„Mach das, worin du gut bist!“

Videoprojekt  Schüler der Mittelpunktschule Selters drehen Filme zum Thema Beruf

Eine Behinderung darf nicht zur Ausgrenzung führen, finden die Projektfilmer (von links). Joshua Franz, Marius Scheid, Justin Rosche und Florian Geller. (Foto: K. Kaminsky)

„Eigentlich wollten wir bei einem Videowettbewerb des Hessischen Rundfunks (hr) teilnehmen, aber dafür hatte die Zeit nicht gereicht“, bedauert Klassenlehrerin Natalie Kohl bei der Präsentation der fünf Schüler-Filme, die alle unter der großen Überschrift „Meine Ausbildung…“ standen.

In der Umsetzung zeigten die jungen Filmemacher jedoch einen breiten Ideenreichtum.

Da war etwa Darsteller Jonas Schmerr in zwei Arbeitssituationen zu sehen: Dass ihm das Stillsitzen am Laptop gegen den Strich geht, war klar zu erkennen. Doch im Umgang mit dem Werkstoff Holz und den entsprechenden Werkzeugen blühte er auf. „Mach das, worin du gut bist, ist die Botchaft unseres Videos“, erklärte er.

Das Team um Melanie Wagner wollte mit ihrem Projekt Mut machen, zu den eigenen Berufswünschen zu stehen. Ihre Story rankte sich um eine Familie, deren Tochter den elterlichen Betrieb weiterführen sollte. Viel lieber wollte das Mädchen jedoch Arzthelferin werden. „Es ist wichtig, dass junge Menschen sich darüber klar werden, was wirklich zu ihnen passt“, so die Teamsprecherin, „und diese Idee dann auch ausleben dürfen.“

Den gleichen Grundgedanken setze die Gruppe von Sophia Kordesch um. In ihrer Story wünschten sich Eltern, dass ihre Tochter Medizin studiert. Die Jugendliche hingegen wollte Erzieherin werden. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, gaukelte sie ihrer Familie vor, sie würde zur Uni gehen.

Die Lüge fiel auf, als die Eltern sie dort besuchen wollten. Trotzdem Happy End: Die Eltern erkannten, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden sollte.

Besonders viel Applaus erhielt Florian Geller, der als Hauptdarsteller des nächsten Beitrags mit Krücken in die Geschäftsräume eines IT-Unternehmens humpelte, um sich zu bewerben.

Obwohl auf der Homepage der Firma ausdrücklich stand, dass Menschen mit Handicap als Kollegen willkommen seien, wird er abgewimmelt.

Schließlich bestände die Arbeit nicht nur aus PC-Tätigkeit, der Bewerber müsse sich auch rasch durch die verschiedenen Abteilungen des Hauses bewegen können. „Wir brauchen Sie voll und ganz. Ein Invalide geht da gar nicht!“ sagt der Personalchef in überheblichem Ton.

Doch zehn Jahre später sitzen sich die beiden in der Praxis des jungen Mediziners gegenüber

Den Einwand, dass laut Website auch Behinderte eingestellt würden, schmetterte er ab. „Das muss ein Fehler sein – das werden wir schleunigst korrigieren.“

Zur Intention der Projektgruppe erklärte Marius Scheid: „Wir wollten das Publikum schocken.“ Während der Überlegungen zum Drehbuch hätte Florian ein Paar inzwischen ausgedienter Krücken seiner Schwester gefunden und als Aufhänger genommen.

Auf ungewöhnliche Art gestaltete die Projektgruppe um Leon Schäfer ihren Film. Statt bewegter Bilder reihten sie Standbilder aneinander und legten Textzeilen darüber. Es ging um einen Schüler, der von seinem Kumpel entmutigt wird. „Arzt? Das schaffst du nie!“. Doch dann, zehn Jahre später, sitzen sich die beiden in der Praxis des jungen Mediziners gegenüber.

In Anschluss an die Vorführung der fünf Videos stimmte die Klasse über den Sieger ab. Mit überwältigender Mehrheit gewann der emotional berührende Inklusions-Beitrag.

„Natürlich ist es schade, dass wir den Einsendeschluss für den hr-Wettbewerb nicht schafften, aber wir haben eine Menge gelernt und wollen es im nächsten Jahr erneut angehen“, sagt Lehrerin Natalie Kohl.


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