„Wir sind süchtig nach dem Feuer“

INTERVIEW  Sänger der Rammstein-Coverband Stahlzeit spricht über die Show, das Feuer und seine Stimme

Nah am Original und doch anders: Heli Reißenweber, Sänger der Rammstein-Tribute-Band „Stahlzeit“, beim Auftritt zum Song „Engel“. (Foto: Sunvemetal)

Herr Reißenweber, Sie kommen mit Stahlzeit nach Wetzlar... (Hunde bellen). Oh, da möchte noch jemand mitreden. Wer denn?

Heli Reißenweber: Das sind Oreo, wie der Keks, und Bailey, wie das Getränk. Was aber nicht heißt, dass das mein Lieblingsgetränk ist. Warten Sie, ich bring die mal kurz raus..

Besucher ihres Konzerts soll ein „gigantisches Live-Erlebnis“ erwarten. Erkennt der Rammstein-Fan irgendeinen Unterschied?

Reißenweber: Wir versuchen natürlich schon, so nah wie möglich ans Original ranzukommen. Die Bühnenverhältnisse sind aber etwas kleiner und die Pyro-Show dadurch auch.

Trotzdem haben Sie jede Menge Pyrotechnik mit dabei: Brennende Mikrofone und ein Feuermantel sind unter anderem Teil der Show. Ist schon mal was passiert? Gibt‘s bleibende Narben?

Reißenweber: Ja, die eine oder andere Verbrennung hat man schon mal im Laufe von fast dreizehn Jahren.

Wären Sie froh, wenn Rammstein sich andere Spezial-Effekte ausgesucht hätten?

Reißenweber: Nein, nein. Wir stehen schon mittlerweile drauf. Ohne Feuer würden wir es gar nicht mehr tun wollen. Wir sind süchtig danach.

Sie haben selber mal gesagt: „Mit dieser Stimme, was soll ich anderes tun?“ Sie hatten ja eigentlich also beruflich keine andere Wahl?

Reißenweber: (lacht) Ja, man hat mir oft gesagt, du klingst wie Till Lindemann, der Sänger von Rammstein. Und so ist auch Stahlzeit entstanden.

Erschrecken Sie selbst manchmal, wie sehr Ihre Stimme der Lindemanns ähnelt? Oder andersrum?

Reißenweber: Da ist schon ein Unterschied. Aber meine Stimme ist sehr tief, ich muss mich also nicht anstrengen, so zu singen wie Lindemann.

Wann wurden Sie sich das erste Mal der Wirkung Ihrer Stimme bewusst?

Reißenweber: Beim Telefonieren. Oder nicht? (lacht)

Und wie kam es dann dazu, dass Stahlzeit Europas meistgebuchte Rammstein-Tribute-Show wurde?

Reißenweber: Das hat uns selbst überrascht. Anscheinend gefällt es den Leuten, was wir machen. Wir versuchen ja nicht, Rammstein „nachzuäffen“. Das ist kein Kasperletheater bei uns. Wir haben schon unsere eigene Personality mit drin. Und genau das kommt beim Publikum gut an. Das hören wir zumindest oft bei Autogrammstunden. Die Leute sagen: „Hey, irgendwie anders, aber megageil“.

Wie teuer ist denn so eine Show mit so viel Pyrotechnik? Sie hatten ja bestimmt nicht immer die gleichen finanziellen Mittel wie Rammstein?

Reißenweber: In der Tat, früher haben wir Geld mitgebracht. Die ersten Jahre hat kein Musiker von uns Geld gesehen. Wir haben Showelemente am Anfang auch oft noch selbst gebaut. Aber im Laufe der Jahre haben wir die Show natürlich erweitert und vergrößert.

Was sagt Rammstein selbst dazu? Gibt‘s da irgendeinen Kontakt?

Reißenweber: Klar, wir haben Kontakt zu den Leuten vom Management, vor ein paar Monaten waren wir auch in deren Büro in Berlin, um Absprachen zu treffen. Ich glaube, Rammstein gefällt das ganz gut, was wir machen. Flake (Keyboarder bei Rammstein, Anmerkung der Redaktion) hat uns sogar in seinem neuen Buch erwähnt.

Wenn Rammstein einen neuen Hit landet, starten Sie dann mit durch?

Reißenweber: Ohne Rammstein gäbe es keine Band wie Stahlzeit, das ist Fakt. Als sie wieder auf Tour gingen, dachten wir, es wird wieder ruhiger bei uns. Aber wir sind damals am selben Tag 30 Kilometer voneinander entfernt aufgetreten und auch unser Konzert war ausverkauft.

Rammstein-Musik soll auch in der rechten Szene geschätzt worden sein. Wie gehen Sie damit um?

Reißenweber: Wir haben das noch nie festgestellt, dass es rechtes Potenzial im Publikum gibt. Überhaupt nicht. Ich glaube eher, die Presse reitet da gern drauf rum. Vielleicht hat im Ausland mal der eine oder andere da was verwechselt. Aber beim deutschen Publikum ganz klar: Nein.

Wie bringt man sich denn für so eine Show in Stimmung? Brüllen Sie sich hinter der Bühne probeweise an oder wird eher Tee und Gebäck gereicht?

Reißenweber: (lacht) Ich gehe ein paar Minuten vorher in mich, es ist ja ein Schauspiel, ein Rocktheater. Dann trinken wir einen Glücksschnaps und dann geht‘s auf die Bühne.

Sie haben ja noch ein anderes Band-Projekt: Maerzfeld. Was liegt Ihnen mehr am Herzen und welches Projekt ist erfolgreicher?

Reißenweber: Maerzfeld wäre ohne andere Einnahmequellen schwer zu finanzieren. Wir hoffen natürlich, dass Maerzfeld sich irgendwann selbst finanziell tragen wird. Es liegt uns schon sehr am Herzen und erfüllt einen mit Stolz.

Nervt covern manchmal?

Reißenweber: Wenn ich in der Show drin bin, dann überhaupt nicht.

Wie düster ist Ihr Privatleben?

Reißenweber: Überhaupt nicht düster. Ich führe ein ganz biederes Familienleben. Ich wohne in einem ganz kleinen Kaff, direkt am Wald, sehr schön. Da bin ich extra hingezogen, um Ruhe zu finden außerhalb der Shows.

Wenn Sie nächsten Samstag nicht in Wetzlar auftreten würden, wie würde Ihr Samstag aussehen?

Reißenweber: Wenn man immer unterwegs ist, fällt man echt in ein Loch, wenn man mal frei hat. Aber meine Lebensgefährtin würde sich freuen und ich habe einen großen Garten, da hätte ich sofort Arbeit.

 

Stahlzeit tritt Samstag, 28. Oktober, in der Wetzlarer Rittal-Arena auf. Karten kosten ab 35 Euro.


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