Alina Pfeifer und Malte Nickel geehrt

EHRENAMT  Bürgerstiftung Mittelhessen zeichnet beide mit „Ehrenamtspreisen für junge Leute“ aus

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Malte Nickel ist 25 Jahre alt. Der Sinner gilt als Vorbild für ehrenamtliches Engagement von Jugendlichen. Seit 2006 arbeitet er im Förderverein Waldschwimmbad Sinn mit. Beispielsweise hilft er im Kiosk, im Bautrupp und im EDV-Bereich.

Herausragend ist jedoch, dass er im Alter von 19 Jahren die Verantwortung für die Kasse des Fördervereins übernahm. 2011 kandidierte er für dieses Amt und wurde von den Mitgliedern gewählt. Seitdem kümmert er sich um die Finanzen des Vereins, der über 800 Mitglieder hat und den Umsatz eines mittelständischen Betriebs aufweist.

Eibelshäuserin textet für Menschen mit Behinderung, Sinner führte die Kasse eines großen Vereins

Vorgeschlagen für den „Ehrenamtspreis für junge Leute“ wurde der 25-Jährige vom Vorstand des Fördervereins. „Wir freuen uns über diese Auszeichnung und finden, dass Malte sie sich redlich verdient hat. Wir freuen uns auch, dass das Engagement in unserem Verein auch überregionale wahrgenommen und gewürdigt wird“, teilte Michael Krenos, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, mit.

Völlig „aus dem Häuschen“ waren Rainer Staska und Sascha Kirchhoff, weil ihr Vorschlag Platz eins abgeräumt hat: Alina Pfeifer aus Eibelshausen hat die Jury derart überzeugt, dass sie ihr den Hauptpreis gab.

Die 18-Jährige ist sozial und kulturell aktiv. Vor zwei Jahren schrieb sie ihren ersten Text, mehr zufällig als geplant. Für den Philosophischen Tag an der Wilhelm-von-Oranien-Schule in Dillenburg hatte sie nur nebenbei angegeben, bei einem Poetry-Slam-Projekt mitmachen zu wollen. Die beiden anderen Angebote, bei denen sie damals lieber dabei sein wollte, waren ausgebucht. „Was ein Glück“, sagt sie und schmunzelt.

Schon beim Schreiben ihres ersten Textes habe sie gemerkt, dass ihr das Spaß mache. Vor der kompletten E-Stufe der WvO trug sie ihn vor, mit ein wenig Lampenfieber. Wenig später wurde Sascha Kirchhoff, Poetry Slamer aus Dillenburg, in einem Workshop am Gymnasium auf die junge Eibelshäuserin und ihr Talent aufmerksam. Es folgten weitere Texte, weitere Auftritte, unter anderem in Gießen im Jokus und beim Scheunen-Slam in Herborn.

„Was Alina schreibt, ist so authentisch, echt und glaubwürdig“, schwärmt Kirchhoff. Sie selbst sagt: „Wenn ich nur einen Menschen mit meinem Text berühre, dann bin ich schon glücklich.“

Die junge Poetry-Slamerin unterstützt das „Stimmgeber“-Projekt von Sascha Kirchhoff und Rainer Staska. Sie gibt Menschen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben, eine Stimme, unterstützt psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche, in dem sie die Texte öffentlich vorstellt wie beispielsweise beim Herborner Scheunen-Slam. „Stimmgeber“ wurde 2014 mit dem Preis für soziales Bürgerengagement des Landes Hessen geehrt.

Alina Pfeifer gehört zudem der „Schreibwerkstatt“ des Diakonischen Werkes in Herborn an und gibt dadurch Menschen mit und ohne Behinderung einen Raum, ihre Gedanken und Gefühle durch das Schreiben auszudrücken. Beim bundesweiten Vorlesetag ist sie an der Rehbergschule in Herborn zu Gast. Sie hat einen Beitrag „special effects“ für das Hörbuch „Menschen ohne Macke sind kacke“ verfasst, ebenso für das Buch der Lebenshilfe Dillenburg „Tausend Zeichen – Begegnungen Downtown“ und auch einen Text über ihr Dorf Eibelshausen.

Wie findet sie die Themen? „Das kann im Bus oder im Zug sein, wo ich Leute sehe und denke ‚über die muss ich einen Text schreiben‘. Oder das, was mir im Alltag passiert“, sagt sie. Fünf bis sieben Beiträge im Monat schreibt sie. In der Schreibwerkstatt ist sie manchmal nach 45 Minuten mit einem Text fertig.

Bei der Preisverleihung am in Gießen ahnte Alina Pfeifer übrigens nicht, dass sie den ersten Platz bekommen sollte – an ihrem 18. Geburtstag. Auch Rainer Staska und Sascha Kirchhoff wussten bis zuletzt nicht, dass Alina Pfeifer unter den 40 Preisträgern den Hauptpreis erhalten würde. „Als nur noch vier noch nicht aufgerufen waren und Alina unter ihnen war, haben wir schon schwitzige Hände bekommen“, berichtet Staska.

Für Alina Pfeifer ist es der erste Preis, den sie für ihr Engagement bekommen hat. Am 16. Juni darf sie am Halbfinale der Hessenmeisterschaften im Poetry Slam teilnehmen.


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