„Meinen Humor behalte ich immer“

SHOW  Ex-Braunfelserin Tina York spricht nach dem RTL-Dschungelcamp über einen Unfall, Ängste und Kakerlaken-Kakao

Schaffte es im RTL-Dschungelcamp auf Platz drei: die ehemalige Braunfelserin und Schlagersängerin Tina York. (Foto: MG RTL D/Arya Shirazi)
Lang ist’s her: Tina York war 1975 Stargast beim 50. Geburtstag des Gesangvereins „Dillgruß“ Katzenfurt. Der Herr ist der damalige Bürgermeister der Gemeinde Katzenfurt, Heinrich Rumpf. (Archivfoto: Troß/Kuhlbörsch)
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Frau York, was haben Sie nach dem Auszug aus dem Camp als Erstes getan?

Tina York: Als wir im Hotel ankamen, stand meine Freundin da und hat mir eine Apfelsaftschorle gereicht. Schön gekühlt – so wie ich es mir im Camp gewünscht habe. Meine Geschmacksnerven haben sich total geändert. Ich fand sie viel zu süß und konnte sie nicht mehr trinken. Das war die erste Überraschung. Wir hatten 17 Tage das schlimmste Wasser der Welt. Das mussten wir abkochen und es hat nach Rauch geschmeckt. Ich hätte nicht gedacht, dass wir kein frisches Wasser bekommen.

Für Sie ging es im Dschungel nicht gut los. Gleich am Anfang hatten Sie einen Unfall mit einem Boot.

York: Beim Einzug war ich gesund und guter Dinge. Dann kam der See und das Kentern des Bootes. Ich kann sehr gut schwimmen, aber diese Weste war halb auf und ich hatte schwere Schuhe an. Mit den gesamten Klamotten bin ich immer wieder untergegangen. Dann war ich zweimal in den Lianen verfangen, was mich viel Kraft gekostet hat. Meine Augen waren weit geöffnet und ich stand unter Schock. Was mir aber wichtig ist: Ich habe nur einen einzigen Regenerationstag gehabt, um gesund zu werden. Mehr hatte ich nicht, mehr brauchte ich aber auch nicht. Danach ging es mir wieder wunderbar. Am dritten Tag habe ich schon Kakerlaken-Kakao getrunken. Leider ist RTL, weil wir uns so gut verstanden haben, immer wieder auf meinen Regenerationstag zurückgekommen. Ich glaube, RTL ist an uns verzweifelt. Sie haben ständig die gleichen Bilder mit meinem Schockzustand gezeigt, weil wir uns nicht so spektakulär angefeindet haben. Das wusste ich im Camp nicht. Ich kann beschwören, ich mache meinen Mund und meine Augen beim Schlafen zu.

Während Sie die Zuschauer darum gebeten haben, nicht anzurufen, ist die Fangemeinde immer weiter gewachsen. Auf Twitter findet man Tausende nette Nachrichten. Dachten Sie, dass da Fans anrufen oder man Sie ärgern will?

York: Ich war zuerst mal zwiegespalten. Zunächst habe ich gedacht, die haben mich nicht verstanden. Dann habe ich weiter darum gebeten, aber irgendwann gedacht: Nö, die mögen dich. Auch auf Facebook schreiben mir Menschen immer wieder und ich antworte. Da sind mir einige richtig ans Herz gewachsen. Wenn ich wieder Zeit habe, werde ich mich um meine Facebook-Freunde kümmern. Ich stelle nur Bilder rein, wenn ich antworten kann. Gerade bin ich froh, wenn ich meine private Post in den Griff kriege. Natürlich gab es auch Häme. Es gibt Leute, die sind einfach neidisch oder boshaft.

War der Unfall im Boot denn die schlimmste Erfahrung im Dschungel?

York: Das war mit am schlimmsten. Weil ich voller Tatendrang reinging. Und dann wurde ich natürlich für ein paar Prüfungen gesperrt. Ich habe dann anderweitig im Team geholfen und immer wieder Nachtwachen geschoben. Wir haben viele unglaubliche Dinge erlebt. Wir hatten zweimal diese gefährliche australische Spinne, die dann gefangen wurde. Das ist nicht ohne. Und die ekelhafte Toilette war für mich das Allerschlimmste. Gut, dass wir alle keine Verdauung hatten. Da ist man nur hin, wenn man wirklich musste. Wir haben jeden Tag saubergemacht – aber als wir reinkamen, hat es schon gestunken.

Haben Sie irgendwann mal daran gedacht, auszusteigen?

York: Zuerst ja, weil ich dachte, ich nehme jemand anderem, der gesünder ist, einen Platz weg. Das wollte ich nicht. Aber nachher habe ich gedacht: Nö, die Leute wollen mich, jetzt bleibe ich – wenn ich zur Prüfung gerufen werde, mache ich die.

