Schöffengrunds langer Weg zur Datenautobahn

Schnelles Internet: Bis die Glasfasertechnologie in Schöffengrund verlegt wird, kann es noch etwas dauern. © Guido Kirchner/dpa

Schöffengrund will endlich ein Glasfasernetz. Anfang des Jahres hatte die Gemeinde einen Kooperationsvertrag mit einem Anbieter geschlossen. Der steht auf der Kippe. Und nun?

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SCHÖFFENGRUND. Schöffengrund. Wann bekommt die Gemeinde Schöffengrund endlich ihre Datenautobahn? Bislang ist ein fester Starttermin für den Glasfaserausbau noch nicht abzusehen, trotz Verhandlungen mit verschiedenen Anbietern. So war 2020 ein Ausbau mit Vodafone unter anderem gescheitert, weil der Anbieter im geplanten Ausbaugebiet (Schöffengrund, Braunfels, Solms) nicht genug Vorverträge abschließen konnte.

Vor einem Jahr sollte nun Bewegung in die Sache Glasfaser kommen. Die Gemeindevertreter stimmten einem Kooperationsvertrag mit dem Anbieter Deutschen Giganetz zu. Anfang 2022 unterzeichnet, steht der jetzt allerdings auf der Kippe, denn bislang hat nicht einmal die Vorvermarktung begonnen.

Neuer Anbieter für den Ausbau im Gespräch

Der Anbieter mit Sitz in Hamburg wollte damit ursprünglich im Frühjahr starten. Es kam aber zu Verzögerungen. Ursprünglich war der Ausbau in drei Kommunen, einem sogenannten Cluster, geplant. Außer mit Schöffengrund gab es Verhandlungen mit den Städten Solms und Braunfels. Dort kam keine Kooperation zustande, im Laufe des Jahres entschieden sich zunächst Solms, dann auch Braunfels, für einen anderen Anbieter. Die Schöffengrunder Gemeindeverwaltung erläutert dazu in einer Sitzungsvorlage, dass die Giganetz aus wirtschaftlichen Gründen den Ausbau nur in "in einem sinnvollen Cluster mit weiteren Kommunen" starten wolle. Vonseiten des Anbieters gab es bis Freitagnachmittag dazu keine Stellungnahme.

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Allerdings, so ist es der Sitzungsvorlage zu entnehmen, führe der Anbieter derzeit noch Verhandlungen mit anderen Kommunen im Südkreis. Ob dadurch am Ende ein flächendeckender Ausbau in Schöffengrund möglich wird oder ob es eine alternative Lösung des Anbieters für die Gemeinde gibt, ist offen.

Die Gemeinde will den Ausbau allerdings möglichst schnell vorantreiben. Deshalb stellte der Gemeindevorstand jetzt den Antrag, der Kooperationsvertrag mit der Giganetz soll gekündigt werden, wenn es bis Ende des Jahres keine feste Zusage für den Beginn der Vorvermarktung gibt. Der Antrag wurde am Donnerstag einstimmig durch die Gemeindevertretung beschlossen.

Doch wie geht es, falls der Vertrag gekündigt wird, mit dem Glasfaserausbau weiter?

Denkbar wäre der Ausbau mit einem anderen Anbieter. Vom Gemeindevorstand angeregt wurde in diesem Zusammenhang eine Kooperation mit der Goetel. Der Anbieter aus Göttingen war im Lahn-Dill-Kreis bisher noch nicht vertreten. Dies wird nach Angaben des Unternehmens angestrebt.

Denkbar wären für Schöffengrund aber noch andere Lösungen. So hatte die Verwaltung den Gemeindevertretern eine Übersicht zur Verfügung gestellt. Auf dieser war, zusätzlich zur Giganetz und Goetel, noch der Anbieter Glasfaser Plus aufgeführt, eine Beteiligungsgesellschaft der Telekom.

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Unterschiedliche Konditionen beleuchtet

Eike Vollstedt, Leiterin des Fachdienstes Bauen der Gemeinde, erläuterte die wichtigsten Punkte, in denen sich die Anbieter unterscheiden. Demnach würde Glasfaser Plus voraussichtlich nicht in Oberwetz und Oberquembach ausbauen. "Für mich ist das ein Ausschlusskriterium", hatte Bürgermeister Michael Peller (parteilos) bereits in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses gesagt.

Denkbar wäre in den beiden Orten somit nur ein Ausbau mithilfe von Fördermitteln von Bund und Land. Da die Förderquote bei maximal 90 Prozent liege, "müssen die restlichen zehn Prozent irgendwie finanziert werden", so Vollstedt.

Unterschiede gebe es auch hinsichtlich der Zahl der Anschlusspunkte, die die jeweiligen Unternehmen gewährleisten wollen. Gibt es, beispielsweise bei einem Mehrfamilienhaus nur einen, müssen sich mehrere Parteien einen Anschluss teilen, die Geschwindigkeit fürs Surfen reduziert sich. Bei den Anschlusspunkten liege, so Vollstedt, der Anbieter Goetel zahlenmäßig vorne. Ein weiteres Kriterium, das zumindest die Gemeinde beschäftigt, ist die Frage, wie die Firmen, die aufgerissenen Gehwege nach dem Verlegen wieder auffüllen. Goetel und Giganetz sollen hier bessere Konditionen anbieten. Glasfaser Plus verlege dafür, wenn gewünscht, einen Passivanschluss bis aufs Grundstück, auch wenn die Besitzer sich zunächst gegen einen Glasfaservertrag entscheiden. Das Gleiche sichere Goetel zu. Bei Glasfaser Plus entfalle zudem die Vorvermarktungsquote.

Am Ende folgten die Gemeindevertreter der Einschätzung des Gemeindevorstands hinsichtlich der Konditionen der Anbieter. Wird nun der Kooperationsvertrag mit der Giganetz gekündigt, soll ein vergleichbarer mit der Goetel geschlossen werden. Eine Vorvermarktung könnte 2023 starten. Frühestens 2025 wäre die Datenautobahn für Schöffengrund dann nutzbar.