Schöffengrund: Eine Gemeinde wird 50 Jahre alt

Musik zum Jubiläum: Feinfühlig singen die Damen des Frauenchors der Gemeinde Schöffengrund ihre Lieder.  Foto: Felix Leyendecker

Sechs Ortsteile formen eine Gemeinde. Doch bei der 50-Jahr-Feier von Schöffengrund wurde klar: Heimat ist das eigene Dorf.

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SCHÖFFENGRUND. SchöffengrundDen Jüngeren werden die Namen Albert Osswald und Hanns-Heinz Bielefeld vermutlich nichts mehr sagen. Die ältere Generation kann sich hingegen an die sozialliberale Koalition der 1970er-Jahre oft noch lebhaft erinnern. Der hessische Ministerpräsident Albert Osswald (SPD) und Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld (FDP) waren damals federführend an der hessischen Gebietsreform der 70er-Jahre beteiligt: 1972 war aus den sechs Gemeinden Oberwetz, Niederwetz, Oberquembach, Niederquembach, Schwalbach und Laufdorf die Gemeinde Schöffengrund geworden. Dieser freiwillige Zusammenschluss vor 50 Jahren ist nun im Bürgerhaus in Schwalbach gefeiert worden.

Musik zum Jubiläum: Feinfühlig singen die Damen des Frauenchors der Gemeinde Schöffengrund ihre Lieder.
Das Bürgerhaus zeigt sich am Samstagabend gut gefüllt. Die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Gemeinde Schöffengrund zog viele an.
Das Blasorchester gratuliert musikalsich.
Bei seiner Rede betont Schöffengrunds Bürgermeister Michael Peller, dass die Vereinigung der sechs Dörfer nicht immer leicht war.
Landrat Wolfgang Schuster (SPD) nutzt seine Rede, um die Vorzüge der Einheit zu betonen. Der Driedorfer weiß aber: Heimat ist, wo das Dorf ist.
Der Saal ist gut gefüllt, die Sängerinnen bereit. Hier warten die Damen vom Frauenchor Schöffengrund auf ihren Einsatz.
Heimatdichterin Margit Diehl trägt ihre Gedichte vor. Die Niederwetzerin dichtet nicht nur auf Hochdeutsch, sondern auch auf Platt.

Von der Politik verordnetes Zwangskuscheln

Dicht an dicht saßen die Gäste in der Halle. Das habe seinen Grund, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Schöffengrund, Andreas Wilnauer (FWG) in seiner Festrede. "Es ist schön eng hier. Wir machen quasi Zwangskuscheln. Dieses Zwangskuscheln der Gemeinde wurde uns damals von der Politik aufgetragen, und deswegen sitzen wir hier dicht an dicht."

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Aus sechs Ortsteilen eine Gemeinde zu formen, so lautete vor 50 Jahren die Aufgabe. Und das läuft aus Sicht der Gemeinde gut. "Wir formen die Gemeinde seit 50 Jahren und wir sind noch nicht fertig damit", betonte Wilnauer.

Schöffengrunds Bürgermeister Michael Peller (parteilos) betrachtete die bisherige Lebensdauer der Gemeinde. "In der Geschichte der Menschheit sind 50 Jahre ein verschwindend geringer Zeitraum. In der Entwicklung einer Kommune jedoch eine Zeitspanne, in der es rückblickend betrachtet galt, viele Höhen und Tiefen der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens zu überwinden." Der Bürgermeister bescheinigte der Gemeinde eine positive Entwicklung. "Die Einwohnerzahl ist von damals 5169 auf mittlerweile wieder knapp 6600 Einwohner gestiegen. Der Weg bis heute war sicher, gerade in den ersten Jahren, holprig. Denn Zusammenwachsen kann nicht verordnet werden, es muss gelebt werden. Alles braucht seine Zeit", betonte Peller. Das Selbstbewusstsein der Bewohner sei der Motor der Gemeinde. "Die Devise vieler Bürgerinnen und Bürger lautete stets: Wir machen uns stark für das Gemeinwohl. Handeln wir stets so, dass spätere Generationen stolz darauf sein können, was wir heute zuwegegebracht haben."

Landrat Wolfgang Schuster (SPD) gab derweil in seiner Festrede Anekdoten zum Besten. "Ich war 2019 auf den Kanaren. Da stand dann im Hotel einer neben mir und sagte: 'Das ist doch unser Landrat.' Als ich fragte, wo er herkommt, sagte er: 'Aus Laufdorf.' Aber das muss doch heißen: Aus der Gemeinde Schöffengrund erwiderte ich. Er sagte nur: 'Ich komme aus Laufdorf'", erzählte Schuster. Eine Gemeinde, das sei eine Gemeinschaftseinrichtung, sagte der Landrat. "Die Heimat ist immer das Dorf. Man ist ja auch stolz, wo man herkommt", bekräftigte der gebürtige Driedorfer. Die Gebietsreform sei damals eine gute Entscheidung gewesen. So habe vermieden werden können, dass jeder "sein eigenes Süppchen kocht." Schuster nutzte auch die Gelegenheit, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu bedanken. "Der Piepser geht an und es geht ab. Großes Lob an die Feuerwehr", betonte er und der Saal applaudierte.

Wortgewaltig waren auch die Gedichte der Heimatdichterin Margit Diehl. Ihre Hommage "Schöffengrund, unsere Heimat" erzählte von ihrer Verbundenheit mit den sechs Dörfern und ihrer Heimat Niederwetz. Das zweite Gedicht, "Arg schie", trug Diehl konsequenterweise auf Platt vor. "Hier aufm Dorf sprechen wir platt. Was Sie nicht verstehen, müssen Sie sich denken", sagte Diehl zur Erheiterung der Gäste. Ebenfalls aus Niederwetz kommt Helmut Wolf. Wolf war der letzte ehrenamtliche Bürgermeister des Dorfes vor der Gebietsreform. "Ich wurde mit 32 Bürgermeister, und es war damals einiges im Argen", erzählte Wolf. Ob die Waldentwicklung, die Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr oder der Verkaufserlös einer Fichte - Wolf hatte allerlei Anekdoten parat.

Musikalisch präsentierte sich an diesem Abend nicht nur das Blasorchester der Feuerwehr, sondern auch der Frauenchor sowie der Männerchor der Gemeinde. Der Frauenchor aus Schöffengrund setzte sich größtenteils aus Schwalbacherinnen zusammen. Unterstützung gab es aus Oberquembach. Nicht nur die Lieder der Damen gefielen, auch die Herren schmetterten ihre Töne mit einer tiefen Inbrunst.

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Die Gemeinde wird nach Auffassung des Bürgermeisters weiter wachsen und gedeihen. Und nach kurzer Absprache zwischen Wilnauer und Peller war abgemacht: In 25 Jahren wird wieder gefeiert.