"Ätzkalk" punktet bei der Jury

JUGENDPRESSE Schülerzeitung der Mankel-Schule gehört zu den besten bundesweit

Die Chefredaktion der ausgezeichneten "Ätzkalk" (von links): Lena Oelsner, Emily Nowak und Hannah Diehl.

Die Titelseite der erfolgreichen "Ätzkalk" hat die Schülerin Justine Lenz gezeichnet.

Das aktuelle Redaktionsteam: vorne Jannik Kurz und Lea Hlapovic, dahinter von links Lennard Masuch, Hannah Diehl, Kathrin Heß, Ezgi Erdogan, Freya Thieme, Antonia Heimen, Jeanine Fischer, Nadine Hilpisch und Evelin Mendel. (Fotos: privat)

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"Ich freue mich so sehr über dieses riesige Lob, da zahlt sich die Arbeit doch gleich doppelt aus", sagt die ehemalige Chefredakteurin Emily Nowak, die noch an dieser Ausgabe mitarbeitete. Auf diesen wahnsinnigen Erfolg könnten sie wirklich unglaublich stolz sein.

Zum zwölften Mal haben Journalisten, Schüler, Vertreter der Länder und Sonderpreisstifter unter rund 1900 Einsendungen die besten Schülerzeitungen ausgewählt. Insgesamt 32 Redaktionen aus ganz Deutschland wurden bei der Jurysitzung im Landtag Brandenburg gekürt. Die "Ätzkalk" gewann einen der sechs Sonderpreise für Zeitungen mit hervorragenden themenspezifischen Beiträgen und bestimmten journalistischen Stilformen.

Mittlerweile ist die 62. Ausgabe der "Ätzkalk" im Druck. Die jedes Jahr wechselnde Redaktion bringt zusammen mit Lehrer Jürgen Weil drei Ausgaben pro Schuljahr heraus.

Einmal in der Woche trifft sich die Redaktion, setzt sich zusammen und bespricht alles, was anliegt. Dann recherchiert und schreibt jeder Redakteur selbstständig an seinen Artikeln. "Als beratender Lehrer gebe ich Tipps und Ratschläge und korrigiere am Ende die fertigen Artikel", sagt Weil. "Wir Chefredakteure müssen zum Beispiel Sitzungen alleine leiten, wenn Herr Weil nicht da ist", erklärt Hannah Diehl. "Außerdem machen wir die Zeitung zum Schluss ganz fertig und überlegen vorher, wie und in welcher Reihenfolge wir die Zeitung zusammenstellen könnten."

"Zu Beginn des Schuljahres geht es in der ersten Ausgabe meistens um das Schulleben, was gerade passiert und die neuen Schüler werden vorgestellt", erzählt Hannah Diehl, die aktuelle Chefredakteurin. Die zweite Ausgabe drehe sich dann meistens um ein bestimmtes Thema. In der neuesten Ausgabe ist es die Nachhaltigkeit. Außerdem gibt es in jeder Ausgabe eine In- und Out-Seite, Witze und Rätsel. Hannah Diehl kontrolliert zusammen mit ihren Stellvertretern Freya Thieme und Lennard Masuch das Layout und sorgt dafür, dass jede Seite nummeriert ist. "Die Redaktion arbeitet mit Word", erzählt Weil. "Alles andere wäre zu zeitaufwendig."

Wie der Lehrer erklärt, dauerte es lange, bis für die erste Ausgabe im Jahr 1992 ein Name gefunden war. Erst nach einem Blick in ein herumliegendes Chemiebuch einigten sich die Redakteure auf "Ätzkalk". Ätzkalk ist Kalziumoxid, ein weißes Pulver, das als Kalkputz oder Düngerkalk verwendet wird. Und dort liegt auch der Zusammenhang zur Zeitung: "Die ,Ätzkalk’ hat viele Pflänzchen gedüngt und zur vollen Entfaltung gebracht", erklärt Weil.

"Ich dachte schon in der fünften Klasse: Da will ich später auch mitmachen."

Die Arbeit an der Schülerzeitung wird als Wahlpflichtunterricht angeboten. Für Hannah Diehl war "Ätzkalk" auch die erste Wahl, weil sie gerne schreibt. "Meine Schwester war dabei und ich habe schon in der fünften Klasse gedacht: Da will ich später auch mitmachen", erzählt sie.

Auch ihr Stellvertreter Lennard Masuch hatte früh Interesse an der Schülerzeitung. Schon in der vierten Klasse gestaltete er einen Comic für die "Ätzkalk" und "fand sie schon immer gut". Bei den Schülern und Lehrern kommt die Zeitung sehr gut an. "Wir haben eine Auflage von 500 Stück und 380 von 480 Schülern kaufen die Zeitung. Außerdem bekommt jeder Lehrer eine", erläutert Weil. Der Verkaufspreis von 2,50 Euro deckt die eine Hälfte der Kosten ab, die andere Hälfte wird durch Werbung finanziert.

Obdachlosenszene, Tierversuche und Berliner Mauer gehören zu den Themen, die von den Schülern aufgegriffen werden. "Das geht teilweise unter die Haut", meint Weil.

Nicht nur die Schüler und Lehrer der Jakob-Mankel-Schule finden die Schülerzeitung gut. Seit 2002 war "Ätzkalk" jedes Jahr, mit Ausnahme von 2007, unter den Top drei der besten Schülerzeitungen in Hessen. Vier Mal wurde der zweite Platz belegt und zwei Mal sogar der erste Platz.

Die ehemalige Redakteurin Leonie Knaak schrieb außerdem den besten Einzelartikel über das Thema Amnesty International.

Im Oktober 2014 hatte die Schülerzeitung wieder einen großen Erfolg. Sie wurde mit der Ausgabe mit dem Thema "Süchte haben vielfältige Gesichter" die Nummer eins aller Schülerzeitungen in Hessen. Anfang 2015 gab es schon wieder einen Grund zum Feiern. Die Jugendpresse Deutschland prämierte die herausragendsten Schülerzeitungen Deutschlands und die "Ätzkalk" gewann einen Sonderpreis. Unter rund 1900 Einsendungen wurden dabei die besten ausgewählt. Wieder war es das Thema Sucht, das begeisterte. Der Sonderpreis wurde von der AOK gestiftet. "Wir waren sehr beeindruckt von der Ausgabe mit dem Schwerpunkt Sucht", sagte Michael Bernatek vom AOK-Bundesvorstand.

Mit dem Preis geht für Weil ein Traum in Erfüllung. "Noch einmal Berlin", hatte er sich scherzhaft nach dem letzten bundesweiten Erfolg 2006 gewünscht. Nun geht es am 19. Juni zum dritten Mal in die Hauptstadt zur Ehrung. Der Lehrer geht im Juli 2015 in Pension und ist sich sicher: "Berlin ist nun das Sahnehäubchen. Einen besseren krönenden Abschluss vor meiner Pensionierung kann es nicht geben."

Auch die aktuelle Chefredakteurin freut sich riesig. "Ich hatte Tränen in den Augen, als ich den Anruf bekam. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet", sagt Hannah Diehl.

Für sie und ihre Stellvertreterin Freya Thiele ist klar, woher der Erfolg kommt: "Es macht super viel Spaß bei der ,Ätzkalk’ mitzuarbeiten. Wir haben hier keinen Druck, sondern machen alles freiwillig und aus Spaß." Es liege aber auf jeden Fall auch an ihrem Lehrer Jürgen Weil, der mit viel Herzblut dabei sei.


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