Sparmaßnahmen vorstellen könne.

Beispiel Weihnachtsbeleuchtung: Dass die Kerzen auf dem Wilhelmsturm in der Adventszeit nicht leuchten sollen, fand Niggemann nicht so schlimm, auf die übrige Weihnachtsbeleuchtung der Stadt aber wollte er nicht verzichten. Der Aufwand, sie zu reduzieren sei größer als der Effekt, den man sich damit zu erzielen erhoffe. "Das bringt so gut wie nichts", lautete sein Urteil.

Otto Nickel (Bürger für Dillenburg) sprach sich auch gegen eine starke Reduzierung aus: "Was jetzt noch übrig geblieben ist, ist ohnehin schon wenig", befand er mit Blick auf die Weihnachtsbeleuchtung der Oranienstadt.

Auf die könne man auch ganz verzichten, erklärte dagegen Letzel. "Das Christenherz wird sich auf andere Weise erwärmen", prognostizierte er und sah sehr wohl einen Spareffekt. Der entstehe durch die Masse, weil Dillenburg nicht alleine spare.

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Beispiel Ampelanlagen: Hier schlägt die Verwaltung eine Prüfung vor, welche Anlagen nachts ganz ausgeschaltet werden können. Auch das bringe nichts, kritisierte Niggemann und erhöhe zudem, wenn auch nur in geringen Maße. die Gefahr von Unfällen.

Frank Lenz (CDU) sah dagegen gleich mehrere Ampeln, bei denen man sich zu später Stunde frage, für wen sie noch in Betrieb seien. Auch Bürgermeister Michael Lotz (CDU) hielt die Gefahr etwa für Fußgänger mitten in der Nacht beim Überqueren einer Straße für sehr gering, wenn zu dieser Zeit nur fünf Autos in der Stunde unterwegs seien. Lenz schlug vor, die entsprechenden Ampeln für ein halbes Jahr nachts auszuschalten, um dann auch einen Vergleich beim Energieverbrauch ziehen zu können.

Beispiel Sonderurlaub: Er wolle da auch kein Miesepeter sein, so Niggemann, frage sich aber, wie viel man tatsächlich durch die zwei Tage Sonderurlaub einspare, die die städtischen Bediensteten vor Heiligabend bekommen sollen. Das müsse man zudem den Bürgern erklären, die nicht in den Genuss kämen. "Was ist mit den Kita-Mitarbeitern?", fragte Niggemann und sah ein Gerechtigkeitsproblem.

Der Rathaus-Chef erklärte, dass Schulen und Kitas bei den Sparmaßnahmen ausgeklammert würden. Für die Mitarbeiter, die vor Weihnachten nicht in den Genuss des Sonderurlaubs kämen, könne es einen Ausgleich geben.

Als Knut Letzel erklärt hatte, es gehe bei den Einsparbemühungen ums "Große und Ganze" und um Solidarität mit der Wirtschaft und anderen europäischen Ländern, sah Niggemann die Grünen damit enttarnt. Die wollten den Menschen vorschreiben, wie sie zu wohnen, zu reisen hätten und was sie essen dürften. "Das ist die grüne Ideologie", erklärte der AfD-Mann.

Und handelte sich damit eine Ermahnung der Ausschuss-Vorsitzenden Silke Schumacher (CDU) ein, sich auf die Dillenburger Thematik zu beschränken, um die es im Ausschuss gehe.

"Es wird komplizierter gemacht, als es ist. Die heimische Wirtschaft macht genau dasselbe", sagte Jutta Simon (FDP) zu den vorgeschlagenen Maßnahmen. Wie genau die aussehen sollen, also beispielsweise die Frage, welche Ampel nachts ausgeschaltet werden könne, soll nun in den folgenden Ausschüssen und zusätzlichen Informationen aus der Verwaltung geklärt werden.