„13 Sins“ zu gewinnen

Ihr neuester Film verbindet Thriller und Horror miteinander und erzählt die Geschichte des thailändischen Comedy-Horror-Mixes „13: Game of Death“ aus einer anderen Perspektive. Was hat Sie dazu bewegt, aus dem thailändischen Film ein Remake zu machen?

Stamm: Ich habe vor allem nach einer intelligenten Geschichte gesucht, die sich frisch und überraschend anfühlt. Nach „Der Letzte Exorzismus“ wurden mir eine Menge Horrorfilm-Drehbücher geschickt, aber irgendwie habe ich nichts gefunden, was ich so richtig spannend fand. Ich glaube, es ist schwierig, originelle Geschichten zu schreiben, vor allem im Horror-Genre, wo der Schrecken im Vordergrund steht. Jason Blum, gab mir dann „13: Game Of Death“ - und den fand ich toll. Normalerweise hat ein Film zwei oder drei Kernszenen und alles andere ist nur Bindegewebe, das zu diesen Kernszenen hin oder von ihnen wegführt. „13: Game Of Death“ hatte eine Struktur, die erlaubte, 13 Kernszenen aneinanderzureihen, ohne viel Ballast dazwischen abarbeiten zu müssen. Wann kriegt man das schon mal?

Konnten Sie sich künstlerisch weitgehend selbst verwirklichen? Inwiefern hat Ihnen das Studio freie Hand gewährt?

Stamm: Ich hatte völlig freie Hand, was toll war. Es war von Anfang an klar, dass ich so viel oder so wenig übernehmen konnte, wie ich wollte. Nur auf eine Szene aus dem Original, in der Fäkalien gegessen wurden, bat man mich zu verzichten. Ansonsten war die einzige Vorgabe, dass das Endprodukt spannend sei.

Wie haben Sie entschieden, was Sie aus dem Originalfilm übernehmen und was Sie neu hinzufügen? 

Stamm: Ein Luxus, den man bei der Konstruktion eines Remakes hat, ist natürlich, dass man den Originalfilm gesehen hat. So kann man sich immer daran erinnern, was für einen selbst funktioniert hat und was nicht. Ich fand die atemlose Energie des Originals toll. Ich fragte mich aber, ob die episodische Struktur nicht irgendwann zu linear und vorhersehbar würde - und ob die Mitte des Filmes nicht einen akzentuierten Wendepunkt brauche, der die Geschichte in eine neue Richtung katapultiert. Auch haben wir unserer Hauptfigur ein soziales Umfeld gegeben, so dass er mehr zu verlieren hat: eine Verlobte, ein ungeborenes Kind, einen autistischen Bruder, einen schwierigen Vater. 

Sorgt der Fakt, dass es sich bei „13 Sins: Spiel des Todes“ um ein Remake handelt, für zusätzlichen Druck?

Stamm: Der Hauptdruck ist eigentlich immer, dass man den Zuschauer um zwei Stunden seines Lebens bittet, und dass man es ihm schuldet, ihn das möglichst nicht bereuen zu lassen. Man muss sich aber natürlich bewusst sein, dass man mit einem Remake einen Film für zwei verschiedene Publikums macht: den Teil, der die Geschichte noch nicht kennt, und den, der das Original gesehen hat. Letzterer unterteilt sich dann nochmal: einige Zuschauer hassen schon, dass überhaupt ein Remake gemacht wurde. Die kann man nicht zufriedenstellen und muss sich mit denen deshalb gedanklich erst mal auch nicht beschäftigen. Denen, die einem Remake eine Chance geben, will man zweierlei bieten: einerseits ein Wiedererfahren der Essenz und der besten Momente aus der Geschichte, andererseits aber auch genug Überraschungen und Abweichungen, sie wieder spannend zu machen. Man ist praktisch Reiseführer einer Gruppe zurückkehrender Touristen. mit denen man eine augenzwinkernde Beziehung hat. Durch die Kenntnis des Originals ist die Erwartungshaltung klar, und mit der kann man bewusst spielen. 

Der Protagonist Elliot unterzieht sich im Laufe des Films einer grundlegenden Charakterveränderung und entdeckt an sich eine dunkle und verstörende Seite. Wollten Sie damit deutlich machen, dass jeder Mensch diese dunkle Seite hat, wenn der Preis dafür stimmt?

Stamm: Daran glaube ich unbedingt. Moral ist ein Luxus, den wir uns leisten können, solange wir sie uns leisten können. Wenn ein so liebenswerter Kerl wie Elliot verführt werden kann, dann ist niemand sicher. Anderseits zeigt uns seine Verlobte am Ende, dass es nicht unmöglich ist, zu widerstehen, wenn man nur früh genug „nein“ sagt und dem Monster keinen Raum gibt, seine Flügel auszubreiten. “Wehret den Anfängen”, zitierte meine Mutter immer gern. Wenn ich den Film in einem Satz zusammenfassen müsste, wäre das kein schlechter.

Es heißt, dass einige Szenen im Film absichtlich improvisiert entstanden sind. Hat das etwas damit zu tun, dass Sie diese Methode bereits in Ihren beiden letzten Filmen benutzt haben?

Stamm: Wir haben vor allem während der Proben viel improvisiert, um Bindungen zwischen Charakteren herzustellen. Die Mitglieder derselben Familie kennen sich schon ihr ganzes Leben lang. Wenn Schauspieler am Set erscheinen, die das simulieren sollen, sich aber vorher noch nie gesehen haben, ist das schwierig. So improvisiere ich mit den Schauspielern während der Proben immer Szenen, die weit vor den Ereignissen des Films stattgefunden haben und nicht im Drehbuch zu finden sind. Da entstehen innerhalb weniger Minuten geteilte Erfahrungen und „Erinnerungen“, die die Beziehung der Charaktere definieren. Dann muss ich am Set nicht so viel reden.

