Zulieferer in Mittelhessen: Millionen für die Transformation

Die Fahrzeugindustrie in Mittelhessen ist stark durch Zulieferunternehmen geprägt. Was wird aus ihnen, wenn der Verbrenner Geschichte ist (Archivfoto)?

Etwa 8500 Arbeitsplätze gibt es im Bereich Automobilzulieferer: Ein Transformationsnetzwerk soll den Wandel für die Zukunft vorbereiten.

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Wetzlar/Dillenburg/Weilburg/Biedenkopf. Was wird aus der Automobilindustrie in Mittelhessen, wenn der Verbrenner Geschichte ist? Wenn die Energie- und Mobilitätswende mit voller Wucht die Industrie verändert? Was wird aus etwa 8500 qualifizierten Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie in der Region? Antworten müssen sicher die Unternehmen selbst finden. Aber sie werden seit Donnerstag unterstützt von einem „Transformationsnetzwerk“. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Mittelhessen über vier Jahre mit 5,5 Millionen Euro.

Mittelhessen gehört zu den industriestärksten Regionen in Hessen. Die Fahrzeugindustrie hier ist stark durch Zulieferunternehmen geprägt. Mehr als 220 Unternehmen zählen direkt zu dem Wirtschaftszweig oder beschreiben sich selbst als Zulieferer der Automobil-Branche. Aus Mittelhessen kommen Bremsscheiben und Karrosserieteile, Elektronikkomponenten und optische Bauteile, die direkt in die Fertigungsstraßen geliefert werden. Darüber werden Ladesäulen für E-Fahrzeuge, Batterietechnik und Prüfanlagen geliefert.

Projekt soll bis Mitte 2025 laufen

Insgesamt ist die Region vor allem durch kleine und mittlere Unternehmen mit unter 2000 Beschäftigten geprägt, die vor allem Vorprodukte und Produktionsmittel für die Fahrzeugindustrie herstellen. Diese stammen vor allem aus den Bereichen der Kunststoff-, Metall- und Elektroindustrie sowie Optik/Photonik. Insgesamt reden Fachleute über 8500 Arbeitsplätze, die bislang am Auto und der Mobilität hängen.

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Was bedeutet das und wie geht in diesem wichtigen Wirtschaftsbereich die Transformation, die der Industrie unweigerlich bevorsteht? Das ist eine große Frage und sie beschäftigt Geschäftsführer wie Mitarbeiter bei Cohline, bei Küster und vielen anderen Unternehmen der Region.

Es geht um die Transformation nicht einzelner Unternehmen, sondern einer gesamten Region.

Andreas Tielmann Advacon-Partner

Das wird am Donnerstag in Wetzlar klar. „Der Transformationsdruck ist da. Die Unternehmen in Mittelhessen müssen etwas tun“, ist Regierungspräsident Christoph Ullrich (CDU) der Auffassung. Die Transformation sei überall präsent – und sie braucht Kooperation von Unternehmen und Akteuren in der Region. Und: „Es geht um die Transformation nicht einzelner Unternehmen, sondern einer gesamten Region“, sagt Andreas Tielmann, der das Transformationsprojekt als Partner der Unternehmensberatung Advacon mit unterstützt.

Darum ein Millionenprojekt, maßgeblich platziert durch die Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt (SPD). In den Räumen von StudiumPlus in Wetzlar wird am Donnerstag das „Projekt TeamMit“ besiegelt. Der Begriff steht für „Transformationsnetzwerk der Automobilindustrie in Mittelhessen für strategisches Qualifizierungs- und Technologiemanagement“. Was heißt das? Im Rahmen des Projektes mit einer Laufzeit bis Mitte 2025 und einer Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums in Höhe von 5,5 Millionen Euro soll ein dauerhaftes Transformationsnetzwerk in Mittelhessen aufgebaut werden. Wer spielt in diesem Reigen mit? Dafür hat sich ein regionales Konsortium, bestehend aus dem CompetenceCenter Duale Hochschulstudien – StudiumPlus (CCD), der TransMIT GmbH, dem Regionalmanagement Mittelhessen GmbH und der Philipps-Universität Marburg gebildet. Das Konsortium wird begleitet und unterstützt durch einen Fachbereich, in dem weitere regionale Akteure eingebunden sind, darunter Sozialpartner, Kommunen, Wirtschaftskammern, Agenturen für Arbeit und dem Land Hessen.

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Was soll geleistet werden? Maßgeblich ist, eine Entwicklungs-Strategie unter enger Einbeziehung der betroffenen Unternehmen zu entwerfen. Die Projektarchitektur beruht auf einem 3-Säulen-Modell: Regelmäßige Erhebungen und Benchmark, Netzwerkbildung und Umsetzungsmaßnahmen im Bereich Technologie und Qualifizierung und natürlich der Kommunikation.

Die drei Säulen sollen ein lernendes Netzwerk entwickeln, das passende Maßnahmen für die Akteure entwerfen, erproben und anpassen kann. Hier spielt die Universität Marburg mit den Professoren Thomas Brenner und Michael Stephan einen wichtigen Part. In einem internen und externen Benchmarking werden Entwicklungen in anderen Regionen und Best Practices zu erfolgreichen Transformationsnetzwerken erhoben.

Die Säule „Netzwerkbildung und Umsetzungsmaßnahmen im Bereich Technologie und Qualifizierung“ wird durch die Partner CCD, das Regionalmanagment und die TransMIT bearbeitet. Die Aufgabe in der Netzwerkbildung besteht darin, Teilnehmende für die verschiedenen Angebote im Projekt zu gewinnen.

Das CCD verantwortet die Umsetzung im Bereich Qualifikation. Der Bereich soll in enger Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis und der Technischen Hochschule ausgestaltet werden. Das Regionalmanagment bearbeitet federführend die Säule 3 Kommunikation.

Drei Stimmen der Bewertung: Nach einem Jahr Vorbereitung wittert Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) „Aufbruchstimmung“. Studium-Plus-Direktor Jens Minnert ist ebenfalls optimistisch „Wir können für die Region ganz viel erreichen, das schafft Wohlstand für die Zukunft.“ Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen: „Der Kooperationswille ist jetzt schon deutlich gestärkt. Jetzt geht es darum, dass die Partner ihre Rollen finden und zusammenkommen.“