Baustopp im Hollergewann

Die Erdaufschüttung aus Perspektive des Radwegs, der von der Ortsmitte zum Outdoor-Zentrum führt. Foto: Thorsten Keller

Ein Investor schüttet im Biskirchener Gewerbegebiet Hollergewann ein Grundstück auf. Das sorgt für Fragen bei Anwohnern und Kommunalpolitikern.

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. Leun-Biskirchen. Erst im Juni hatte ein Investor im Gewerbegebiet Hollergewann in Biskirchen den Kaufvertrag für das Grundstück unterschrieben und in der Folge einen Bauantrag gestellt. Das war grundsätzlich auf positive Reaktionen auch innerhalb der Bevölkerung gestoßen. Doch nun tauchen plötzlich Fragen auf - und ein Baustopp.

Der Investor, die BFT-Werk GmbH aus Aßlar, soll, noch bevor die endgültige Baugenehmigung erteilt worden ist, begonnen haben, das Niveau des Grundstücks mit Erdaushub weiter zu erhöhen, lautet ein Vorwurf. Anwohnern bereitet diese Aufschüttung Sorgen. Und auch Leuner Kommunalpolitiker haben sich zu Wort gemeldet.

Das Gelände war bereits im vergangenen Jahr aufgeschüttet worden. Damals allerdings im Auftrag der Stadt. Hintergrund war, dass das Areal eine starke Hanglage aufwies. Dadurch sei es, erläuterte die Stadt damals, schlecht zu vermarkten. Deshalb wurde das Niveau des Geländes in der Folge angeglichen.

Im Bauausschuss der Stadt war die erneute Aufschüttung bereits in der vergangenen Woche ein Thema und auch in der Stadtverordnetensitzung am Montag kam der Vorsitzende des Ausschusses, Marco Carnetto (SPD), in seinem Bericht darauf zu sprechen. Wie er sagte, habe die Stadt das Aufschütten 2019 erst auf Drängen der Stadtverordneten der Bauaufsichtsbehörde des Lahn-Dill-Kreises zur Kenntnis vorgelegt. Diese habe diesbezüglich keine Einwände gehabt. Das Ganze sei als baugenehmigungsfreies Vorhaben eingestuft worden.

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Stadt hat Areal aufgefüllt, um es besser zu vermarkten

Carnetto verwies danach aber auch noch auf die Untere Naturschutzbehörde. Das Einbringen von Material auf oder in den Boden müsse dieser angezeigt werden, und zwar unter Angabe der betroffenen Fläche, des Zwecks des Vorhabens und der Inhaltsstoffe sowie der Menge.

Dies sei 2019 geschehen und die Untere Naturschutzbehörde habe darauf hingewiesen, dass schädliche Einflüsse auf den Boden zu vermeiden seien. Dies gelte besonders in Hinblick auf die Mineralquelle in Biskirchen, die sich in unmittelbarer Nähe des Gewerbegebiets befinde. Aufschüttungen, das habe die Behörde klargemacht, bedürften in diesem Bereich deshalb grundsätzlich der Genehmigung.

Wie Carnetto schilderte, habe 2019 ein konkreter Lageplan gefehlt. Daher sei die zu verfüllende Erdmenge anhand einer Fotodokumentation auf 62 000 Kubikmeter geschätzt worden.

In Hinblick auf eine weitere Aufschüttung wollte Carnetto im Bauausschuss wissen, ob es eine Genehmigung für diese gebe.

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Währenddessen machen sich die Biskirchener Sorgen, um die Auswirkungen, die die Anhebung des Grundstücks durch den Investor mit sich bringen könnte. Stadtverordneter Thorsten Keller (FWG), der selbst Anwohner ist, erläuterte auf Nachfrage dieser Zeitung, was die Bürger bewegt: "Als die Stadt aufgeschüttet hatte, waren die Anwohner der Meinung, dass dies noch in Ordnung ist. Die Bäume auf dem alten Bahndamm in Biskirchen boten einen ausreichenden Sicht- und Lärmschutz." Das habe sich nun aber geändert. "Durch das erneute Auffüllen reicht das Gelände jetzt fast bis zur Spitze der Bäume. Wenn jetzt noch eine Halle darauf gebaut wird, wird das sehr hoch", sagt er. Schätzungen zufolge könnte alleine die Höhe des Grundstücks bei bis zu sieben Metern liegen.

Mögliche Belastungen durch Lärm, die Beleuchtung des Geländes in den Abendstunden, aber auch das Stäuben von Zement bei der vorgesehenen Herstellung von Betonteilen, befürchten die Anwohner. Sie fragen sich auch, ob Letzteres Auswirkungen auf die Mineralquelle haben könne. Zudem sei natürlich kein Mutterboden verfüllt worden. Die Qualität der angefahrenen Erde sei fraglich, finden die Bürger.

Im Bauausschuss hatte Bürgermeister Björn Hartmann (CDU) erläutert, dass die Stadt über die erneute Aufschüttung nicht informiert worden sei. "Die Stadt Leun hat weder etwas beauftragt noch genehmigt", sagte er. Bauamtsleiter Stefan Putz wiederum teilte mit, dass ein Bauantrag eingegangen sei und sich in der Prüfung befinde. Eine weitere Aufschüttung hätte vor der Genehmigung nicht vorgenommen werden dürfen. Mittlerweile, so erklärte der Bauamtsleiter in der Sitzung vergangene Woche, liege ein Baustopp vor.

Investor spricht von Missverständnis

Marco Carnetto kritisierte in der Stadtverordnetensitzung am Montag nun die abwartende Haltung der Stadt. "Ich habe mich maßlos geärgert, dass die Stadt Leun sich nicht für den Bodenschutz verantwortlich fühlt", sagte er. Eine weitere Kritik, die sich auf Stadtverordnete und Bauausschussmitglieder bezog, nahm er später ausdrücklich zurück.

Auf Nachfrage dieser Zeitung äußerte sich auch der Investor. Geschäftsführer Suljo Kovacevic erläuterte, dass es sich bei der Aufschüttung um eine Verbesserung beziehungsweise Modellierung des Geländes handle, die mit der Stadt im Rahmen der Verkaufsverhandlungen abgestimmt worden sei. "So wie es war, konnte es nicht bebaut werden." Im Zuge der Ausbaumaßnahmen sei eine "Vorproffilierung" von der Stadt Leun vorgenommen worden. Diese habe dann den Bauantrag gestellt sowie eine gutachterlicher Stellungnahme für das angelieferte und eingebaute Material der Behörde vorgelegt.

"Eine Stellungnahme des Kreises, unter anderem für die Auffüllung von 62 000 Kubikmetern, wurde festgestellt. Der Stand der bis dahin getätigten Auffüllungen war circa 15 000 Kubikmeter. Da bis dato die besagten 62 000 Kubikmeter nicht erreicht wurden, sind die Arbeiten der Auffüllungen wieder aufgenommen worden." Hier habe sich gezeigt, dass es zu einem Missverständnis gekommen sei. Die Stadt habe nach dem Auffüllen im Vorjahr eine Fertigstellungsanzeige bei der Behörde gemacht. Diese habe die Baumaßnahme damit als abgeschlossen gewertet. Deshalb müsse die Firma das weitere Auffüllen jetzt noch mal bei der Behörde neu beantragen. Die erforderlichen Unterlagen habe man bereits eingereicht.