Ab jetzt gilt: Freie Fahrt auf dem Flowtrail

ERÖFFNUNG Strecke mit Zertifikat

Mit großen Enthusiasmus hat das Team den Flowtrail gebaut. Eigentümerin ist die Gemeinde. Die Pflege übernehmen aber die Helfer vom MSC. (Foto: Bernshausen)

Rico Baak (Schlierbach) aus dem Trial-Nationalteam zeigt eine Vorführung auf dem Rad. (Foto: Bernshausen)

Einweihung des neuen Flowtrail und Trial Parks in Bad Endbach. (Foto: Bernshausen)

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Flowtrail - das ist für Laien ein kryptisches Fremdwort, für Mountainbiker aber ein vertrauter Begriff, der den Charakter eines bestimmen Rad-Strecken-Typs beschreibt. Wörtlich übersetzt, beschreibt der aus der englischen Sprache entlehnte Begriff einen ausgetretenen Pfad (trail), der eine fließende oder flüssige (flow) Abfahrt erlaubt.

In dem Waldstück zwischen Günterod und Bad Endbach ist der Flowtrail entstanden. Auf einer Länge von zwei Kilometern führt die Strecke über naturbelassene oder der Natur nachempfundene Pfade talwärts, über typische Waldböden und ebenso steinige Abschnitte. Bereichert wird die Abfahrt mit kleinen und großen Bodenwellen, die locker überrollt oder übersprungen werden können.

Der "flow" wird innerhalb der Mountainbike-Szene, die vom klassischen Cross-Country bis zum Downhill eine große Bandbreite an Stilrichtungen vereint, jedoch unterschiedlich definiert. Doch auch darauf haben die Baumeister Rücksicht genommen, haben abseits der "blauen" Hauptstrecke für jedermann auch eine schwierigere "rote" und eine noch mal anspruchsvollere "schwarze" Nebenroute gestaltet.

Auf dem roten Trail erwarten die Biker mehr steinige Abschnitte und Wurzeltreppen, dazu eine schwierigere Streckenführung sowie außerdem noch aufgeschüttete so genannte Anliegekurzen und ein größeres Gefälle. Der schwarze Trail ist allein Könnern vorbehalten, er beinhaltete größere Holzelemente - im Fachjargon: Northshore - und Rampen, die übersprungen werden müssen. "Durch die vielen verschiedenen Einflüsse, ist für jeden etwas dabei", versichert Mountainbikerin Birgit Jüngst-Dauber.

Eingebunden ist der Flowtrail außerdem in zwei Rundstrecken für Tourenfahrer über fünf und zehn Kilometer, die beide in die "erlebnisreiche Schlussabfahrt" münden. Vor dem Kultur-, Sport- und Freizeitzentrum in Bad Endbach wurde zudem ein Übungsparcours errichtet, auf dem die nötigen Fahrtechniken erlernt werden können. Schon vor der Eröffnung hatte die gesamte Flowtrail-Anlage von der "Deutschen Initiative Mountain Bike" das Premium-Zertifikat erhalten.

Ehrenamtliche Helfer stecken jede Menge Herzblut in das Projekt

Die Idee, einen Flowtrail anzulegen, entstand vor anderthalb Jahren im Endbacher Rathaus. Immer wieder hatten Waldbesucher illegale Bauten wie Sprungschanzen in den örtlichen Wäldern entdeckt. Weil diese stets von der Gemeinde beseitigt werden mussten, schlug Bürgermeister Markus Schäfer schließlich einen "eher unüblichen Weg ein", wie er sagt. Über die Zeitung suchte der Verwaltungschef Kontakt zu den Baumeistern der illegalen Anlagen. Nach kurzer Zeit habe sich tatsächlich ein Mann bei ihm gemeldet und das Gespräch gesucht - und schon nach kurzer Zeit besichtigte eine Delegation aus Bikern und Lokalpolitikern einen Flowtrail in Stromberg. Beeindruckt von der Strecke im Hunsrück, hätten alle Mitfahrer schon auf der Heimfahrt einen "unglaublichen Enthusiasmus" entwickelt, erinnerte Schäfer. Noch im Bus hatten die Lokalpolitiker bekräftigt, eine solche Strecke für Mountainbike-Fahrer auch in Bad Endbach bauen zu wollen.

In der Folgezeit wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen; worauf die Mountainbiker in mühevoller Eigenleistung mit Unterstützung von Sponsoren über viele Monate den Flowtrail im Gemeindewald erschufen. Den Helfern dankte Bürgermeister Schäfer: "Bad Endbach ist stolz auf euch!"

Seinen besonderen Dank richtete Markus Schäfer an Birgt Jüngst-Dauber. Die frühere Mountainbike-Europameisterin (2003) dankte wiederum dem Initiator: "Herzlichen Dank an Bürgermeister Markus Schäfer, der den Mut hatte, so etwas umzusetzen. Es ist toll, dass die Gemeinde dahinter stand und steht!" Die ehemalige Profi-Sportlerin zog vor zwei Jahren aus Hatzfeld in den Bad Endbacher Ortsteil Wommelshausen. Kurz nach ihre Ankunft im südlichen Hinterland hatte Bürgermeister Schäfer die Mountainbikerin für seinen Plan begeistert.

Viele der Ehrenamtlichen, die das Projekt von Beginn an begleiteten, waren schon Mitglieder in der vielseitigen Radsportabteilung des Motorsportclubs Salzbödetal. Im Laufe der Zeit stießen aber auch immer neue Biker dazu. Gemeinsam gestaltete das große Team die Strecke.

Der Parcours entstand nicht am Reißbrett, vielmehr entwickelten die ehrenamtlichen Helfer die Ideen vor Ort. "Wir haben erst ein Element gebaut, ausprobiert, verändert, wieder probiert, dann das nächste", beschreibt Jüngst-Dauber den Entstehungsprozess. "Es hat sich ein Team gefunden, das super harmoniert. Alle haben viel Herzblut in die Strecke gesteckt!"

Das nötige Material fanden die Erbauer vor Ort oder brachten es in den Wald, größere Steine etwa. Unterstützt wurden die Biker von vielen großen und kleinen Sponsoren.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten und Anfahrt zur Flowtrail-Strecke gibt es im Internet auf: www.flowtrail-bad-endbach.de


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