„Da werde ich nur ,Yovo‘ genannt“

„Nach 13 Jahren Schule habe ich mir gedacht, dass ich nicht gleich studieren, sondern erst mal etwas Praktisches machen will“, sagt die ehemalige Goethe-Schülerin. Schon seit der zwölften Klasse wusste sie, dass sie in ein Entwicklungsland gehen möchte. Ein ganzes Jahr vorher hat sie angefangen, sich bei verschiedenen Organisationen zu bewerben.
Ihre Suche hat im Internet begonnen und  dort hat sie sich  über unterschiedliche Organisationen informiert. 
„Mir war wichtig, dass die Entsendeorganisation und die Partnerorganisation in dem Einsatzland politisch und religiös unabhängig sind“, so Girr. 
Sie fand die deutsche Organistation „Soziale Friedensdienste Kassel“, die junge Freiwillige in die togolesische Organisation  „Jeunesse Sensibilisation Action“ vermittelt.
Nach einer schriftlichen Bewerbung wurde Katja zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. „Zur Vorbereitung habe ich mir das Projekt angesehen und überlegt, mit welcher Motivation ich nach Togo möchte.“ Außerdem hat sie im Internet nach Berichten von ehemaligen Freiwilligen aus Afrika  gesucht. Sie wurde fündig  und hat sich mit  ehemaligen Freiwilligen aus Deutschland, die auch mit der Organisation vor Ort waren, austauschen können.
Zu den Voraussetzungen gehört etwa, dass sie Französisch sprechen muss, weil das die Amtssprache in Togo ist. Außerdem sollte sie  an  der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiert sein, offen für eine andere Kultur und die Bereitschaft haben, in einfachsten Verhältnissen zu leben.

Französisch sprechen ist  wichtig, um als Freiwillige nach Togo zu gehen

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Als Katja die Zusage hatte, ging es an die konkreten Vorbereitungen.  Dazu trafen sich alle Freiwilligen zwei Mal für sechs Tage in Kassel. „Auf dem Seminar habe ich zwei andere Jugendliche kennengelernt, die mit mir in das afrikanische Land  gehen. Wir werden uns dort ein Zimmer teilen.“ 
Weil auf dem Seminar auch Jugendliche waren, die ihr Auslandsjahr in anderen Ländern absolvieren, wurden eher allgemeine Sachen besprochen. „Ich musste schon sehr viel alleine organisieren. Am schwierigsten fiel mir die medizinische Vorbereitung. Das heißt die Entscheidungen über Impfungen, Malariamedikamente und die Reiseapotheke.“ 
Finanzieren muss Katja ihr Auslandsjahr auch selbst. „Ich brauche einen Spenderkreis, um am Ende 3 000 Euro dafür zu haben.“ 
Um das Geld  zusammenzubekommen,    geht Katja arbeiten und sie hat auf dem Flohmarkt alte Sachen verkauft. „Trotzdem brauche ich immer noch Spender“, sagt die 19-jährige.
Klar ist aber,  dass am 8. August  der Flieger  nach Lomé,  der Hauptstadt von Togo, abhebt. 
Dort wird Katja mit Einheimischen und anderen Freiwilligen ein Workcamp besuchen. „Das ist ganz gut. Da kommt man nicht sofort in ein Dorf ohne Wasser und Strom. Außerdem kann man sich in der Hauptstadt an das tropische Klima, das Essen und die togolesische Lebensweise gewöhnen“, so Katja zu ihren Erwartungen.
In  kleinen Dörfern – die noch nicht mal auf Satellitenbildern im Internet zu sehen sind – wird sie Kindergartenkinder betreuen, ihnen auf Französisch Zahlen und Farben beibringen und die Lehrer in der Schule beim Unterrichten unterstützen. „Nachmittags kann ich noch eigene Projekte anbieten. Ich würde am liebsten etwas mit Kunst machen.“
Aber nicht nur Arbeit steht auf dem Plan:  28 Urlaubstage stehen ihr zu und die würde sie in Togo gerne nutzen, um den Norden des Landes zu sehen. „Denn dort wird man mehr von der Kultur mitbekommen, da der Süden teilweise sehr westlich geprägt ist“, erhofft sie sich.

Katja möchte in Togo die Sprache der Einheimischen lernen

„Mir ist es wichtig, in ein Land zu gehen, das sich von Deutschland unterscheidet. Ich möchte das Land und seine Kultur kennenlernen. Und freiwillig helfen ist sowieso gut“, findet Katja. 
Festgelegt auf Togo hatte sie sich vorher nicht. „Mir war es wichtig, dass ich wenigstens die Amtssprache verstehe und mit Kindern und Jugendlichen arbeiten kann“, erzählt die Solmserin.
Wenn sie in den Dörfern Djékotoé (im Osten des Landes) und Anoum  (im Süden des Landes) ist, möchte sie Éwé – die Sprache der Einheimischen – lernen. „Das wird bestimmt schwer, denn die Sprache hat keinerlei Gemeinsamkeiten mit Französisch oder Englisch.“ 
Zum Üben hat  Katja im Internet ein Lernheft mit Wörterbuch von einem ehemaligen Professor  gefunden. „Viele Togolesen sprechen die Sprache jedoch in vereinfachter Weise. Wenn ich nach dem Wörterbuch lerne, verstehen mich die meisten nicht.“
Katja weiß jetzt schon, dass sie in Togo wahrscheinlich  nicht bei ihrem Namen genannt wird: „Da werde ich nur ,Yovo‘ genannt. Das bedeutet soviel wie ,Weiße‘.“ 
Angst hat Katja nur vor Parasiten und den Krankheiten. „Das wäre für mich vielleicht der einzige Grund, das Jahr abzubrechen. Aber ich will es  durchziehen. Ich glaube das Schlimmste wäre, wenn meine Koffer irgendwo verloren gehen und ich dann ohne Sachen dastehe.“ 
Aus diesem Grund packt sie die wichtigsten Dinge in ihr Handgepäck. „Ich werde auf jeden Fall eine Reiseapotheke mit Malariamittel, feste Schuhe, ein Moskitonetz und Sonnencreme mitnehmen.“ 
Das wird sie auch brauchen. Denn in Togo herrschen das ganze Jahr über Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Und auch die zwei Regenzeiten bringen keine Abkühlung. 
„Ich bin ganz froh, dass  hier in Deutschland bis jetzt schlechtes Wetter war. Denn ab dem 8. August habe ich ein ganzes Jahr  Sommer“, freut sie sich.  
Insgesamt darf Katja 58 Kilogramm für ein Jahr mitnehmen. „Aber so viel wird es nicht werden. Das kann ich sowieso nicht alleine tragen.“ Eingeplant sind auch ein Vorrat an Shampoo und Zahnpasta für ein Jahr. Neben ihren eigenen Sachen nimmt sie einen Koffer  für die Organisation mit. „Da kommen dann Spenden für die Kinder in Togo rein: Spielzeug, Fußbälle und Kleidung.“ 
Während Katja in Togo ist, wird sie für midde von ihrem Auslandsjahr berichten und Bilder schicken. 


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