Traumhaftes Wetter am Wochenende: Polizei kündigt scharfe...

aus Coronavirus-Pandemie

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Familienspaziergang durch die Colchester-Anlage in Wetzlar: Das ist okay, auch mit vier, sechs oder neun Personen. Solange Menschen in einer "häuslichen Gemeinschaft" leben, dürfen sie zusammen raus. Ansonsten sind Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen wegen der Gefahr durch das Coronavirus aktuell verboten. Es drohen Bußgelder.  Foto: Pascal Reeber

Am Wochenende erwartet uns tolles Frühlingswetter. Doch in Mittelhessen gelten wegen der Corona-Krise Kontaktbeschränkungen. Die Polizei kündigt Kontrollen an - und erhält...

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. Wetzlar/Dillenburg. Auch an diesem Wochenende - Beginn der Ferien, Sonnenschein und mehr als 20 Grad - gelten in Hessen Kontaktbeschränkungen. Menschenansammlungen sind untersagt, Verstöße gegen die Verordnungen zum Schutz vor Corona mit Bußgeldern belegt. Die Polizei kündigt strenge Kontrollen an.

Viele Menschen verpetzten ihre Nachbarn

Eine Frage vorweg: Fördert das Kontaktverbot das Denunziantentum? Doch doch, es gibt sie, die Menschen, die bei Gemeinden oder der Polizei anrufen und andere Menschen verpfeifen, weil diese mutmaßlich gegen die Kontaktbeschränkungen verstoßen. "Dem Denunziantentum ist aktuell leider in der Tat Tür und Tor geöffnet", sagt Boris Falkenberg, stellvertretender Leiter des Wetzlarer Ordnungsamtes. Will heißen: Es rufen Bürger an, die davon berichten, wie viele Menschen gerade im Nachbargarten am Grill stehen. Oder zur Haustür reingegangen sind.

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Auf der einen Seite sind die Behörden froh, wenn Hinweise zur Auflösung großer Menschengruppen genutzt werden können. Andererseits: Es gilt eben kein grundsätzliches Kontaktverbot. "Menschen aus einer häuslichen Gemeinschaft dürfen draußen zusammen unterwegs sein und sich auch mit anderen Menschen treffen - wenn 1,50 Meter Abstand eingehalten wird", bekräftigt Falkenberg. Für häusliche Gemeinschaften gibt es keine Obergrenze. Wenn sieben Personen zusammen leben, dürfen sie gemeinsam unterwegs sein.

Strikte Regelung für Fremde

Strikter ist die Regelung bei Fremden: Menschen, die nicht zusammen wohnen, dürfen im öffentlichen Raum maximal eine "Gruppe" von zwei Personen bilden. Jeder Mensch darf also mit einer weiteren Person, die nicht in seinem Haushalt lebt, spazieren gehen, joggen, Radfahren oder ein im Supermarkt gekauftes Eis essen. Wichtig: Bei Begegnungen mit anderen Menschen müssen 1,50 Meter Abstand eingehalten werden. "Das ist nicht schwer", bekräftigt Falkenberg. "Wer sich daran hält, kann viele gewohnte Dinge auch weiterhin machen."

Mit Blick auf das Wochenende erhalten die Regelungen besondere Bedeutung. "Man kann den Drang der Leute an die frische Luft und in die Natur nicht bremsen", sagt Falkenberg. Will sagen: Am Wochenende dürften viele Menschen raus gehen, spazieren oder Fahrrad fahren. Alles kein Problem - wenn die 1,50 Meter beachtet werden.

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Eisdielen müssen schließen

Eine schlechte Nachricht: Nach der aktuellen Verordnung der hessischen Landesregierung ist eine komplette Schließung von Eisdielen erforderlich. Ein Außer-Haus-Verkauf ist in diesem Zusammenhang nicht mehr möglich. Joggen und Radfahren erlaubt, Picknicks oder Sonnenbäder in Parks verboten: Polizei und Ordnungsämter wollen am Wochenende die Lage beobachten und werden einschreiten.

