"Alles ist so viel größer!"

AUSTAUSCH Europaschüler Dominic Diessner war drei Monate in Kanada

War für drei Monate im kanadischen Calgary: Dominic Diessner. (Foto: privat)

Schulalltag wie im Fernsehn: Die gelben Schulbusse, die man in Deutschland vor allem aus amerikanischen Serien kennt, bringen die Jugendlichen an die High School in Calgary. (Foto: privat)

Besonders die Natur hat es ihm angetan: Austauschschüler Dominic Diessner hat Calgary, den Schulalltag und die kanadische Lebensweise kennengelernt. Im kommenden Jahr kommt sein Austauschschüler, Jared Bergh, an die Europaschule nach Gladenbach. (Foto: privat)

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"Alles in Kanada ist so viel größer als hier bei uns", erzählt der Elftklässler, der am vergangenen Wochenende von seinem dreimonatigen Trip zurückgekommen ist. "Die Autos, die Straßen, einfach alles...", sagt er noch immer begeistert von den frischen Eindrücken. "Die haben da dreispurige Landstraßen, die kilometerlang nur geradeaus gehen. Es ist eine ganz andere Welt." Es sei keine Seltenheit, dass seine Gastfamilie Vier-Liter-Milchtüten gekauft habe oder die 1,5 Kilogramm-Tüte Chips. "Unfassbar!"

Gefragt, ob er für drei Monate nach Kanada reisen möchte, wurde der 17-jährige Europaschüler von seinem Englischlehrer Martin Wege. "Englisch ist sowieso eines meiner Lieblingsfächer und ein Auslandsaufenthalt ist doch schon was tolles", sagt Diessner. "Da habe ich gleich Ja gesagt." Sicher war seine Fahrt damit aber noch nicht. "Erst musste ich mich dann noch beim Schulamt bewerben", erzählt er. "Es hat dann aber alles super geklappt."

In Calgary lebte Diessner bei einer Gastfamilie. Jared Bergh, sein Austauschpartner, kommt im kommenden Jahr nach Deutschland und wird das Hinterland kennenlernen.

Besonders beeindruckt zeigt sich der Elftklässler vom Schulsystem. "Die lernen dort wirklich fürs Leben", sagt er. So gebe es beispielsweise einen Kochkurs, der fest im Stundenplan verankert ist. "Es gibt eine richtige, top ausgestattete Gourmetküche und auch die schuleigene Cafeteria wird mit Selbstgemachtem beliefert", sagt Diessner.

Ein weiteres spannendes Fach, das auf den deutschen Stundenplänen fehlt: Forensik. "Dort haben wir uns mit dem Lösen von verschiedenen, teils realen, Kriminalfällen beschäftigt." Die Kombinationsgabe und das logische Denken werde dort geschult. "Und das alles sind ganz normale Fächer, wie bei uns Mathe und Physik."

"Der schulische Zusammenhalt ist in Kanada größer als bei uns", sagt Diessner

Auch anders läuft die Bewertung der Leistung der Schüler ab. "Jede Woche wurde in fast jedem Fach ein Test geschrieben", erinnert sich Diessner. "Dort wird alles bewertet. Das mündliche, das schriftliche, die Hausaufgaben, alles." Ein tolles System, findet Diessner. Denn: "Wenn man in Deutschland bei einer Klausur mal einen schlechten Tag hat, hat man sich manchmal schon die Note versaut."

 Der durchschnittliche Schultag geht in der Schule, die Diessner besucht hat, von 9 bis 15.40 Uhr. "Aber danach geht man meistens noch nicht nach hause", verrät er. "Der schulische Zusammenhalt ist in Kanada viel größer als bei uns", erklärt er. "Die Schüler dort stehen zu ihrer Schule und repräsentieren sie auch nach außen hin." Trikots mit dem Logo der Schule gehören da beim Sport auch abseits des Unterrichts zum guten Ton. "Überhaupt unternimmt man sehr viel mit Freunden - mehr noch als wir in Deutschland." Diessner, Bergh und seine Clique in Calgary besuchten etwa häufig den schuleigenen Kraftraum.

Neben der Schule lernte Diessner auch das Land kennen. Der Höhepunkt? "Das waren sicherlich die Rocky Mountains", sagt der 17-Jährige. Zwar habe er dort keine Bären gesehen, dafür aber Nordlichter - und dieses Naturschauspiel konnte Diessner sogar zwei Mal genießen. "Schon lustig", sagt er grinsend. "Viele Kanadier haben mir erzählt, sie würden schon ihr ganzes Leben lang dort wohnen und hätten noch nie eins gesehen. Glück gehabt." 

Heimweh hatte Diessner wenig bis gar nicht. "Dafür habe ich die Zeit einfach viel zu sehr genossen." Und überhaupt hätte er ja den Kontakt zu seiner Familie und Freunden via Facebook und WhatsApp gehalten. Die nächste Reise, vermutlich wieder nach Calgary, hat der Schüler schon fest im Blick. "Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber wahrscheinlich fahre ich bald wieder privat dahin", sagt er. Denn, das merkt man, Kanada hat es Diessner angetan.


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