Meinung

Kommentar zu Münchholzhausen-Nord: Ein schlechtes Signal

VR
VRM Redaktion
Die Machbarkeitsstudie Münchholzhausen-Nord ist beschlossen: Unser Reporter Pascal Reeber kommentiert. Fotos: Reeber/Kopp

Die Wetzlarer Stadtverordneten haben die Machbarkeitsstudie für das Gewerbegebiet beschlossen. Für unseren Reporter Pascal Reeber mit Blick auf das Klima kein gutes Zeichen.

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Das war er also am Dienstagabend, der Startschuss für das Gewerbegebiet Münchholzhausen-Nord. Ja, ja, liebe Koalition, ihr habt ja recht: Es gibt noch keinen Bebauungsplan und es wird so schnell kein Bagger rollen. Ihr habt nur die Machbarkeitsstudie beschlossen.

Aber man muss kein Hellseher sein: Münchholzhausen-Nord ist erklärter politischer Wille der Koalition, der Stadt gehören alle Grundstücke und die Machbarkeitsstudie fiel aus wie erhofft. Natürlich wird das Gebiet kommen. Natürlich ist der Beschluss vom Dienstag der Türöffner, als den ihn Hermann Schaus benannte. So ehrlich darf man sein.

Im Grunde ist das ein schlechtes Signal. Europa brennt, die Klimakrise schreitet schneller voran als je prognostiziert und während wir schnellstmöglich Flächen entsiegeln, Biotope schaffen und Verkehr reduzieren sollten, machen wir weiter wie bisher: Die Wirtschaft ruft - und wir werfen ihr Fläche zum Fraß vor, im Falle von Münchholzhausen-Nord in ein hübsches grünes Mäntelchen gekleidet.

So kann es nicht weiter gehen. Die wirtschaftliche Entwicklung muss vom Flächenverbrauch entkoppelt werden, solange noch Fläche da ist. Das zu schaffen ist ein Kraftakt, denn er bedeutet eine Abkehr von dem, was Standortpolitik über Jahrzehnte ausmachte. Und ja: Das wird Wetzlar nicht allein schaffen, das muss auf höherer Ebene organisiert und unterstützt werden. Und es wird schmerzhaft sein.

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Diese schlechten Rahmenbedingungen dürfen die Stadt nicht abhalten, es trotzdem anzugehen. Die beispiellose Krise von Klima und Biodiversität sollte, nein sie muss Ansporn dafür sein, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und völlig neu zu denken. Eine Machbarkeitsstudie reicht nicht.

Eine fragwürdige Rolle spielt in dieser Situation die heimische IHK. Sie hatte einen Tag vor der Sitzung der Stadtverordneten - mutmaßlich auf Druck der betroffenen Firmen - eine Pressemitteilung verschickt und darin eine schnelle Umsetzung von Münchholzhausen-Nord und des Oculus-Campus angemahnt. Geschäftsführer Loewe verweist auf die vielen Arbeitsplätze und spielt den Einfluss von Industrie und Gewerbe bei der Flächenversiegelung herunter. Die belegten ja nur 1,6 Prozent der Landesfläche.

Das ist ein hervorragendes Argument, um die Hände in den Schoß zu legen. "Wir sind es nicht, die anderen müssen was machen" - nach diesem Prinzip scheint ja auch die internationale Klimapolitik zu laufen. Und zu scheitern. Wer wie die IHK argumentiert, der muss konsequenterweise den Klimaschutz in Deutschland beenden. Denn wir sind aktuell nur für zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Warum gegen den Klimawandel kämpfen? Sollen es doch die anderen machen.

Von Pascal Reeber