Mindestlohnerhöhung ab 1. Oktober: DGB in Wetzlar aktiv

Ab dem 1. Oktober wird der gesetzliche Mindestlohn bundesweit auf zwölf Euro pro Stunde erhöht.  Foto: Lino Mirgeler/dpa

Der Deutsche Gewerkschaftsbund feiert seinen Erfolg am 28. September bundesweit. Dennoch ist die Sorge groß, dass die Mindestlohnerhöhung von der Inflation aufgefressen wird.

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WETZLAR. Rund 6,2 Millionen Beschäftigte in Deutschland profitieren von der Mindestlohnerhöhung, die ab dem 1. Oktober gesetzlich greift. Statt den bisherigen 9,60 Euro sind Arbeitgeber im Niedriglohnsektor künftig dazu verpflichtet, den Arbeitnehmern zwölf Euro die Stunde zu zahlen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) möchte deshalb mit einem bundesweiten Pendleraktionstag ihren "Erfolg" sichtbar machen. Auch am Bahnhof in Wetzlar ist vom DGB-Kreisverband Lahn-Dill am 28. September eine Aktion geplant.

"Besonders in systemrelevanten Branchen, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im Speditions- und Logistikgewerbe und in der Gastronomie werden die zwölf Euro zu deutlichen Verbesserungen führen", sagt Robin Mastronardi, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Mittelhessen. "Vor allem Frauen, die überproportional in diesen Branchen vertreten sind, hilft die Lohnuntergrenze unmittelbar."

An insgesamt über 300 Standorten bundesweit verteilt der DGB am 28. September sämtliche Goodies und Flyer. Ab 5 Uhr morgens werden Mastronardi und Co. mit einem Stand am Wetzlarer Bahnhof präsent sein, um vor allem möglichst viele Berufspendler zu erreichen.

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Trotz des Erfolgs für die Gewerkschaft bereitet aktuell die hohe Inflationsrate große Sorgen. "Die Politik muss dafür sorgen, dass die Mindestlohnerhöhung nicht von der Inflation aufgefressen wird", erläutert Mastronardi. Zwar sei es gut, dass sich im dritten Entlastungspaket viele gewerkschaftliche Forderungen wiederfinden, jedoch fehle an einigen Stellen die soziale Ausgewogenheit.

"Um die Inflation zu stoppen, muss die Bundesregierung zügig die Energiepreise deckeln", sagt der Gewerkschafter, der zugleich eine zweite Energiepreispauschale in Höhe von 500 Euro noch in diesem Jahr fordert. "Die steigenden Kosten für Lebensmittel und Energie sind eine extreme Belastung für viele Menschen. Diese Situation kann den sozialen Frieden ernsthaft gefährden."

Die Armutsquote in Deutschland war im Jahr 2021 mit 16,6 Prozent auf einem Höchststand. Der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland für Alleinlebende liegt bei 1124 Euro pro Monat. Zudem ist das Vermögen extrem ungleich verteilt. So besitzt das wohlhabendste eine Prozent der Bevölkerung mehr als 30 Prozent des Gesamtnettovermögens.