„Open-Air finde ich schon richtig geil“

Max Giesinger ist am 31. August zu Gast bei „Pop am Fluss“

Kommt am 31. August nach Weilburg: Max Giesinger. (Foto: Wißner)

Herr Giesinger, Ihr bester Kumpel Michael Schulte hat beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) einen beachtlichen vierten Platz belegt. Sie saßen zeitgleich in der deutschen Fachjury und haben Punkte vergeben. Für Sie sicherlich ein aufregendes Erlebnis...

Max Giesinger: Für mich war es seit langer Zeit einer der aufregendsten Tage. Ich habe da mitgefiebert wie ein Bruder. Michael und ich kennen uns seit sieben Jahren und wir hatten vier, fünf Jahre, in denen wir fast jeden Tag miteinander abgehangen haben. Da steckt man dann natürlich noch mal bisschen anders drin als jemand, der ihn nicht kennt. Im Endeffekt habe ich Michael von dem Moment an begleitet, als er angefangen hat, die Songs für den ESC zu schreiben. Er hat mir sie dann immer durchgeschickt. Ich habe gesagt, was ich davon halte. Und jetzt bin ich einfach nur total froh, dass er es gepackt hat und ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt, weil Michael einer der Top-Ten-Sänger im Land ist. Er hat sich eine ordentliche Plattform verdient.

Wo wir gerade bei deutscher Musik sind: Wie haben Sie den Skandal um die diesjährige Echo-Verleihung und die Abschaffung des Preises empfunden?

Giesinger: Das ist wieder so ein typisch deutsches Ding. Also es war schon ein Fauxpas, die Jungs (Kollegah und Farid Bang, Anm. d Red.) zum Echo einzuladen, und ich hätte es auch nicht gemacht. Aber dann muss man einfach dazu stehen und sagen: Leute, das tut uns leid, das war nicht cool. Dass man dann allerdings so schnell weiche Knie bekommt und den Echo abschafft, finde ich ein bisschen schwach. Man muss aber natürlich auch bedenken, dass das Image des Echo schon vorher angeknackst war und die Ereignisse in diesem Jahr dem Preis dann wahrscheinlich einfach noch mal den Todesstoß versetzt haben. Von der Presse wurde der Echo doch nur noch belächelt und vielleicht kam der Skandal den Machern sogar gerade recht, damit man das Ding mit Tuten und Pauken begraben kann.

Nun zu ihrer Musik. Wie entsteht ein Song bei Ihnen? Der Satiriker Jan Böhmermann hat Ihnen ja mal vorgeworfen, dass Sie Ihre Lieder nicht alleine schreiben.

Giesinger: Das ist auch korrekt. Es ist so, dass ich seit zwei Jahren einen Großteil meiner Songs mit einem guten Kumpel schreibe, der eine Art Seelenverwandter ist, weil wir beide uns einfach so dermaßen gut ergänzen. Im Studio überlegen wir meist gemeinsam, manchmal hab ich auch schon ein Thema dabei und sag: Lass mal über das und das schreiben. Oder ich habe eine Voice-Nachricht aufgenommen, wenn mir zum Beispiel eine nette Melodie eingefallen ist, oder ich ein tolles Gitarrenthema habe. Und dann brainstormt man darauf rum, vielleicht hat mein Kumpel auch mal einen Beat: Wenn alles gut läuft, kommt nach zwei bis drei Tagen ein richtig schönes Lied dabei raus, und wenn's scheiße läuft, schnippst du es in die Tonne. Manchmal nehmen wir uns auch einen weiteren Songwriter dazu, um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Aber es ist nicht so, dass es dadurch unpersönlicher wird, weil es nach wie vor meine Geschichten sind und ich auch immer ein sehr aktiver Part bei den Songwriting-Prozessen bin. Also der Song würde ohne mein Zutun nicht entstehen oder zumindest mal nicht ansatzweise so klingen, wie er sonst klingt.

Viele Künstler nutzen Ihre Werke, um darin persönliche Erlebnisse zu verarbeiten oder ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. Was bedeutet Musik für Sie?

Giesinger: Ja, genau das. Dass man das, was man so erlebt, in ein geiles Paket packt oder eine besondere Erfahrung abschließt. Das ist so, als würde man von etwas ein schönes Bild machen, nur noch viel intensiver. Du schreibst einen Song über eine Lebensphase oder ein ganzes Album, wie es bei „Der Junge, der rennt“ der Fall war. Wenn ich mir die Platte anhöre, beamt es mich immer direkt in meine 2014er, 2015er-Zeit zurück und erinnert mich an das, was ich in der Zeit gemacht hab. Ich kann zu jedem Song eine Story erzählen, wie ich mich zu der Zeit gefühlt habe oder was da gerade passiert ist. Es ist also auch ein Weg, um mit seinen Problemchen fertig zu werden oder andere Dinge auf eine gewisse Art und Weise abzufeiern.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Haben Sie vor der Anfrage zu Pop am Fluss jemals schon mal etwas von Weilburg gehört?

