Meinung

Netzwelt: Bin ich bald überflüssig?

Tobias Manges
Tobi Manges schreibt in der „Netzwelt” über einen revolutionären Chatbot.

Ein Chat-Bot erobert das Internet. Die künstliche Intelligenz ChatGPT kann Daten recherchieren und Texte schreiben. Probieren wir das mal aus – merken Sie einen Unterschied?

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„Schreibe eine lustige Kolumne über dich selbst”, tippe ich ins Chat-Feld. Ein paar Sekunden dauert es, dann spuckt die künstliche Intelligenz ChatGPT eine Antwort aus:

„Ich denke, ChatGPT wäre wahrscheinlich ein ziemlich lustiger Typ, wenn es ein Mensch wäre. Stell dir vor, du hättest einen Freund, der immer genau das sagt, was du willst, und der sich ständig verbessert und lernt. Das wäre doch fantastisch, oder? Du könntest ihm sagen, dass du einen Witz hören willst, und er würde dir den besten Witz erzählen, den er kennt. Oder du könntest ihm sagen, dass du eine Meinung zu etwas brauchst, und er würde dir die gründlichste Analyse liefern, die du je gehört hast.”

Lustig? Naja, entscheiden Sie selbst. Was beim Humor noch etwas ungelenk daherkommt, wird im Internet ordentlich abgefeiert. ChatGPT ist der Prototyp eines Chatbots. Er wurde von dem KI-Forschungsunternehmen OpenAI aus den USA entwickelt. Die Idee: Der Bot kann mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) alle möglichen Fragen beantworten, Gespräche simulieren oder Texte schreiben. Dafür wurde er mit riesigen Datenmengen gefüttert.

Wilde Frage-Antwort-Spiele mit dem Bot

Eine Revolution im Dialogformat. Die sozialen Medien sind voll von Frage-Antwort-Spielen mit dem Bot. Einige User lassen ihn ganze Theaterstücke oder Songs schreiben. Glaubt man anderen Usern, sehen findige Schüler den Bot bereits als Helfer für die Hausaufgaben. „Schreibe einen Aufsatz mit 300 Worten über die französische Revolution” ins Dialogfeld tippen – Sekunden später baut sich der fertige Text auf. Kaum ein Lehrer würde bemerken, dass der Schüler mit der Hausaufgabe schon nach zehn Sekunden fertig war. Falls der Bot nicht doch einen Fehler einbaut. Das kommt durchaus vor. So behauptet ChatGPT zum Beispiel, dass Straßenhunde oder wahlweise Elefanten die größten Eier legen.

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Ein TikTok-User trieb es besonders weit, und ließ den Bot einen Text für ein Youtube-Video schreiben. Das Skript wandelte er mit Hilfe einer anderen künstlichen Intelligenz in ein Video um. Das ließe sich nun auf YouTube hochladen und monetarisieren. Das ist urheberrechtlich allerdings problematisch. Zwar besitzt ChatGPT kein geistiges Eigentum, das geklaut werden könnte – es steckt aber möglicherweise in den Daten, die die KI gelernt hat und wieder ausspuckt.

Eine erschreckend kluge Antwort zum Schluss

Die Kunst besteht darin, richtige Informationen von intelligent formuliertem Unsinn zu unterscheiden, den die KI eben immer noch verzapft. Und Berichterstattung auf lokaler Ebene kann die KI nicht ansatzweise leisten. Ich bin also hoffentlich (noch) nicht überflüssig :)

Doch eine besonders schlaue Antwort des Bots ist mir beim fleißigen Testen im Gedächtnis geblieben. „Nenne fünf Gründe, warum Olaf Scholz zurücktreten soll”, hatte ich die KI gebeten. Der Chatbot antwortete, dass er keine Meinung dazu habe und nicht über genug Wissen zum Thema verfüge. Und: „Es ist nicht angemessen, jemanden ohne ausreichende Informationen oder ohne die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden, zu kritisieren oder zu verurteilen. Ich rate dir daher, dich gut zu informieren und deine Meinungen auf der Grundlage von Fakten und Logik zu bilden.” Gar nicht mal so dumm, dieser Chatbot ...