Moin Mittelhessen!


Das ist natürlich ein Vorteil, denn in dieser riesigen Stadt gibt es alles, was man will. Oft macht man sich nur nicht die Mühe, es finden zu wollen – man weiß ja, dass es da ist. Denn ja: Hamburg ist wie ein Dorf. Trotz der etwa 1,8 Millionen Menschen, die in der Hansestadt leben, atmen und (miteinander) schlafen, befindet man sich doch in einem Mikrokosmos. Und aus dem bricht man nur 
selten für einen Kaffee in coolerem Ambiente aus, wenn man dafür ans andere Ende der Stadt muss. Oder für eine Dose Ravioli. Da bleibe ich doch bei meinem angestammten Café und Supermarkt um die Ecke. Denn das ist in der Großstadt gar nicht so anders als auf dem Land: Man bleibt meistens in der Gegend, in der man lebt oder arbeitet – oder in meinem Fall studiert.


Aber manchmal schmeiße ich mich in das wilde Leben der Großstadt. Etwa dann, wenn ich mich mit meinen Freunden, die nicht gerade um die Ecke wohnen, treffen will. Dann heißt es: Virtuelle Stadtpläne raus, Treffpunkt finden! Ach, wo wir gerade bei meinen Freunden sind, sollte ich sie doch einmal kurz erwähnen. Da wäre zum einen mein Kumpel Ole, mit dem ich gemeinsam ein Seminar an der Uni habe. Ole ist genau so, wie man sich den typischen Norddeutschen vorstellt: Ruuuuhig. Erst mal durchatmen, Tee trinken, dann weitersehen. Der Bus ist überfüllt mit schwitzenden Menschen? Dann wartet Ole auf den nächsten. Die Kellnerin übersieht ständig unseren Tisch? Kann ja mal passieren, 
ist auch nur ein Mensch. Und Ole sagt Hamburch. Nicht Hamburg. So heißt das hier, sagt er.

 

Da ist Lena ganz anders. Der Trantüte von Kellnerin hätte sie schon längst so Beine gemacht, dass sie vorwärts aus ihren hohen Hacken gefallen wäre. Den Menschen im Bus hätte sie eine Prise Deo unter die müffelnden Achseln gesprüht. Ja, so ist Lena. Ein einziger Wirbelwind. Bei Lena geht alles puff-peng, drunter und drüber. Übrigens auch emotional. Und sie ist wie ich auch zugezogen. Und sagt Hamburg – aus Prinzip.


Ohne die beiden würde ich den Wahnsinn, der sich Leben nennt, wahrscheinlich auch nicht überstehen. Sie sind es, mit denen ich nach den Uniseminaren Kaffee oder abends Cocktails trinken gehe. Die mich aus meinem Bezirk rausholen und mir eine andere Perspektiven der Stadt zeigen, in der ich nun lebe.


Mit Ole und Lena erlebe ich Hamburg aber nicht nur, sondern wir philosophieren auch über das Leben hier. Unser Leben, um genau zu sein. Denn eines ist tatsächlich anders als auf dem hessischen Mittelland: In Hamburg gibt es so ziemlich alles. Egal ob Starbucks oder Joey’s Pizza, Sushi-Restaurants oder Dönerbuden, Second-Hand-Shops oder Buchhandlungen, Kneipen oder Cafés, Waschsalons, Sex-Shops oder sonst was. Alles! Selbst den für Hamburg berühmten Regen, wenn auch manchmal in gefrorener Form. Was es hier noch gibt, sind unzählige spannende und lustige Geschichten, die ich euch in den nächsten Monaten erzählen werde. Über Hamburg, die Welt, das Leben – und ich middendrin.


Und wer weiß: Vielleicht sieht man sich ja mal bei einem Kaffee. Nur ob es im coolen Ambiente am anderen Ende der Stadt ist, wird sich zeigen.


Ein schönes (und hanseatisches) Wochenende wünscht,

Alexander



Alexander Karl ist in Mittelhessen aufgewachsen, nun lebt und studiert er in Hamburg. Sein Debütroman „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ ist 2012 erschienen. Alle zwei Wochen erscheint auf midde.de seine Kolumne „Alexander in der midde“.


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