Abenteuerlust im Gepäck

AUSLANDSJAHR Backpacker in Australien: Anika Götz

Abenteuerlust im Gepäck

Doch ganz ohne Organisation funktioniert das nicht. „Bevor es losging, gab es einigen Papierkram zu erledigen. Das Visum habe ich online beantragt, allerdings kann das bis zu vier Wochen dauern. Meinen Flug habe ich auch über das Internet gebucht. Das Open-Return-Ticket ist zwölf Monate gültig und kann einmal kostenfrei umgebucht werden.“ Es gebe aber auch viele Reisende, die nur ihren Hinflug buchen und dann spontan entscheiden, wann sie wieder in die Heimat zurückkehren wollen.

„Bei der Einreise muss man 3500 Euro auf dem Konto vorweisen können. Das war mein Startkapital, das ich mir während der Ausbildung zusammengespart habe. Ansonsten habe ich nicht viele Vorbereitungen getroffen. Natürlich sollte man über einen gültigen Reisepass verfügen und die Standard-Impfungen wie Tetanus oder Hepatitis A und B auffrischen lassen“, erklärt sie. Im Voraus gibt es allerdings noch eine wichtige Entscheidung zu treffen: Selbst organisieren oder mit Hilfe einer Organisation? Für Götz war das von Anfang an klar. „Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten, die schon in Australien waren. Alle haben mir von einer Organisation abgeraten. Das Einzige, worum sich gekümmert wird, ist die Tax File Number (Steuernummer) und die Kontoeröffnung vor Ort. Das bekommt man auch alleine hin.“ Außerdem gebe es unzählige Gruppen auf Facebook, in denen Reisende Hilfe finden.

„Das ist eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht. Das kann mir niemand mehr nehmen“

Aber wieso ausgerechnet Australien? „Da waren das Klima und die Jobsituation für Backpacker am Besten“, sagt die 23-Jährige.

Von den sechs Monaten hat Götz knapp die Hälfte mit Farmarbeit verbracht. Nicht nur, um Geld zu verdienen, sondern auch für Essen und Unterkunft. „Zuerst habe ich sechs Wochen in einem Dressur- und Rennstahl gearbeitet – Pferde füttern, Ställe ausmisten, Pferde vorbereiten und rausbringen. Wir durften reiten so viel wir wollten“, sagt sie.

Körperliche Arbeit sei auf dem Kontinent der Extreme nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Besonders im Dezember ist es in Teilen Australiens unerträglich heiß. Statt Geschenke unter dem Weihnachtsbaum auszupacken, hieß es im vergangenen Jahr für die Reisende Eier suchen auf einer Farm. Sieben Tage die Woche und zehn Stunden am Tag habe sie gearbeitet. „Ich musste Eier sammeln, waschen, stempeln und abpacken – so hart habe ich noch nie gearbeitet.“

Allgemein gelte: Keine Pläne machen. Wer spontan ist, hat mehr von der Reise. Die Backpackerin empfiehlt außerdem, alleine zu starten. „So kann man das machen, worauf man Lust hat. Zudem ist es leichter, Leute aus anderen Nationen kennenzulernen.“

Während ihres Trips entlang der Ostküste wohnte die junge Frau meist im Auto, das sie mit einer Freundin vor Ort kaufte. Allerdings: „In den Großstädten war es nicht so einfach, im Auto zu schlafen, weil es nicht überall erlaubt ist. In Sydney und Melbourne zum Beispiel haben wir im Hostel gewohnt.“

Im Auto zu leben, ist nicht für jeden das Richtige, aber für Backpacker praktisch, denn: Es ist günstiger als jedes Hostel und spart Kosten für Bus, Zug und Flieger.

„Man muss auf jeden Fall der Typ dafür sein und seine Ansprüche herunterschrauben“, meint die Kubacherin. Wer tut sich so etwas freiwillig an? Für Götz keine Frage: „Es war das Beste, was ich machen konnte. Wenn man dann im Great-Barrier-Reef taucht und die Korallen anfassen kann, weiß man, dass es sich gelohnt hat.“

Anika Götz ist überzeugt: „Ich bin über mich selbst hinausgewachsen und habe gelernt, weltoffen und eigenständig zu sein. Das ist eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht. Das kann mir niemand mehr nehmen.“

 

Insiderwissen:
- Die Devise lautet: Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Allerdings gibt es einige Tricks und Kniffe, die die Jobsuche erleichtern. In den meisten Hostels gibt es ein schwarzes Brett, an dem Stellenanzeigen hängen. Neben dem Jobportal www.gumtree.com.au gibt es zahlreiche Facebook-Seiten (unter anderem Work and Travel Australia, Fruit Picking Jobs, Farmwork Australia)

- Das Gepäck sollte so leicht wie möglich sein. Wichtig sind Taschenmesser, Taschenlampe und eine Powerbank, denn unterwegs gibt es nicht immer Strom. Für den Notfall sollte immer eine Reiseapotheke, bestehend aus Erste-Hilfe-Set und den nötigsten Medikamenten, dabei sein. Regenjacke und Schlafsack dürfen auch nicht fehlen.

- „WikiCamps Australia“ ist eine Smartphone-App für Backpacker, die Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe findet. Neben kostenpflichtigen Campingplätzen werden dort auch kostenfreie „Rest Areas“ und Sehenswürdigkeiten aufgeführt. 


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