Die Stimmen sind noch geölt

Chorleiter Ludwig Jobst probt mit dem Chor der Sängervereinigung Waldgirmes im Hof des Heimatmuseums.  Foto: Lothar Rühl

Sie sing wieder, die Sängervereinigung Waldgirmes. Allerdings unter besonderen äußeren Bedingungen.

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. Lahnau-Waldgirmes. "Aloha ohe, Aloha ohe. Wer weiß, wann ich dich einmal wieder seh": Musikalische Shantyklänge dringen vom Hof des Heimatmuseums in Waldgirmes. Doch nicht Freddy Quinn ist hier zu Gast. Der Chor der Sängervereinigung Waldgirmes mit rund 30 Aktiven hat den Museumshof eingenommen und übt altbekannte Lieder.

Sechs Monate lang konnten sich die Chormitglieder nicht zum gemeinsamen Üben treffen, berichtet die Vorsitzende Brigitte Krieger. "Alle Sängerinnen und Sänger sind froh, dass die Chorstunden wieder beginnen", erzählt Krieger. Zur Sängervereinigung gehören insgesamt fünf Chöre mit rund 200 Aktiven. "Die zahlenmäßig kleineren Chöre wie der Kinderchor, der Jugendchor und die Gruppe ,Musik für Kids' treffen sich im Probenraum in der Lahntalhalle. Am Ende der Chorstunde gehen sie vor die Türe und singen im Freien", so die Vorsitzende. Der große Chor und auch die 2009 als Projektchor gegründete Formation "Summertime" üben im Museumshof.

Hoffen auf Proben in der Lahnauhalle

"Wir sind der Gemeinde Lahnau dankbar, dass wir uns an diesem Ort treffen können", so Krieger. "Herrlich, man singt zu Hause doch nicht so frei", sagt Ursula Bindemann. Und ihr Gatte Karlheinz sagt, "Die Chorstunden bedeuten mir unheimlich viel. Es war deprimierend so lange nicht zusammenkommen zu können". Norbert Stamm stimmt in die gleiche Melodie ein: "Ich bin froh, dass wir wieder zusammen singen".

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"Zunächst üben wir keine neuen Lieder ein", erläutert Chorleiter Ludwig Jobst von der Wetzlarer Musikschule. Auch wenn die Chorstunden vor Corona an anderen Tagen stattfanden, so ist das Interesse an den Begegnungen und dem gemeinsamen Singen groß, berichtet Krieger. Zwischendurch animiert Jobst die Chormitglieder: "Dürfen wir stehen? Das Beste für die Körperhaltung beim Singen ist das Stehen. Dabei sollten die Füße etwas auseinander platziert werden". Mit einem Abstand von 1,50 Meter könnten die Sänger sich nicht auf den Nachbarn verlassen, der sie musikalisch mittrage. Jeder muss nun selbst bewusster singen.

In den vergangenen Monaten hat der Chor seinen Mitgliedern Material für das Üben zu Hause zur Verfügung gestellt. "Für alle Gruppen haben wir ein Hygienekonzept erarbeitet", berichtet die Vorsitzende. In Zehnergruppen treffen sich die Sänger im Probenraum, um die Partituren durchzugehen.

Im Sommer hatte die Sängervereinigung eigentlich ein großes Fest mit Gastchören geplant. Doch daraus ist wegen Corona nichts geworden. "Das Fest soll im kommenden Jahr in der Lahnauhalle nachgeholt werden", erklärt Krieger und hofft, dass die Pandemie bis dahin eingedämmt ist. Es sei einerseits wichtig, die Stimmen in Schwung zu halten. Aber andererseits sei die soziale Gemeinschaft untereinander groß. Wenn die warme Jahreszeit zu Ende geht, hofft Krieger, dass die Gemeinde die Chöre nicht im Regen stehen lässt. Deshalb hat die Sängervereinigung einen Antrag an die Gemeinde gestellt, dass sie in der Lahnauhalle üben kann, die gerade für private Veranstaltungen geschlossen ist.