„Smombies“ werden 
zur Gefahr

Verkehr  Ablenkung durchs Handy

Vorsicht, Lampe: Der „Smombie“, der da abgekoppelt von der Umwelt und wie ferngesteuert auf sein Telefon starrend marschiert, wird gleich nähere Bekanntschaft mit dem Lichtmast machen. (Foto: Schalles)

Willi Kerkes (l.) und Uwe Völker wollen auf die Gefahren von Smartphones im Verkehr aufmerksam machen. (Foto: Gorenflo)
Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen am Übergang zur Bahnhofsbrücke, weil Schüler abgelenkt sind und nicht den Zebrastreifen benutzen. (Foto: Gorenflo)
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Der Auto-Club-Europa (ACE) will mit der Kampagne „Finger weg!“ auf diese Gefahr aufmerksam machen. In 21 von 25 Städten in Hessen haben sich ACE-Mitarbeiter an kritischen Stellen postiert und gezählt, wie viele Menschen sich durch Smartphones im Verkehr ablenken lassen.

In Weilburg standen Regionalvorsitzender Willi Kerkes und Uwe Völker, Regionalbeauftragter, am Dienstag unterhalb des Karlsbergs und zählten eine Stunde lang, wie viele Schüler Handys in der Hand oder Knöpfe im Ohr hatten.

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Für diese Spezies gibt es ein neues Wort, den „Smombie“. Dieses Wort setzt sich aus Smartphone und Zombie zusammen.

„Auffallend ist, dass Mädchen und Frauen viel häufiger das Smartphone am Ohr haben als Jungen oder Männer“, sagt Völker. Das sei nicht nur in Weilburg so gewesen, sondern in allen Städten, in denen sie auf ihre Aktion aufmerksam machen wollen.

134 Mädchen wurden in Weilburg ohne Smartphone am Ohr gesichtet, 35 mit. Außerdem 182 Jungen ohne und 22 mit Smartphone. Bei den Mädchen sind das 20,71 Prozent, bei den Jungen 10,78 Prozent.

„Augen, Ohren und Gedanken sind bei vielen Fußgängern nicht bei der Sache wenn sie eine Straße überqueren und das, obwohl sie die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind“, sagt Kerkes.

Innerorts stellten sie 60 Prozent aller Verkehrstoten dar. 2015 seien deutschlandweit 31 589 Fußgänger verunglückt, davon 534 tödlich. Zu den Gründen zählten neben der Rotlicht-Missachtung als häufigste Unfallursache auch die Tatsache, dass sich immer mehr Fußgänger im Straßenverkehr abkapselten mit Kopfhörern auf den Ohren und den Blick aufs Smartphone gerichtet.

Das beste Beispiel gebe das Schockvideo der Schweizer Polizei aus Lausanne. Die Polizei stellt den Unfall als Kabarett-Kunststück vor und es heißt „Zaubertrick mit dem Smartphone im Straßenverkehr“.

Hauptfigur ist Jonas, 24 Jahre alt und Rap-Liebhaber. Während man den chattenden Jonas auf dem Fußweg sieht, verrät der Erzähler, dass Jonas gleich verschwindet. Das war es dann mit Jonas – Ein Van „räumte ihn ab“.

Psychologen wollen keine Abschreckung bei der Prävention

„Das schockt und nur so kommt das bei den Jugendlichen an“, meint Kerkes. Er wollte dieses Video an die Schulen im Kreis verteilen. Doch die Schulpsychologen hätten es als zu starken Tobak eingestuft, von dem die Schüler zu sehr geschockt werden würden.

Dabei sei dieses Video bereits in einer ARD-Sendung ausgestrahlt worden. „Unfallprävention erzeugt höchste Aufmerksamkeit, wenn sie schockiert“, sagt Kerkes.

In Weilburg an der Bahnschranke komme ein zusätzliches Problem hinzu und zwar, dass nur wenige Schüler den Zebrastreifen benutzen. Immer wieder stehen Autofahrer lange, bis sie weiterfahren können. „Zum Glück passen die Autofahrer auf und nehmen Rücksicht“, meint Völker, wobei sie das nicht müssten.

Sogar als die Bahnschranke bereits unten ist, beobachten die ACE-Mitarbeiter, dass vereinzelte Schüler die geschlossenen Schranken passieren und sich in höchste Gefahr bringen. Als Völker die Schüler anspricht, erntet er nur freche Antworten oder Schulterzucken.

Jeder spreche von Multitasking, doch dabei handele es sich um einen gefährlichen Mythos. „Niemand kann gleichzeitig Nachrichten checken und auf den Verkehr achten“, sagt Kerkes. Das sei ganz klar eine lebensgefährliche Selbstüberschätzung und der ACE wolle mit seiner Aktion einen Denkanstoß liefern.


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