„Ich wollte einfach nur parken“

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"Ich rufe jetzt die Polizei und versaue mir das Auto nicht durch Klettern“

Ein Post mit Folgen. Ein regelrechter Shitstorm ist die Folge. In Windeseile verbreitet sich das Foto im Netz. Es hagelt Kommentare wie „Wer selbst scheiße parkt, muss mit sowas rechnen“,  „Selbst schuld, wenn man über zwei Parkplätze parkt!!!“ oder „Steig doch von der anderen Seite ein“. Denise L., zunehmend ärgerlicher: "Passt mal auf, ihr oberdreisten Vollidioten. Erstens habe ich so geparkt, damit keiner auf die bekloppte Idee kommt, sich so dort hinzustellen, und das mit dem Golf wird Konsequenzen haben. Ich rufe jetzt die Polizei und versaue mir das Auto nicht durch Klettern, sorry.“

Fotocollagen mit Chuck Norris und Mario Balotelli machen im Internet die Runden. Fast 10.000 Studenten nehmen Anteil – vor Ort oder im Internet. Und feiern eine Massenparty im Parkhaus.Von all dem bekommt Baris Kücük nichts mit. Er verlässt um 15.45 Uhr die Uni und telefoniert mit seiner Freundin, betritt das Parkhaus und entdeckt Zettel an seiner Rückscheibe. Darauf steht „Du bist unser Held“ oder „Geile Aktion“. 

„Leute haben mein Auto und mich angestarrt, ich habe mich gefragt, was das alles soll“, sagt der Parkkünstler einen Tag später. „Ich habe das erst alles gar nicht verstanden. Ich wollte doch einfach nur parken. Und die beiden anderen Fahrer wären doch locker in ihre Autos reingekommen, notfalls durch die Beifahrertür.“

"Jetzt weiß ich, wie sich die Mitschüler von Brad Pitt fühlen"

Unauffällig mit seinem Auto an die Uni zu fahren, ist jetzt für den Mathematik- und Philosophiestudenten nicht mehr möglich. Er ist bekannt wie ein bunter Hund. Freunde schreiben in die Gruppe der Uni Siegen: „Hey Baris, danke. Jetzt weiß ich, wie sich die ehemaligen Mitschüler von Brad Pitt, George Clooney und Co. fühlen. P.S.: Jetzt, wo du reich und berühmt bist, würde ich dich bitten, deine wahren Freunde nicht zu vergessen (ich war doch immer nett zu dir).“

Wie geht der „Chuck Norris des Parkens“ mit dem Hype um? Ganz entspannt. „Das klingt wahrscheinlich alles wieder ab in den nächsten Tagen und Wochen“, vermutet er. Mit Denise L. hat er Mitleid, „auch wenn sie wirklich selbst schuld ist, so stellt man sein Auto einfach nicht ab.“ Seine Hoffnung ist jetzt, dass das Ereignis positive Auswirkungen auf die bedenkliche Parksituation an der Siegener Uni hat. „Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, den Schotterplatz zu asphaltieren, so dass wir Studenten den auch nutzen können ohne Risiko.“ Darüber hinaus hofft er, dass Denise L. ihre Drohung nicht wahrgemacht und er nicht noch mit einer Anzeige zu rechnen hat.

Das Foto hat Denise L. mittlerweile von der Facebookseite entfernt. Wer den gesamten Shitstorm dennoch lesen mag, kann das hier tun.


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