Zwillingen servieren "Balletto Dinner" in Dutenhofen

Giuseppe und Michele De Filippis halten ihre Ballettstunden derzeit online ab. Foto: Thiemo Roth

Giuseppe und Michele De Filippis bieten mit ihrer Ballettschule derzeit Online-Unterricht an. Vor allem aber entwickeln sie Tanzprojekte, an denen Größen der Szene beteiligt sind.

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WETZLAR-DUTENHOFEN. Als die Zwillinge Giuseppe und Michele De Filippis vor fünf Jahren ihre Ballettschule in Dutenhofen eröffnet haben, ahnten sie nicht, dass auf die drei jeweils Mitte des Jahres stattfindenden Schulvorstellungen in der Kongresshalle Gießen (2017 bis 2019) für längere Zeit die "kleine Form" folgen würde: Inzwischen gibt es drei digitale Tanzproduktionen, die seit Beginn der Corona-Krise von Balletto online gestellt wurden.

Wiedersehen mit alten Weggefährten

Nach dem "Project C", das im vergangenen Sommer noch gemeinsam vor Ort - wenn auch unter freiem Himmel - gedreht werden konnte, war das zweite Projekt schon komplett digital. Es wurde vor Weihnachten unter dem Titel "Zoomsammen tanzen" veröffentlicht. Das soeben fertiggestellte Projekt "Balletto Dinner" entspricht diesem Vorgehen und entwickelt es zugleich weiter: "Zoomsammen" nahm zwar auf die begrenzten Möglichkeiten in den Wohnzimmern der Schülerinnen und Schüler Rücksicht, dennoch wurde, so gut es ging, mit dem ganzen Körper getanzt.

Das neue Projekt macht nunmehr aus der Not eine Tugend und konzentriert sich ganz auf die kleine Bewegung, die trotzdem sorgfältig erarbeitet werden will. Dieses Mal kommen einige Requisiten zum Einsatz, die jeder zu Hause hat und sich daher als verbindende Elemente der verschiedenen Klassen und Altersstufen sehr gut eignen: ein Tisch, ein Glas, Teller und Besteck und zwei Brötchen. Letztere sind eine kleine Hommage an Charlie Chaplin und dessen "Brötchentanz".

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Giuseppe und Michele De Filippis wissen aus eigener langjähriger Tanzerfahrung, dass man ein Ziel braucht, auf das kontinuierlich hingearbeitet wird. Daher sind die virtuellen Tanzprojekte ein wesentlicher Baustein des Unterrichts in Corona-Zeiten.

Aber es gibt noch weitere Bausteine, die sich inzwischen ebenfalls sehr bewährt haben. Dabei zeigt sich sogar ein Vorteil der globalen Beschränkungen, denn: Die Zwillinge kennen aus ihrer Profi-Zeit viele interessante Menschen aus der internationalen Tanzwelt, die normalerweise kaum Kapazitäten dafür freihaben, Workshops in privaten Tanzschulen anzubieten - das ist momentan deutlich anders. Der Reigen wurde eröffnet mit Laura Pellegrino, Tanzpädagogin für Kinder am Conservatoire de Paris. Es folgte Giorgia Maddamma, Ballettmeisterin am Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, und der nächste Termin ist auch schon in der Vorbereitung: mit Alessandra Fabbri von der Palucca-Schule Dresden.

Nicht nur für die Schüler sind diese Extra-Kurse ein besonderes Highlight. Auch die beiden Lehrer freuen sich jedes Mal sehr, denn die Gastdozenten sind alte Weggefährten, und es ist für sie nach eigenen Angaben sehr schön, auf diesem ungewöhnlichen Weg die Kontakte wieder aufzufrischen.

Dass die Workshops zum Teil in einer anderen Sprache stattfinden - zum Beispiel auf Französisch im Kurs für die Neunjährigen, ist kein Hindernis. Es beflügelt vielmehr alle Beteiligten, denn, wie die Zwillinge De Filippis hervorheben: "Unsere eigentliche Sprache ist der Tanz".