War im Wetzlarer Westend alle Mühe umsonst?

Seit dem 24. Dezember steige aus dem Schornstein des Heizwerks im Westend kein Rauch mehr, berichten Kunden der EAB. Nun ist klar, warum: Die Anlage ist defekt und kann vorerst nicht repariert werden.

Die Wärmeleitungen im Boden unter dem Westend sind repariert - womöglich wird trotzdem nie wieder etwas hindurchfließen: Das Heizwerk der EAB ist kaputt.

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Wetzlar. Das Westend schreibt Geschichten, die kann sich niemand ausdenken. Nachdem dort im Sommer flächendeckende Ausfälle im Fernwärmenetz aufgetreten waren, dauerte es Monate, bis die Lecksuche begann. Es dauerte Wochen bis zur Reparatur, die dann mittendrin stoppte. Auf Drängen der Stadt wurden die Arbeiten kurz vor Weihnachten beendet. Und nun zeigt sich: vielleicht war alles umsonst. Denn das Heizwerk, an dem all die frisch geflickten Rohre hängen, ist kaputt. Eine Reparatur ist vorerst nicht möglich.

Dass das ehemalige Heizkraftwerk der Bundeswehr in einem schlechten Zustand ist, hatten die Bewohner des Westends schon länger vermutet. Nun ist aus der Ahnung Gewissheit geworden. Nach Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens über die Betreiberfirma EAB haben sich Insolvenzverwalter Lucas Flöther und sein Team laut Angaben eines Sprechers ein Bild der Lage verschafft. „Leider ist es zurzeit nicht möglich, das Heizwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Die Anlage ist technisch defekt, eine Reparatur ist kurzfristig nicht möglich. Auch stehen die dafür erforderlichen Finanzmittel nicht zur Verfügung”, teilt der Sprecher mit. Schließlich befinde sich die EAB in der Insolvenz. Mit anderen Worten: Es ist kein Geld für Reparaturen da.

Gespräche über Alternative sind angelaufen

Hauptziel des vorläufigen Insolvenzverwalters sei zurzeit, „für die betroffenen Anwohner zumindest mittelfristig eine Lösung zu finden. Dazu hat er bereits Gespräche mit dem lokalen Energieversorger aufgenommen. Sobald es hier konkrete Ergebnisse gibt, werden die betroffenen Anwohner umgehend unterrichtet”, so der Sprecher weiter.

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Auch die betroffenen EAB-Kunden haben mittlerweile Kontakt zu Flöther aufgenommen. Sie hoffen, von ihm das zu erhalten, was ihnen die EAB bisher schuldig blieb: Wärme und Informationen. Stellvertretend hat sich Michael Becker an Flöthers Büro gewandt. Und stellt die momentan für viele Nachbarn drängendste Frage: „Wie geht es für die in Kälte lebenden Anwohner konkret weiter?”

Mit der Gesamtsituation ist man im Westend merklich unzufrieden - und diese Unzufriedenheit richtet sich nicht länger nur auf die EAB. Dass sie von dem Unternehmen nichts zu erwarten haben, haben die Menschen akzeptiert. Dafür rücken nun, je länger die Wärmekrise andauert, auch andere in die Schusslinie. „Es kann doch nicht sein, dass Stadt und Enwag jahrelang nichts über den Zustand der Anlagen gewusst haben wollen und dann kommt der Insolvenzverwalter und stellt sofort fest, dass das Heizwerk kaputt ist”, drückt eine Betroffene ihren Unglauben aus.

Andererseits hat es die EAB auch Stadt und Enwag offenbar nicht leicht gemacht. Als es 2015 Gespräche über die Modernisierung der Heizzentrale gegeben hatte und die Enwag nach Daten zum Netz gefragt hatte, seien die Gespräche seitens der EAB abgebrochen worden. Als man im Rathaus in diesem Jahr eine Liste mit Kundennamen haben wollte, um damit abzuklären, wie vielen Menschen im Westend geholfen werden muss, da habe das Unternehmen gemauert und mit Hinweis auf den Datenschutz gedroht, berichten Insider.