Über 200 Patienten: In Wetzlar operiert ein Roboter mit

Dr. Laura Georg, Assistenzärztin der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie, während einer Da-Vinci-OP.  Foto: Lahn-Dill-Kliniken

Seit einem Jahr ist das Da-Vinci-System im Klinikum Wetzlar im Einsatz. Es ist der präzise verlängerte Arm des Operateurs. Ärzte verraten Details.

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WETZLAR. Seit einem Jahr ist am Klinikum Wetzlar der Da-Vinci-Roboter im Einsatz. Über 200 Patienten haben bisher von der neuen Operationsmethode profitiert. Seit der Installation des roboterassistierten Systems sind mit dem Da-Vinci-System etwa 120 Patienten innerhalb der Viszeralchirurgie und gut 90 Patienten im Bereich der Urologie operiert werden, berichtete Bettina Kannwischer, Pressesprecherin der Lahn-Dill-Kliniken, in einer Pressemitteilung.

Patienten benötigen weniger Schmerzmittel

Weltweit seien im Jahr 2020 rund 1,2 Millionen roboterassistierte Eingriffe mit Da-Vinci-Systemen erfolgt. Das OP-System habe viele Vorteile: "Zu nennen sind hier beispielsweise das sehr schonende und präzise Arbeiten, der geringere postoperative Schmerzmittelbedarf, die schnellere Mobilisation und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt", erklärt Privatdozent Dr. Frank Ulrich, Chefarzt der Allgemeinen, Viszeralen und Onkologischen Chirurgie. Zusätzlich seien die gewohnte körperliche Belastung sowie die Rückkehr in den Alltag früher möglich.

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Im Oktober 2020 haben wir den Roboter in Aktion gefilmt

"Die Patienten profitieren von einem besseren kosmetischen Ergebnis. Zudem wird die Kontinenz oder auch die Potenz nach der Operation schneller wiederhergestellt, sodass der normale Alltag wieder schneller eintreten kann", ergänzt Dr. Victor Teodor Garlonta, Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie. Ein weiterer Vorteil sei das deutlich geringere Auftreten von Narbenbrüchen im längeren Verlauf.

Eine Analyse von Studien mit insgesamt 170 000 Patienten, die einen Vergleich zog zwischen einem robotisch operierten und einem klassisch minimalinvasiv operierten Enddarmkrebs habe gezeigt, dass die Robotik zu einem klar besseren Ergebnis führe. "Hervorzuheben ist dabei unter anderem die geringere Sterblichkeit, der geringere Blutverlust und die geringere Zahl an Wundinfektionen", erläutert Ulrich.

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Im mittelhessischen Darmkrebszentrum Wetzlar werden mittlerweile die Mehrzahl der Patienten mit Dick- und Enddarmkrebs "robotisch" operiert. In der Allgemeinchirurgie zählen darüber hinaus Eingriffe bei Magen- oder Speiseröhrenkrebs oder Zwerchfellbruch mit Refluxkrankheit, Leber- und Bauchspeicheldrüsentumore, aber auch die Adipositaschirurgie mit Schlauchmagenbildung und Magenbypass zu den Behandlungsfeldern.

Prostatakarzinom häufigster Krebs bei Männern

"In der Urologie ist das Prostatakarzinom mit über 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes und wird mittlerweile, wenn die Möglichkeit besteht, robotisch-assistiert operiert", sagt Garlonta. Zudem werde die Robotik auch bei Nierenkrebs und Nebennierenkrebs sowie gutartigen Prostatavergrößerungen angewendet. Aber auch Eingriffe bei angeborener Harnleiter-Verengung oder nach einer Therapie der Nachbarorgane seien optimal mit der Da-Vinci-Methode durchführbar.