650 Lehrstellen im Lahn-Dill-Kreis zu vergeben

Hoch hinaus: Eine Ausbildung auf dem Bau ist gut bezahlt und bietet viele Karrieremöglichkeiten, so die IG Bau.  Foto: Ferdinand Paul

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. Und sie wirbt für ihre eigene Branche.

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WETZLAR/DILLENBURG. Das neue Ausbildungsjahr startet - doch viele Firmen suchen weiterhin Nachwuchs: Im Lahn-Dill-Kreis sind von insgesamt rund 1650 gemeldeten Ausbildungsstellen in allen Branchen aktuell noch 650 Plätze zu vergeben. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit und beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.

Die IG Bau Mittelhessen warnt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels, sollte ein Großteil der Stellen unbesetzt bleiben - und ruft Berufsstarter dazu auf, sich insbesondere in der Baubranche umzusehen. Laut Arbeitsagentur sind bei Hoch- und Tiefbauunternehmen in Hessen derzeit noch rund 500 Plätze frei. Das entspricht etwa der Hälfte aller gemeldeten Ausbildungsstellen in der Branche.

In puncto Bezahlung an der Spitze

"Die Corona-Pandemie ist insgesamt am heimischen Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbeigegangen. Teils bieten Firmen weniger Plätze an oder fahren die Lehre ganz zurück. Auch der Berufsschulunterricht kann nicht überall wie gewohnt stattfinden. In vielen Bereichen bewerben sich aber auch deutlich weniger Schulabgänger", sagt Doris Hammes, Bezirksvorsitzende der IG Bau Mittelhessen. Doch jeder Azubi, der jetzt fehle, sei in drei Jahren eine dringend gebrauchte Fachkraft weniger.

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Besonders das Baugewerbe müsse angesichts der anhaltend hohen Auftragslage - vom Wohnungs- bis zum Gleis- und Straßenbau - noch mehr Berufsanfänger für sich gewinnen. Dabei stünden Bau-Azubis im Branchenvergleich in puncto Bezahlung an der Spitze, wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt. Ein angehender Maurer kommt demnach im ersten Ausbildungsjahr auf 890 Euro pro Monat. Im zweiten Jahr liegt die Vergütung bei 1230 Euro, im dritten sind es 1495 Euro. Im Anschluss an den Gesellenbrief können sich Beschäftigte fortbilden und es bis zum Polier oder Bauleiter bringen.

Viele Fachleute verließen jedoch nach der Ausbildung ihren Baubetrieb, so die Gewerkschaft - vor allem wegen harter Arbeitsbedingungen und den oft langen, aber unbezahlten Fahrzeiten zu den Baustellen. "Es kommt darauf an, den Bau auch nach der Ausbildung attraktiver zu machen. Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist hier wichtig", betont Carsten Burckhardt vom IG-Bau-Bundesvorstand. Deshalb fordert die Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde für die Branche eine Entschädigung der Wegezeiten, 5,3 Prozent mehr Einkommen und den Angleich der Ost- an die Westlöhne. Die Arbeitgeber hätten in den Tarifverhandlungen bis Ende September die Chance, die Branche für die Zukunft aufzustellen.