Argumente sind Zeitverschwendung

Herr Kitz, wenn ich Ihnen jetzt sage: Denken Sie auf gar keinen Fall an einen rosafarbenen Elefanten im Raum. Auf gar keinen Fall! Und? Woran denken Sie?

Volker Kitz: Natürlich denke ich an den rosafarbenen Elefanten (lacht). Das geht uns allen so. Je mehr unser Gehirn versucht, einen Gedanken zu unterdrücken, umso mehr ist er parat. 

Das heißt also: Wenn ich mir fest vornehme, ab dem neuen Jahr keine Schokolade mehr zu essen, ist das ein Vorsatz, der gleich zum Scheitern verurteilt ist?

Kitz: In der Regel ja. Wenn ich mir vornehme, an etwas – in diesem Fall die Schokolade – nicht zu denken, ist dieser Gedanke umso deutlicher in mir abgespeichert. So entsteht ein ständiges Phantombild des verbotenen Gedankens. Und das sorgt dafür, dass, wenn ich es schaffe, eine Zeit lang auf Schokolade zu verzichten, der Rückfall umso schlimmer ist. Experimente haben gezeigt: Wer nur fünf Minuten lang seine Gedanken an Schokolade unterdrücken soll, isst hinterher umso mehr davon.

Was kann denn stattdessen helfen?

Kitz: Positive anstatt negative Vorsätze zu fassen. Also beispielsweise den Vorsatz, keine Schokolade mehr zu essen, in etwas Positives zu verkehren, nämlich: mehr Sport zu machen. Was auch hilft, ist fokussierte Ablenkung. Dabei muss man immer, wenn der verbotene Gedanke auftaucht, an etwas Bestimmtes denken. Etwa an eine Giraffe oder ein rotes Auto. Das muss man vorher genau festlegen. 

In Ihrem Buch heißt es, dass durch den Name-Letter-Effekt die Buchstaben des eigenen Namens weite Teile unseres Lebens bestimmen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich persönlich einen Cornelius ungesehen als sympathischer einstufe als einen Herbert?

Kitz: Sehr wahrscheinlich. Wir sind nämlich verliebt in die Buchstaben unseres eigenen Namens. Egal wie furchtbar wir den Namen auch finden mögen. Das Gehirn gewöhnt sich an diese Buchstaben, sie sind ihm vertraut. Und das Gehirn hasst Neues. Wir haben auch schon einige Zuschriften von Lesern bekommen, die gesagt haben: Das stimmt ja tatsächlich!

Stichwort Durchsetzungskraft: Das Zauberwort, heißt nicht „bitte“, sondern „weil“. Warum?

Kitz: Wir argumentieren und diskutieren um unser Leben, dabei sind Inhalte selten ausschlaggebend. So macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob man sagt „Lässt du mich bitte an den Kopierer“ oder „Lässt du mich an den Kopierer, weil ich ein paar Kopien machen muss“. Mit der zweiten Version ist man deutlich erfolgreicher. Die Leute wollen nur ein „weil“ hören, auf den Inhalt danach kommt es ganz offensichtlich nicht an. Argumentieren ist also reine Zeitverschwendung.“

Verliebtheit und Ekel hängen enger miteinander zusammen, als man glaubt. Das lernt man in ihrem Buch. Alles eine Frage der Interpretation?

Kitz: Körperlich zeigen wir auf Verliebtheit und Ekel die gleiche Reaktion: Unser Herz schlägt schneller, wir schwitzen, wir zittern. Gleiches gilt bei Ärger und Freude. Erst der Kopf deutet diese Reaktionen und sucht sich die für ihn naheliegende Begründung. Dementsprechend ist es auch möglich, anderen Leuten Dinge schön- oder schlechtzureden. 

Heißt das konkret: Jeder von uns ist manipulierbar?

Kitz: Ich würde das nicht manipulierbar nennen. Denn so funktionieren wir nun einmal. Das alles ist ein natürlicher Mechanismus. Ich würde es eher Überlegenheit durch Wissen nennen. 

Viele von uns kennen das: Wir verharren eher in einer Situation, mit der wir unzufrieden sind, anstatt den Schritt zu etwas Neuem zu wagen. Warum sind wir Menschen solche Gewohnheitstiere? 

Kitz: Wir haben weniger Angst davor, nichts zu tun und dadurch in einer Situation zu bleiben, in der es uns nicht gut geht, als davor, durch aktives Tun eine Situation herbeizuführen, in der es uns vielleicht noch schlechter geht. Dabei ist uns nicht bewusst, dass die Entscheidung, Dinge zu unterlassen, eben auch eine Entscheidung ist. Rückbesehen ist es dann meist so, dass wir eher die Dinge bereuen, die wir nicht getan haben, als die, die wir getan haben.

Es heißt in Ihrem Buch: Männer greifen, wenn sie provoziert werden, lieber den Körper an, Frauen die Ehre. Woran lässt sich das festmachen?

Kitz: Das sieht man allein daran, wie viele Männer in eine Schlägerei verwickelt werden. Männer werden gern handgreiflich, Frauen hingegen drohen mit übler Nachrede. Sie benutzen Worte als Waffe. Das liegt in der Evolution begründet. In der Alltagspsychologie bedeutet das: Um etwas zu erreichen, muss man sich zielgruppengerecht verhalten. Ein Mann müsste einer Frau beispielsweise mit übler Nachrede drohen, eine Frau einem Mann (lacht) etwa mit Schläge vom großen Bruder. 

Wie entstehen Bücher wie „Warum uns das Denken nicht in den Kopf will“ oder der Vorgänger „Psycho? Logisch! Nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie“?

Kitz: Manuel Tusch und ich verfolgen immer den aktuellen Stand der Forschung und wandeln das, was darin sehr trocken und schwierig formuliert ist, ins Einfache und allgemein Verständliche um.

Wir verlosen zwei Exemplare von „Warum uns das Denken nicht in den Kopf will“. Beantwortet folgende Frage: Wie heißt das Vorgängerbuch von „Warum uns das Denken nicht in den Kopf will“? Schickt uns die Antwort per Mail an info(at)midde.de. Vergesst nicht, eure Adresse und euer Alter anzugeben. 


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