Am Ende hatten Sie eine Prüfung, in der Sie mit 30 Schlangen in einer unterirdischen Kammer lagen.

Tina York: Das Problem war meine Klaustrophobie, die ich schon als junges Mädchen hatte. Damals habe ich einen Film gesehen, der schrecklich war. Darin wurde jemand lebendig begraben. Ich habe zu meiner Schwester Mary gesagt: Wenn ich jemals tot sein sollte, gehe bitte an mein Sterbebett und gucke nach, ob ich wirklich tot bin. Mary (Anm. d. Red.: Roos, ebenfalls Schlagersängerin, meinte: Wenn ich dreimal sage, da ist ein Sonderangebot von Versace und du beim dritten Mal nicht reagierst, bist du wirklich tot. Als ich dann im Dschungel mit 30 Schlangen in der Kammer lag, war das eine tierische Herausforderung. Ich hatte Angst, eine der Schlangen bricht mir die Nase, weil sie so schwer war.

Aber Sie haben die Prüfung durchgestanden.

York: Ja, als ich den Spruch „Wegen Überfüllung geschlossen“ brachte, waren viele erleichtert, dass ich das hingenommen habe. Meinen Humor behalte ich immer, auch in den schlimmsten Situationen. Das hat geholfen. Ich war der glücklichste Mensch, als ich rauskam und alle Sterne gewonnen hatte.

Was war denn überhaupt der Grund, in den Dschungel zu gehen?

York: Erstens das Format. Ich habe in den 70er-Jahren alle Spielshows mitgemacht – angefangen von „Dalli Dalli“ über „Die Montagsmaler“ bis zu „Am Laufenden Band“. Der Dschungel ist heute das beliebteste Format. Uns haben 90 Millionen Zuschauer zugeguckt. Ich habe in all den Jahren tolle Produktionen gemacht. Aber die Fernsehlandschaft hat immer weniger Sendungen. Für die Großen braucht man Vitamin B. Das habe ich nicht. Und ich wollte noch einmal mit einer LP starten, eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen. Als der Dschungel mich – übrigens zum zweiten Mal – angefragt hat, habe ich gedacht, das wäre eine Möglichkeit. Zweitens kann ich in so kurzer Zeit nie wieder so viel Geld verdienen. Da bin ich ehrlich. Wer hätte das nicht an meiner Stelle gemacht? Ich bin im Dschungel aber wirklich an meine Grenzen gekommen.

Die Dschungel-Siegerin Jenny Frankhauser ist bis Ende Mai ausgebucht. Wie voll ist Ihr Terminplan?

York: Sehr voll. Jenny hatte ihre Clubreise schon vor dem Dschungel unter Dach und Fach. Ihr gönne ich die Krone von Herzen. Klar ist sie jetzt unterwegs. Aber ich bin auch unterwegs. Wir treffen uns am Freitag in Köln und machen noch die restliche Aufzeichnung für die Welcome-Home-Show. Bis jetzt hatten wir keinen freien Tag.

Wen vermissen Sie von den Teilnehmern des Camps denn am meisten?

York: Natascha (Anm. d. Red.: Ochsenknecht) – sie ist eine tolle Frau. Auf die habe ich mich sofort gefreut. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Auch auf Matthias (Mangiapane) hatte ich mich tierisch gefreut. Wir hatten alle an einem Tag Interviews, sind dann essen gegangen und hatten wahnsinnig viel Spaß. Es wird Zeit, dass wir uns sehen. Auch Ansgar (Brinkmann) ist ein anständiger, geradliniger Mensch. Und David (Friedrich) natürlich. Wir haben im Scherz gesagt: Wenn er 30 Jahre älter wäre oder ich 30 Jahre jünger – das war unser Running Gag – hätten wir an Ort und Stelle geheiratet.

Wann sieht man Sie wieder in Braunfels oder Mittelhessen?

York: Ich habe ja meinen Lieblings-Schwager in Wetzlar – Pierre, Marys erster Mann. Ihn und seine Frau werde ich auf jeden Fall besuchen. Da schlafe ich dann auch immer, wenn ich in der Nähe bin. Es kann gut sein, dass ich demnächst wieder in Wetzlar bin. Mit hundertprozentiger Sicherheit.

 

ZUR PERSON

Die Schlagersängerin Tina York wurde am 29. April 1954 in Bingen am Rhein als Monika Schwab geboren. Den größten Erfolg feierte sie 1974 mit dem Lied „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“.

York veröffentlichte über 100 Singles und mehr als 25 Alben. Sie war 17 mal Gast in der ZDF-Hitparade. Bis im April 2017 lebte York in Braunfels – „auf den Tag genau zehn Jahre“, wie die Sängerin verrät. (hog)


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