Vor allem an den beliebten Ausflugszielen wird kontrolliert. "Die Polizei und die Mitarbeiter der Ordnungsämter werden verstärkt auf die Einhaltung der Regeln achten und konsequent auf Verstöße reagieren", kündigte Polizeipressesprecher Guido Rehr an. Im Fokus stehen vor allem Parks, Spielplätze und Grillhütten.

Zu Sperrungen soll es auf Rad- und Wanderwegen oder Parkplätzen beispielsweise in Wetzlar aber nicht kommen. "So etwas würde zu einer Verdrängung an andere Orte führen", sagt der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Boris Falkenberg.

Andere Kommunen verfahren ganz ähnlich: Am Aartalsee hat die Gemeinde Bischoffen zwar die Wohnmobilstellplätze und die öffentliche Toilette geschlossen. Auch der Surfbereich ist zu, Boote können nicht mehr auslaufen. Parkplätze und der Rundweg bleiben aber offen. "Wir haben die Lage am vorigen Wochenende beobachtet", sagt Bürgermeister Ralph Venohr (parteilos). "Auf dem Parkplatz am Aartalgrill standen etwa zehn Fahrzeuge. Da wäre es normalerweise rappelvoll gewesen." Venohr vermutet: "Die Menschen sind vernünftig und suchen sich aus eigenem Interesse Orte, an denen es weniger voll ist."

Diese Beobachtung hat auch Hohenahrs Bürgermeister Armin Frink (parteilos) gemacht. "Seit die Beschränkungen gelten, sieht man Menschen an den entlegensten Orten spazieren gehen", sagt er. Das sei genau der richtige Weg. "Ich kann nur an die Menschen appellieren, dass sie sich möglichst gut verteilen. Es gibt sehr viele Wege." In der Folge habe man aktuell einen stärkeren Blick auf die Verkehrssicherheit auch der sonst kaum genutzten Wege, berichtet Frink.

Die Gemeinde Driedorf hat ebenfalls Vorkehrungen getroffen. Nachdem sich bereits am vergangenen Wochenende, so Bürgermeister Carsten Braun, vor allem jüngere Leute auf der Liegewiese am Heisterberger Weiher versammelt hätten, die aber auf entsprechende Aufforderungen, das Gelände zu verlassen, positiv reagiert hätten, setzt die Gemeinde nun optisch auf deutliche Zeichen: So bleibe der Parkplatz am Weiher geöffnet, da von dort aus viele Spaziergänger und Wanderer ihre Touren starten. Der eigentliche Zugang zum Weiher aber werde mit Baken und Hinweisschildern auf die derzeit gültigen Corona-Verordnungen versperrt.

Auf der hessischen Seite der Krombachtalsperre sei ein solcher Schritt nicht erforderlich, da der Zugang zur Liegewiese ohnehin durch einen Zaun abgeriegelt sei, sagte Braun.

"Hotspots" der Biker-Szene im Blickpunkt der Polizei

Einen genauen Blick wird die Polizei auch auf die mittelhessischen Biker werfen. Die Motorradsaison startet und die Beamten werden kontrollieren, ob sich die Fahrer auch an die Straßenverkehrsordnung halten. Im Fokus steht besonders der "Hotspot" im Bereich der Zollbuche und des Aartalsees.

Wichtig: Die Corona-Regeln gelten auch für Biker. Das bedeutet: Nur Personen aus dem gleichen Haushalt oder maximal zwei nicht im gleichen Haushalt lebende Personen dürfen gemeinsam unterwegs sein. Zudem gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Die Polizei apelliert daher an die Motorradfreunde, auf Treffen zu verzichten, die gegen diese Regeln verstoßen. Pausen oder Treffen auf beliebten Parkplätzen zum Begrüßen, zum Bewundern der Fahrzeuge oder einfach nur zu einem Bikerplausch, fallen unter die nicht erlaubten Verhaltensweisen und würden konsequent aufgelöst.