Sie haben bei „13 Sins: Spiel des Todes“ teilweise am Skript mitgeschrieben und haben mehrere Jahre Screenwriting studiert. Planen Sie neben dem Regieführen auch ein eigenes Drehbuch zu verfassen?

Stamm: Ich habe einen wahnsinnigen Respekt vor dem Schreiben. Es besteht für mich kein Zweifel daran, dass dort der eigentliche Schaffensakt stattfindet. Alles, was danach kommt, ist nur noch ein Übersetzungsprozess. Wie sich der Regisseur als König des Filmemachens über den Autoren erhoben hat, ist mir ein Rätsel. Beim Schreiben hat mich immer das Bewusstsein gelähmt, dass alles zum Stillstand kommt, wenn mir die Ideen ausgehen. Oder wenn ich merke, dass ich im Ersten Akt irgendwo falsch abgebogen und deswegen seit 9 Monaten in die falsche Richtung gelaufen bin. Deshalb schreibe ich so gerne mit einem anderen Autoren gemeinsam, vor allem mit einem Genie wie „13 Sins“-Co-Autor David Birke. Alleine könnte ich das alles nicht.

Bisher haben Sie all Ihre Filme in den USA gedreht. Planen Sie für die Zukunft auch eine deutsche Produktion oder bleiben Sie Ihrer Wahlheimat treu?

Stamm: Ich habe seit dem ersten Kurzfilm in der Filmschule hier in Los Angeles alle meine Filme mit demselben Kameramann und derselben Cutterin gemacht. Die sind ein Riesenteil meiner Berufswelt, und die sind in den USA. Es werden in Deutschland aber auch nicht gerade viele Genre-Filme gedreht, und außerdem ist der Vorteil an einem englischsprachigen Film natürlich, dass er die Chance hat, seinen Weg in die ganze Welt zu finden, während eine deutsche Produktion mit der Sprachbarriere zu tun hat.

Es hieß lange Zeit, dass Sie ein Remake des französischen Horrorthrillers „Martyrs“ drehen sollen. Können Sie das bestätigen?

Stamm: Es existiert ein tolles Drehbuch für ein amerikanisches ‘Martyrs’-Remake. Kurz nachdem ich an Bord kam, lief leider der Zeitrahmen für die Rechte aus, und so kam es nicht zu einer Verfilmung. Ich weiss nicht, wie der aktuelle Stand ist, aber ich bin nicht mehr involviert. 

Fest steht, dass wir bald Ihre Arbeit in der TV-Serie „Intruders“ begutachten können. Inwiefern unterschied sich die Arbeit für eine TV-Produktion von Ihren sonstigen (Kino-)Filmen?

Stamm: Fürs Fernsehen zu drehen ist ein völlig anderer Job als fürs Kino. Man sollte einen ganz anderen Namen dafür finden als „Regisseur“. Beim Fernsehen - zumindest in den USA - gibt es den Job des „Showrunners“. Das ist meist der Autor und auch der Ausführende Produzent, und der ist für drei Viertel der Entscheidungen verantwortlich, die beim Kino vom Regisseur getroffen werden: Crew, Schauspieler, Drehorte, Kostüme, Requisiten. Bei diesen Dingen hat man als Regisseur kaum Mitspracherecht. Man darf auch das Drehbuch nicht ändern und hat nur ein paar Tage im Schneideraum, im Gegensatz zum Showrunner und dem Sender, die Wochen haben. Es ist also unmöglich - und auch nicht wirklich gewünscht - einer Fernsehfolge im größeren Maße seinen eigenen kreativen Stempel aufzudrücken.

Gibt es noch weitere Projekte, an denen Sie zurzeit arbeiten und über die Sie uns berichten mögen?

Stamm: Ich arbeite an einem Brettspiel. Das wird der Hammer.

Zur Person – Daniel Stamm:
Nach dem Abitur, studierte Daniel Stamm für vier Jahre in Baden-Württemberg Drehbuch, um im Anschluss nach Los Angeles zu ziehen. Dort studierte er nochmals zweieinhalb Jahre am American Film Institute im Fach Regie.
Die Pseudo-Dokumentation „A Necessary Death“ – der erste Film, den er nach seinem Studium drehte – wurde sogleich mit dem Publikumspreis bei AFI Fest 2008 ausgezeichnet. Dieser diente ihm außerdem als Sprungbrett zum großen Erfolg: man fragte ihn, ob er nicht einen Horrorfilm im Doku-Stil drehen würde. Das Ergebnis lief 2010 in den Kinos als „Der letzte Exorzismus“ an. Am 09. Oktober erscheint sein aktueller Film „13 Sins: Spiel des Todes".

Neugierig geworden? Dann macht mit bei unserem Gewinnspiel. Wir verlosen „13 Sins: Spiel des Todes" je zwei Mal auf DVD und Blu-ray. Beantwortet dazu folgende Frage: Wie heißt die Fernsehserie, bei der Daniel Stamm für vier Folgen die Regie übernahm? Schickt uns die Lösung mit dem Stichwort „Daniel Stamm“ bis zum 9. Oktober 2014 an info(at)midde.de. Vergesst nicht, eure Adresse und euer Alter anzugeben und, ob ihr lieber eine DVD oder eine Blu-ray gewinnen möchtet.


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