Am Weltgebetstag Kerzen der Hoffnung angezündet

Das Nauborner Team um Pfarrerin Hildegard Twittenhoff stellt den Brief des Propheten Jeremia, in dem es um das Leben im Exil geht, in den Mittelpunkt des Gottesdienstes anlässlich des Weltgebetstages.  Foto: Uta Barnikol-Lübeck

Wegen der Corona-Pandemie haben die Kirchengemeinden den Weltgebetstag unterschiedlich gefeiert. In Nauborn gab es ein Anspiel zu einem Text des Propheten Jeremia.

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WETZLAR/NAUBORN. "Zukunftsplan: Hoffnung" lautete das Motto für den ökumenischen Gottesdienst am ersten Freitag im März. Aktueller hätte das Thema für den diesjährigen Weltgebetstag nicht sein können, dessen Liturgie Frauen aus England, Wales und Nordirland vorbereitet hatten. Da die Ukraine-Krise derzeit die Menschen mehr beschäftigt als die Corona-Pandemie, formulierten die Frauen aus den Veranstaltungsländern ein zusätzliches Friedensgebet für die, die unter dem völkerrechtswidrigen Angriff der russischen Regierung leiden.

Mary Poppins informiert über englische Lebensart

Viel Arbeit in die Vorbereitung des Tages gesteckt hatte unter anderem das Team um Pfarrerin Hildegard Twittenhoff in Nauborn. Im Mittelpunkt stand dabei der Brief des Propheten Jeremia aus Jerusalem an die judäische Oberschicht im babylonischen Exil. Statt einer Predigt hatte Pfarrerin Twittenhoff zum Bibeltext aus Jeremia (Kapitel 29, 1-14) ein Anspiel verfasst, vorgetragen von sechs Frauen aus der Gemeinde. Darin fordert Jeremia die Menschen im Exil auf, sich in diesem Land einzurichten und daraus Zukunft und Hoffnung zu schöpfen. Matthias und seine Frau Ruth diskutieren konträr über diesen Brief, bis Ruth ihre Position so zusammenfasst: "Vielleicht bedeutet das, dass wir unsere Kraft nicht in die Auflehnung stecken sollen, sondern in den Aufbruch. Gottes Pläne sind anders als unsere. Aber er begleitet uns, und das lässt mich hoffen und dafür kämpfen, dass es am Ende gut wird."

Mit "Lina", "Natalie" und "Emily" kamen der Liturgie entsprechend drei Frauen zu Wort, deren von Armut, Angst und Alleinsein geprägtes Leben sich mit kirchlicher Hilfe, einem starken Gottvertrauen und der Erkenntnis "Manchmal hilft Gott auf Umwegen" zum Guten wandte. Sieben Kerzen der Hoffnung wurden im Laufe des Gottesdienstes angezündet. In Verbindung mit den Fürbitten setzten die Frauen Papierschiffchen auf ein blaues Tuch mit Länderkarte.

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Für Heiterkeit sorgte ein Auftritt von Mary Poppins zu Beginn des Gottesdienstes, gekonnt dargeboten von Melanie Aßmann. Hier gab es auf vergnügliche Weise Informationen zur englischen Lebensart.

In der Wetzlarer Gnadenkirche hatten katholische und evangelische Frauen unter Leitung von Karin Brust den Gottesdienst vorbereitet. Das Volk habe im Exil große Aktivitäten entwickelt und viele seien dort heimisch geworden, sagte die katholische Gemeindereferentin in Ruhe, Marianne Frischmann, in ihrer Predigt. Dabei hätten sich die Menschen nicht, wie zu dieser Zeit üblich, dem Gott des Siegers zugewandt. Angesichts von Krieg und Pandemie rief sie die Gemeinde dazu auf, in allen Dunkelheiten und Nöten dem Beistand Gottes zu vertrauen.

Zwei Gemeinden verlegen Weltgebetstag in Sommer

Pandemiebedingt wurde der Tag in den regionalen Gemeinden unterschiedlich gestaltet. Während beispielsweise in Ehringshausen kein Gottesdienst stattfand, haben sich die Kirchengemeinden Weidenhausen-Volpertshausen-Vollnkirchen und Niederwetz/Reiskirchen dafür entschieden, die Feier des Weltgebetstages in den Sommer zu verlegen. Die Kirchengemeinde Ulmtal hatte den von einem Team vorbereiteten Gottesdienst zuvor aufgezeichnet und zeigte das entsprechende Video am Freitag an zwei Terminen in der Ulmer Kirche. Eine "Tüte to go" mit Pfefferminz, Tee und Shortbread erhielten Besucherinnen nach dem Gottesdienst in Oberwetz anstelle des sonst üblichen gemeinsamen Mahles mit landestypischen Speisen.