„Ich bekam so viel zurück“

Soziales Justin Ligeti sammelt Erfahrungen im Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Lebenshilfe

Nimmt viele positive Erfahrungen mit aus seinem FSJ: Justin Ligeti, hier mit Einrichtungsleiter Stefan Matz. (Foto: A.-L. Fischer)

Etwas fürs Leben gelernt, das habe er während seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Der Umgang mit Menschen, die geistig und körperlich teils schwerst beeinträchtigt sind, hat den 17-Jährigen geprägt. Während des Gesprächs über seine Zeit in der Wohneinrichtung der Lebenshilfe in Braunfels strahlt der Schüler bis über beide Ohren. Die Bewohner sind ihm ans Herz gewachsen, er möchte dieses Jahr nicht missen.

Dabei hatte er sich seinen Lebensweg nach der Schule ursprünglich anders vorgestellt. „Nach Abschluss der 10. Klasse an der Carl-Kellner-Schule wollte ich eigentlich zum Bund“, erzählt der junge Mann. Doch er sei dafür zu jung gewesen und musste sich deshalb etwas anderes einfallen lassen, denn weiter zur Schule gehen, kam für Justin nicht in Frage. Da sei es naheliegend gewesen, sich für ein FSJ zu bewerben. Er erzählt: „Durch mehrere Praktika im sozialen Bereich hatte ich schnell die Idee, mich bei der Lebenshilfe zu melden.“ Erfahrungen hatte der Bonbadener mit körperlich und geistig beeinträchtigen Menschen bereits im Vorfeld gesammelt, denn während seiner Schulzeit war er Praktikant in der Werkstatt der Lebenshilfe „Florentine“.

Die positiven Eindrücke von damals habe er vertiefen wollen. Das geschah dann im vergangenen Jahr in der Braunfelser Wohnanlage.

Sein Aufgabenbereich in dieser Zeit umfasste neben der Betreuung der 22 Bewohner im Alter zwischen 18 bis 75 Jahren auch die Pflege dieser Menschen. Durch seine Erfahrung im Umgang mit beeinträchtigten Menschen hatte Justin Ligeti nie Berührungsängste, wie er sagt. „Zu Beginn des FSJ habe ich den Pflegekräften zugeschaut und dann unter Aufsicht selbst mein Glück versucht.“

Das Duschen, Waschen und Anziehen der Bewohner war an der Tagesordnung. Einrichtungsleiter Stefan Matz hakt ein: „Grundsätzlich gilt im FSJ das Motto ,Alles kann, nichts muss‘.“ Damit meint der Diplom-Sozialpädagoge, dass die Betreuer und Pflegekräfte der Lebenshilfe die Aufgaben an einen FSJler gegebenenfalls anpassen. Sollte jemand Berührungsängste haben, müsse er sich nur melden.

„Viele junge Menschen wissen noch nicht, ob eine Tätigkeit im sozialen Bereich etwas für sie wäre, und sollten sie sich damit schwertun, versuchen wir natürlich, ihnen das Jahr nicht zur Last werden zu lassen“, schildert Stefan Matz.

Für Justin Ligeti waren diese Tätigkeiten eine Bereicherung: „Ich habe den Bewohnern bei alltäglichen Aufgaben geholfen; was sie mir dafür zurückgegeben haben, war einfach großartig.“

Matz ergänzt: „Das Gefühl, anderen Menschen etwas Gutes zu tun, trägt Justin und auch jeder andere FSJler mit nach Hause.“ Von solchen Erfahrungen gegenseitiger Wertschätzung könne ein junger Mensch sein ganzes Leben zehren.

Ligeti hat sein FSJ so gut gefallen, dass er eine Ausbildung zum Heil- und Erziehungspfleger machen möchte. „Uns freut es natürlich umso mehr, wenn ein FSJ das Interesse für soziale Berufe insoweit weckt, als dass die jungen Erwachsenen ihren Traumberuf finden“, findet Stefan Matz.

Gewiss waren die zwölf Monate nicht immer ein Zuckerschlecken, Justin: „Natürlich musste ich zu Beginn das Vertrauen der Bewohner gewinnen.“ Das habe aber sehr schnell geklappt, ergänzt Matz. Justins Art, mit Problemen humorvoll und einfühlsam umzugehen, habe den Bezug zu den Bewohnern schnell hergestellt.

Nicht jeder sei gleichermaßen gut für eine Tätigkeit mit beeinträchtigten Menschen geeignet

Nicht jeder sei gleichermaßen gut für eine Tätigkeit mit beeinträchtigten Menschen geeignet, weiß Matz. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Einrichtungsleiter aus Albshausen und dem FSJler hat ebenfalls dazu beigetragen, das Justin so viel dazugelernt hat.

Justin Ligeti hat neben vielen positiven Momenten ein Taschengeld von knapp 400 Euro am Monatsende mitgenommen. Das FSJ bei der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg dauert mindestens 6 und maximal 18 Monate.

Nähere Informationen dazu auf www.lhww.de.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus midde