Giesinger: In Weilburg haben doch 2013 glaub ich mal Bosse und Silbermond gespielt (bei Pop am Fluss, Anm. d. Red.). Ich glaub, ich war da schon mal. Das ist doch an der Lahn irgendwo? So eine richtig schöne Altstadt, um die der Fluss fließt.

Das ist richtig. Sie waren also als Zuschauer auf dem Konzert? Oder als Musiker?

Giesinger: Ich wurde mitgenommen. Da hat damals eine befreundete Band gespielt, die waren Vorgruppe von Silbermond. Mit denen bin ich mitgefahren, hab zugeschaut und bisschen Bier getrunken. Ich dachte mir aber schon damals, dass das eine schöne Veranstaltung ist, ich aber wohl nie bekannt genug sein werde, um dort selbst einmal zu spielen.

In dem Punkt haben Sie sich ja mittlerweile selbst widerlegt. Aber was anderes: Sie waren nach dem Abitur in Australien und Neuseeland, haben Ihr Geld dort als Straßenmusiker verdient. Ist es vor diesem Hintergrund etwas Besonderes, draußen zu spielen, auf einem Open-Air-Konzert wie in Weilburg?

Giesinger: Open-Air finde ich schon richtig geil. Wenn das Wetter passt, die Stimmung gut ist und die Leute Bock haben, dann macht so was schon richtig was mit einem Künstler. Ich liebe es draußen zu sein, von daher bin ich sowieso ein Open-Air-Typ. Es hat aber natürlich auch was, eine Club-Show zu spielen vor 200 Leuten. Grundsätzlich haben meine Erfahrungen in Australien mir sehr dabei geholfen auf der Bühne zu bestehen und mit Stresssituationen besser klar zu kommen. Ich habe ja ganz unten angefangen: die ersten Gigs im Jugendtreff, dann habe ich Straßenmusik gemacht, auch mal auf einer Hochzeit gesungen. Durch all das lernt man, ein guter Entertainer zu sein und sich auf ganz verschiedene Situationen einlassen zu können. Von daher machen mir Live-Auftritte schon Spaß.

Sie mussten bis zu Ihrem endgültigen Durchbruch 2016 hart arbeiten. Kann man sagen, Sie leben seitdem Ihren Traum?

Giesinger: Das kann man. Mein einziger Antrieb war immer, mit meiner Musik an den Start zu gehen und dafür auch eine gewisse Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich glaube, jeder Mensch strebt danach, eine Bestätigung zu bekommen, dass das, was man macht, nicht komplett für die Tonne ist. Und als ich meine ersten Songs dann immer wieder im Radio gehört habe und langsam absehen konnte, das wird kein kleiner, sondern ein ziemlich großer Erfolg, war das natürlich eine schöne Bestätigung für das eigene Tun. Weil man die Songs im Studio geschrieben hat, sich überlegt hat, wie man das Album designt, was man damit sagen will und dann am Ende so viele Leute damit erreicht. Deshalb ist das für mich definitiv ein Traum, den ich lebe. Man muss sich aber auch immer wieder vergegenwärtigen: Es ist nicht selbstverständlich, dass da abends bei den Auftritten so viele Leute stehen. Das kann auch eine sehr vergängliche Sache sein.

Angenommen, dieser Traum wäre niemals wahr geworden: Wo und bei was würden wir Max Giesinger heute antreffen?

Giesinger: Wahrscheinlich in einer Gitarrenschule, wo ich Kinder unterrichten und Gesangsunterricht geben würde. Und am Wochenende würde ich wahrscheinlich mit einer Cover-Band auf Hochzeiten spielen, oder Songs schreiben für andere Künstler, das macht mir auch Spaß.

 

Zur Person:

Der 29-jährige Max Giesinger ist Sänger, Songwriter und Musikproduzent. 2011 nahm er an der ersten Staffel der Sat1-Casting-Show „The Voice of Germany“ teil und belegte den vierten Platz. Mit „Dach der Welt“ erschien 2012 seine erste Single. Sein Debüt-Album „Laufen lernen“veröffentlichte Giesinger 2014 in Eigenregie, finanziert wurde es mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne. Zwei Jahre später gelang ihm mit seiner Single „80 Millionen“ der Durchbruch. Der Song belegte Platz Zwei der deutschen Charts und war einer der Hits der Fußball-Europameisterschaft 2016. Im gleichen Jahr gewann Giesinger unter anderem einen MTV Europe Music Award in der Kategorie Best German Act. Seit 2018 tritt er als Juror in der Casting-Show „The Voice Kids“ auf.

Am Freitag, 31. August, treten die beiden Singer-Songwriter Max Giesinger und Gregor Meyle bei Pop am Fluss in Weilburg auf. Das Konzert beginnt um 19 Uhr (Einlass ab 17 Uhr) auf dem Festplatz Hainallee.
Karten gibt es für  49,65 Euro an bekannten Vorverkaufsstellen und auf www.popamfluss.de.


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