„Die Jahreszahl bringt Sie zum nächsten Wegpunkt“

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Noch 150 Meter zeigt der Kompass in meinem Handy an – dann habe ich die erste Station erreicht. Die vorgegebenen Koordinaten führen mich vom Start im Bodenfeld an die Hospitalkirche nahe der alten Lahnbrücke. Dort soll ich die genaue Höhe der Kirche herausfinden. Diese Zahl ist der Schlüssel zur nächsten Station und damit zur nächsten Aufgabe.

Ausgedacht und zusammengestellt haben die Tour quer über das Hessentagsgelände fünf Mitarbeiter des Hessischen Landesamts für Bodenmanagement in Marburg. „Wir haben etwa zwei Wochen dafür gebraucht“, erklärt Marius Thielemann, der im Landesamt arbeitet. „Dazu sind wir einmal nach Wetzlar gefahren, haben uns die Route ausgesucht und haben dann die Koordinaten in Marburg Luftbildaufnahmen entnommen.“ Danach sei er ein zweites Mal in die Hessentagsstadt gekommen, um zu testen, ob alles funktioniert. Und das tut es.

Eingefleischter Geocacher oder Anfänger? - Die Tour ist was für jeden

Zuerst fragt mich Thielemann: „Eingefleischter Geocacher oder Anfänger?“ Ich entscheide mich für „eingefleischter Geocacher“, schließlich mache ich das nicht zum ersten Mal. „Eigentlich haben wir die Tour für Anfänger zusammengestellt und so einfach wie möglich gestaltet. Jeder, der kein eigenes GPS-Gerät hat, kann sich hier am Stand eins ausleihen“, sagt Thielemann. Dort seien alle Wegpunkte der Reihe nach gespeichert, sodass der Geocacher-Neuling nur noch von Station zu Station laufen muss, ohne sich im Koordinatenwirrwarr zu verheddern.

Mit mehreren Zetteln in der Hand verlasse ich nun den Geocaching-Stand im Bodenfeld. Der trägt übrigens die Koordinaten N 50° 33,137 und E 008° 29,312. Auf einem der Zettel befinden sich alle Wegpunkte, die ich nun nach und nach ansteuere. Immer das Handy als GPS-Gerät in der Hand. Leider regnet es an diesem Sonntag, sodass ich mich entschließe, nur die kleine Runde zu gehen. „Für die Große brauchen Sie in etwa eineinhalb Stunden“, hat mir Thielemann vorher erklärt.

Aufgaben lösen, Koordinaten finden, neue Station suchen

An jeder Station, insgesamt sind es bei der kleinen Runde neun, muss ich eine Aufgabe lösen. Diese stehen auf den vielen anderen Zetteln, die mir Thielemann vor meiner modernen Schnitzeljagd in die Hand gedrückt hat. So soll ich am Dom ein Haus mit einer Skulptur finden, die auf dem Foto abgebildet ist. Gar nicht so einfach, ich laufe eine Runde auf dem großen Platz, bis ich sie schließlich entdecke. Jetzt schnell die Buchstaben gezählt, die am Haus stehen und den nächsten Wegpunkt auf meiner Liste suchen.

Die Koordinaten tippe ich wieder in mein Handy und schon geht´s weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit in Wetzlar. Noch etwa 100 Meter – zum Lottehaus. Während ich mir die Öffnungszeiten im Stadt- und Industriemuseum erfrage, macht sich im Hof Charlotte Buff bereit. Natürlich nicht die Echte, der Johann Wolfgang Goethe in seinen „Leiden des jungen Werther“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat, sondern eine kostümierte Darstellerin.

Historische Stadtführung unterbricht meine Geocaching-Tour

Sie erzählt von ihrem Kennenlernen mit Goethe und ich tippe schnell die Koordinaten für meinen nächsten Wegpunkt ins Handy. Doch die historische Stadtführung will ich erleben, zumal ich gerade ein Plätzchen in Form von Goethes Kopf von Charlotte bekommen habe. Lecker! Also stecke ich für eine dreiviertel Stunde das Smartphone in die Tasche und die Koordinatenliste in den Rucksack und besuche Goethes Wohnhaus in Wetzlar, das Palais Papius und den Wohnsitz des Prokurators Hofmann, der am ehemaligen Reichskammergericht arbeitete.

Nachdem ich nun erfahren habe, dass Goethe sein Praktikum am Reichskammergericht in die Ferien des Gerichtes gelegt hatte, nehme ich die Suche nach meiner sechsten Station wieder auf. Am Eisenmarkt erwartet mich nicht nur eine neue Aufgabe, sondern auch Marschmusik. Während ich Ecken zähle, spielen die Blechbläser „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer“. Und der Regen tropft weiter vom Himmel.

Nur noch zwei Stationen: Der Schatz ist zum Greifen nah

An der siebten Station angekommen sagt mir die Anleitung, dass ich mich nun entscheiden soll: kleine oder große Runde. Angesichts des immer noch grauen Himmels und der dicken Tropfen entscheide ich mich endgültig für die kleine. Nur noch schnell das vorgegebene Rätsel knacken und schon ist die Schatzkiste, mein Ziel, zum Greifen nah.

Auf dem Rückweg ins Bodenfeld muss ich noch eine Station aufsuchen, um die Zielkoordinaten auf meiner langen Liste herauszufinden. Ich mache also kurz Halt an der roten Zelle, die mir England ein Stück näher bringen soll (passend zur Feier des 60-jährigen Thronjubiläums von Queen Elizabeth der II.).

Bis zum 10. Juni könnt ihr noch über den Hessentag geocachen

Nun muss ich nur noch den Weg durch´s Getümmel an der Bachweide und im Bodenfeld auf mich nehmen. Als Belohnung winkt eine große Holzkiste. Aus der darf sich jeder Geocacher, der wieder bis hierhin gekommen ist, einen kleinen Schatz mitnehmen. Und natürlich liegt darin auch das Logbuch. Ich notiere Zeit und Datum meines Fundes und schreibe ein „DFDC“ dazu. Danke für den Cache!

„Im kommenden Jahr wollen wir uns für den Hessentag in Kassel wieder eine Geocaching-Tour ausdenken“, blickt Thielemann schon einmal voraus. Aber die Route in Wetzlar wird nach den zehn Tagen am 10. Juni wieder verschwinden. „Wir werden sie nicht im Internet auf einer der Geocaching-Plattformen veröffentlichen“, so der Geoinformationsmanager.

Wer Lust hat, die kleine oder große Runde durch Wetzlar, auch einmal abseits des Hessentags, zu laufen, kann an jedem der kommenden Tage bis zum Ende des Hessentags geocachen. Die Anleitung und hilfreiche Tipps geben die Mitarbeiter vom Amt für Bodenmanagement an ihrem Stand im Bodenfeld.


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