Meinung

Kommentar zu Herborns Wildgehege: Türöffner

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VRM Redaktion
Um die Zukunft dieses Esels und die der anderen Tiere geht es: Die Herborner Lokalpolitik beschäftigt sich derzeit mit dem Wildgehege.Archivfoto: Katrin Weber

Redakteur Christian Hoge fragt sich, was eigentlich das "öffentliche Interesse" in Bezug auf Herborns Wildgehege und Erholungswald ist.

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Vom "Wohl der Allgemeinheit" bis zum "öffentlichen Interesse": Wer im Bundes- und im Landeswaldgesetz nach dem Begriff "Erholungswald" sucht, stößt auf hohe Hürden: Wird ein Stück Natur in Deutschland zum "Erholungswald" erklärt, soll das möglichst auch so bleiben. Es braucht gute Gründe, um den Status wieder aufzuheben. Zu Recht - gerade in Zeiten des massenhaften Waldsterbens. Aber was ist eigentlich das "öffentliche Interesse"? Was, wenn ein gut gemeintes Gesetz zum Stolperstein für etwas wird, das den Menschen ans Herz gewachsen ist? Seit 57 Jahren. Etwas, das dem Interesse an der Natur mehr hilft als schadet. Was, wenn mehr zerstört als Wald geschützt wird? Diese Fragen stellen sich zum Herborner Wildgehege. Das gibt es seit 1965. Die Flächen wurden 1987 zum "Erholungswald" erklärt. Längst hätten Forstbehörden überprüfen müssen, ob das Wildgehege dort bleiben darf. Doch ist das Ergebnis wirklich in Stein gemeißelt? Oder ist es eine Abwägung wert? Ob Kinder oder Erwachsene, ob Einheimische oder Besucher der Stadt - sie alle lieben die Freizeitattraktion. Für viele ist sie ein Hauptgrund, den Wald zu betreten - für manche der einzige. Ein Türöffner zur Natur. Ein "öffentliches Interesse". Nun soll das Wildgehege aus dem "Erholungswald" verschwinden - und auf Wiesen weiter bestehen. Deutlich kleiner. Keine Frage: Die Stadtverwaltung muss sich an Recht und Gesetz halten. Dazu gehört, den Status Quo zu klären. Vielleicht mit unpopulären Folgen. Klar ist auch: Wenn die A45-Brücke neu gebaut wird, muss ein Teil des Wildgeheges umziehen. Alles andere ist aber diskussionswürdig.

Von Christian Hoge