Arbeitsagentur statt Modetipps

Youtube „Cecelicious“ aus Gladenbach drehte Clip über Berufsberatung

„Cecelicious“ probierte unter Anleitung von Berufsberater Sascha Becker das Programm „Berufe-Entdecker“ aus – und erhielt als Vorschlag unter anderem die Bundespolizei. (Foto: Ina Tannert)
Youtuberin „Cecelicious“ aus Gladenbach, die im wahren Leben Cheyenne heißt, drehte gemeinsam mit Schwester Violeth in der Marburger Agentur für Arbeit. (Foto: Ina Tannert)
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Eigentlich sind Berufsorientierung, Berufsberatung oder Ausbildung nicht gerade Kernthemen im Internetleben der jungen Gladenbacherin mit dem Künstlernamen „Cecelicious“, kurz Cece.

Normalerweise spricht die 20-Jährige auf der Videoplattform Youtube über Gott und die Welt, über Probleme im Jugendalter, gibt Schminktipps oder färbt ihrer kleinen Schwester vor laufender Kamera die Haare. Ihrem Repertoire fügt sie nun in Kooperation mit der Agentur für Arbeit die Berufsberatung hinzu. Zumindest für einen Clip, der demnächst auf ihrem Kanal erscheinen soll.

Das Material dazu drehte Cece, die im wahren Leben eigentlich Cheyenne heißt, samt Team in Marburg. Gemeinsam mit einer dreiköpfigen Fangruppe und Schwester Violeth, die sich als Kamerafrau betätigte, rückte Cece in der Behörde ein. Im Berufsinformationszentrum probierte sie das Angebot rund um die Berufsberatung direkt aus, gab alles an die Kamera weiter und klickte sich selber durch das Programm „Berufe-Entdecker“.

Jede Woche dreht „Cecelicious“ vier Videos für rund 109 200 Abonnenten

Anhand ihrer Angaben und beruflichen Vorlieben, die sie via Foto-Klicks eingeben konnte, ermittelte das Programm passende Berufsbilder. Darunter Marketing und Werbung oder eine Karriere bei der Bundespolizei. Mit Letzterem hatte sie sogar geliebäugelt, bevor Cece hauptberuflich Youtuberin wurde, sagt sie.

Die gebürtige Marburgerin gibt heute im Netz hauptsächlich Lifestyle-Tipps für Mädchen. Vier Videos dreht sie in der Woche für ihre knapp 109 200 Abonnenten.Vor drei Jahren hat sie mit Youtube angefangen, ihr Hobby zum Beruf gemacht und sich zumindest vorerst gegen eine Ausbildung entschieden.

Und wie kommt nun eine Youtuberin aus der Sparte Lifestyle dazu, ihren jugendlichen Fans plötzlich Tipps für das spätere Berufsleben zu geben? „Ich möchte den Mädels und Jungs helfen und sie motivieren – viele wissen in dem Alter noch gar nicht, wo sie beruflich einmal hin wollen, das kenne ich ja selber noch“, erklärt Cece. Auch sie war vor einigen Jahren bei der Berufsberatung, „ich wäre froh gewesen, wenn mir damals ein Youtuber dazu geraten hätte“.

Die Idee für einen Werbeclip über Berufsberatung entstand vor einem Jahr spontan bei einem Treffen auf dem Gladenbacher Kirschenmarkt, die Agentur suchte neue Wege, ihr Angebot in der eigenen Zielgruppe zu verbreiten. Und die deckt sich relativ mit der von Cece. Deren Fans sind etwa zwischen 12 und 16 Jahre alt.

Das Video soll junge Menschen ansprechen und auf die Bedeutung der Berufswahl hinweisen

Ab der siebten oder achten Klasse gehen die Berufsberater in den Unterricht, werben für einen festen Berufsplan und informieren über Angebote in der Region und mögliche Praktikumsplätze. „Die Praktika sind das wichtigste, Schüler sollten sich frühzeitig Gedanken darüber machen und sorgfältig planen, in welche Richtung es einmal gehen könnte“, erklärt Berufsberater Sascha Becker.

Über Youtube sucht die Agentur nun „neue Kanäle“, um ihr Angebot weiter zu streuen. Das ist für die Behörde Neuland – in den sozialen Netzwerken präsent sei die Agentur kaum, suche dennoch den Kontakt zu jungen Menschen im passenden Alter.

Und die sind zuhauf im Netz unterwegs. Somit sollen auf diesem Wege beide Welten verknüpft werden. Nicht zuletzt, um das Image und die Frequenz für die Berufsberatung zu steigern. „Manche trauen sich auch nicht zu uns, so ein Video kann da helfen, um junge Leute anzusprechen, ins Gespräch zu kommen und auf die Bedeutung der richtigen Berufswahl hinzuweisen“, erklärt Pressesprecherin Dr. Heike Beber.

Damit solle man sich als Jugendlicher so früh wie möglich auseinandersetzen. Das unterstützt auch Cece. Den Werbeclip dreht sie dabei nicht umsonst, will jedoch ihre Reichweite nutzen. „Ich habe ja einen ganz anderen Einfluss und kann den Kindern helfen – wie eine große Schwester.

Ich möchte den Leuten zeigen, dass es auch andere coole Berufe gibt, außer Youtuber zu werden“, sagt sie mit einem Lachen. Sie selbst möchte vorerst beruflich da bleiben, wo sie ist, „ich mache natürlich weiter Youtube, was in Zukunft wird, weiß ich noch nicht“.

 


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