"Äh mu fon!" - Katja Girr ist seit drei Monaten in Togo

 

Seit drei Monaten bin ich nun schon in Togo. Am Abend des 8. Augusts ist das Flugzeug in Lomé, der Hauptstadt Togos, gelandet. Beim Hinaustreten aus dem Flieger habe ich das erste Mal die leicht feuchte tropische Luft eingeatmet und bei der darauffolgenden Gepäckausgabe wäre mir der Atem auch fast schon wieder stehen geblieben. Die Koffer haben auf dem Gepäckband Runden gedreht und ich habe keinen meiner Koffer gesehen, genau davor hatte ich Angst gehabt.

Aber gleich bei der Ankunft sollte dann doch noch nichts schliefgehen, es gab zwei Gepäckbänder und meine Koffer waren auf dem zweiten. Am Flughafen haben uns (wir sind drei Freiwillige aus Deutschland) Mitglieder der Jeunesse Sensibilisation Action (JSA), mit der wir zusammenarbeiten, abgeholt. Mit einigen weiteren Mitgliedern der Organisation und den vorherigen Freiwilligen haben wir den ersten Abend in einer Bar gefeiert. Dort gab es auch schon gleich die erste typisch togolesische Speise : "Colico" (frittierte Yamsstückchen mit Chilisosse).

 

Sprachkurs in "Mina", die Sprache im Süden Togos

 

Die ersten beiden Monate haben wir in Lomé verbracht. Dort bekamen wir unter anderem einen Sprachkurs in Mina. Das ist die Vereinfachte Form von Ewé, welche von der Bevölkerung im Süden Togos gesprochen wird. Leider ist es sehr schwer, Mina zu lernen, denn die Sprache wird ausschließlich gesprochen und es gibt keine Lehrbücher.

Hier trotzdem eine kleine Einführung: Man begrüßt jemanden mit den Worten "Niso bedo" (Wir haben uns vor einigen Tagen gesehen.), "Eso bedo" (Wir haben uns gestern gesehen) oder "Egbe bedo" (Wir haben uns heute schon mal gesehen), je nach Situation.

 

"Äh mu fon" - "Mir geht es gut"

 

Als nächstes fragt man "O fon gneodea?" (Wie geht es dir?). Die Person antwortet entweder "Äh mu fon" ( Mir geht es gut.) oder "Ao mu fon" (Mir geht es nicht gut.).

Dann unterhält man sich kurz und zum Abschied sagt man schliesslich "Ey sande" (bis bald/gleich). Bisher verstehe ich schon einige Sätze und Fragen, wenn die Togolesen munter anfangen, mit mir Mina zu sprechen. Die Togolesen freuen sich sogar noch mehr als ich selbst, wenn ich verstehe , was sie sagen. Mein Ziel für die weitere Zeit ist es, die Sprache noch besser zu lernen, denn viele ältere Leute sprechen nur Mina und mit ihnen möchte ich mich auch gerne unterhalten können.

 

Zuerst arbeitet Katja im Kindergarten

 

Ansonsten haben wir in Lomé besprochen und vorbereitet, was wir mit den Kindern machen werden, sobald der Kindergarten in dem Dorf Djékotoé beginnt. Unsere Hauptaufgabe wird nämlich für die ersten Monate die dortige Mitarbeit sein.

Vor dem Aufbruch nach Djékotoé haben wir jedoch noch einige Dinge in Lomé erlebt. Wir haben einen Sonntag am Strand verbracht, der wirklich sehr schön ist. Verwunderlich war nur, dass fast niemand im Wasser zu sehen war. Der Grund ist, dass die meisten Togolesen nicht schwimmen können und es eine starke Strömung auf den Ozean hinaus gibt. Somit ist das leider auch für uns ins Wasser gefallen.

 

In der Hauptstadt beginnt der Aufenthalt mit Feiern

 

Dafür wurden wir plötzlich Gäste einer Geburtstagsfeier am Strand und haben mitgegessen, getrunken und gefeiert, obwohl wir das Geburtstagskind noch nicht mal kannten. Wir saßen neben den Leuten und wurden einfach eingeladen, mitzufeiern.

Weiterhin haben wir den Abschied unserer Vorgänger gefeiert und einen Tag auf dem "Grand marché" (Lomés großer Markt, auf dem es wunderschöne handgemachte Dinge gibt) verbracht. 

20 Kilo Wasser auf dem Kopf transportieren


Und natürlich haben wir die Kultur insgesamt kennengelernt. Da die Familie, bei der wir wohnen, keinen Wasseranschluss hat, wird das Wasser in Eimern auf dem Kopf nach Hause transportiert. Das habe ich natürlich auch ausprobiert und mittlerweile kann ich schon 20 Kilo auf dem Kopf tragen, ohne allzuviel zu verschütten. Zudem war ich ziemlich erstaunt, als ich die Fingernägel der Frauen gesehen habe. Man lackiert sich hier nur die linke Hand, weil man mit der rechten isst. Und was ich auch nicht erwartet hätte, waren Pommes als Abendessen, frittiert in Öl auf einem kleinen Holzkohlegrill mit Ketchup aus Deutschland von den vorherigen Freiwilligen.

Soviel zu der Zeit in Lomé. Am 8. Oktober sind wir nach Djékotoé aufgebrochen, in einem alten VW Golf, dessen Kofferraum so voll war, dass er nicht mehr zuging. Deswegen ist plötzlich der Sack mit den Tomaten rausgefallen und zudem hatten wir zwischendurch eine Panne, die der Fahrer aber ganz schnell wieder behoben hatte.


Nach drei Stunden über Feldwege sind sie angekommen


Nach etwa drei Stunden sind wir angekommen. Das letzte Stück des Weges bestand nur noch aus Feldwegen auf roter Erde, umgeben von viel Grün und Palmen. Die Häuser in Djékotoé bestehen aus roter Erde und die meisten haben ein Schilfdach. Strom gibt es nicht und das Wasser wird von den Brunnen geholt.

Ich habe mich eigentlich sofort und ohne Probleme an die neue Lebensweise gewöhnt. Vor allem ist das Leben gar nicht so unterschiedlich wie ich dachte. Wenn es wie jeden Tag um etwa 17.30 Uhr dunkel wird, schalten die Dorfbewohner ihre Taschenlampen an. Es gibt einen Fernseher, der mit einem Dieselmotor betrieben wird und auf dem man Fußball schauen kann und es macht gar nichts aus, dass es keinen Telefonanschluss gibt, denn die Leute benutzen Handys.

Der erste Monat mit den Kindern im Djékotoéer Kindergarten hat ganz gut geklappt und mir macht die Arbeit viel Spass . Genaueres dazu erhaltet ihr im nächsten Bericht, "ey sande".

Ich sende euch liebe Grüsse aus dem 30 Grad warmen Togo ins herbstliche Mittelhessen !


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus midde