"Ohne Herzblut ist dasEhrenamt nicht denkbar"

Sie leitet das Freiwilligenzentrum Mittelhessen:  Karin Buchner spricht im AWO-Mehrgenerationenhaus Herborn zum Thema "Die Grenzen des Ehrenamts". Foto: Joachim Spahn

(red). "Sie haben es in der Hand, 'Stopp' zu sagen." Diesen Ratschlag hat Karin Buchner vom Freiwilligenzentrum Mittelhessen den freiwillig Engagierten mit auf den Weg, die...

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HERBORN. "Sie haben es in der Hand, 'Stopp' zu sagen." Diesen Ratschlag hat Karin Buchner vom Freiwilligenzentrum Mittelhessen den freiwillig Engagierten mit auf den Weg, die kürzlich zu einer Fortbildung ins Mehrgenerationenhaus der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Lahn-Dill in Herborn gekommen waren.

"Die Grenzen des Ehrenamts" lautete das Thema des Nachmittags, zu dem die AWO als Teil ihres Programms "Chancenpatenschaften" eingeladen hatte.

Professionelle Hilfe bei Bedarf dazuholen

Die Möglichkeiten Einzelner auf gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern, bürgerschaftliches Engagement zu fördern, mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen und so einer Gefahr der Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken - das sind Ziele der Initiative. Dafür haben das Team vom Mehrgenerationenhaus und dort engagierte Ehrenamtliche unter anderem "Lesepatenschaften" für Kinder und Jugendliche der Kirchbergschule übernommen.

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Außer diesen freiwillig Engagierten nahmen auch Frauen und Männer an der Fortbildung teil, die als ehrenamtliche Vorstandsmitglieder eines AWO-Ortsvereins, in Betreuenden Grundschulen oder auch im Bereich der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe im Einsatz sind. "Ziehen Sie für sich eine Grenze, wo Ihre Verantwortung aufhört", schriebe Karin Buchner unter anderem denen ins Stammbuch, die sich für Menschen mit Fluchthintergrund engagieren.

Zwar sei klar, dass "das Ehrenamt ohne Herzblut nicht denkbar" sei. Wenn einem das freiwillige Engagement aber zu viel werde oder man gar das Gefühl habe, auszubrennen oder ausgenutzt zu werden, habe man jedoch auch das Recht, "Nein" zu sagen.

Buchner appellierte an die Teilnehmer, "sich ihrer Rolle bewusst zu werden", eine Grenze zwischen Ehren- und Hauptamt zu ziehen und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen: "Holen Sie sich, wenn es sein muss, Fachkräfte ins Boot."

Die "Chancenpatenschaften für mehr Teilhabegerechtigkeit" sind eine Weiterentwicklung des Projekts "Menschen stärken Menschen". Es ist ein Patenschaftsprogramm für Flüchtlinge, bei dem bundesweit bereits mehr als 50 000 Zwei-Personen-Teams - je ein Flüchtling und ein Begleiter - zusammengeführt wurden.

Wer Lust hat, eine Patenschaft für junge Menschen zu übernehmen, die schwierigen individuellen Bedingungen unterliegen, oder wer sich zum Beispiel für ältere Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund einsetzen will, kann sich unter Telefon 0 27 72-95 96 16 oder per E-Mail an j.spahn@awo-lahn-dill.de im AWO-Mehrgenerationenhaus melden. Es gibt sowohl "1:1-" als auch "Gruppenpatenschaften".