Auf der Jagd nach Gewittern

Fotografie  Ein Gießener Student und seine Faszination für ein Wetterphänomen

Wenn der Himmel zum Kunstwerk wird: Beim Gewitter türmt sich eine Wolkenfront über Herborn auf. (Foto: Piontek)
Der Gewitterjäger Jonas Piontek bei der Arbeit. (Foto: privat)
Unheimlich und doch schön: Gleich mehrere Blitze schlagen in den Maracaibo-See in Venezuela ein. (Foto: Piontek)
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Die ungewöhnliche Leidenschaft des 22-Jährigen begann vor ungefähr acht Jahren. „Ich hatte schon immer eine grundlegende Faszination für die Natur und alles in der Natur, was unüblich oder ein bisschen extremer ist“, erzählt Piontek. Durch Zufall hat er ein Gewitter fotografiert und merkte dann schnell, dass ihm genau das Spaß macht. Im Internet suchte er nach Gleichgesinnten aus der Region und wurde fündig: „Mittlerweile sind wir ein richtiges Team und gehen immer zusammen auf Tour.“

Ganz alleine auf Gewitterjagd gehen sei auch zu schwierig, da konstant der Überblick über die Wetterlage behalten werden müsse. Falls sich eine interessante Wettersituation ankündigt, wird ein grobes Zielgebiet festgelegt, in das die Fotografen fahren. Während der Autofahrt wird die Situation über Satellitenbilder, Wetterradar und natürlich den Himmel selbst im Auge behalten. Gleichzeitig wird schon nach einem geeigneten Standort gesucht. „Wettermodelle geben einem leider immer nur eine Idee, wo etwas passieren könnte,“ erzählt der selbstständige Mediengestalter und Student, „aber ob es dann tatsächlich so kommt, ist von ganz vielen Parametern abhängig“.

„Ein Blitz kann auch mal zehn oder 15 Kilometer vor oder neben einem Gewitter einschlagen“

So kam es schon häufig vor, dass starke Gewitter vorhergesagt waren, aber am Ende davon gar nichts zu sehen war. Aber das sei auch ein bisschen Anreiz, weil man nie wirklich wisse, was passiert. „Beim nächsten Mal sieht man etwas, was das Ganze wieder ausgleicht, und dann ist die letzte Tour schon wieder vergessen.“

Bei einer Tour können bis zu 2000 Fotos pro Person zusammenkommen. Das sei aber nicht die Regel, erzählt Piontek: „An einem normalen Gewittertag sind es vielleicht 100 oder 200 Bilder.“

Dabei betrachtet er seine Aufnahmen durchaus kritisch: „Ich versuche Fotos zu machen, die nicht nur dokumentarisch sind, sondern auch noch einen künstlerischen Anspruch haben. Wenn ich mit einer Hand voller guter Bilder nach Hause komme, bin ich sehr glücklich darüber.“

Hauptgewittersaison ist in Deutschland von Frühlingsende bis Anfang Herbst. In guten Gewitterjahren kommt der Gießener mit seiner Gruppe auf bis zu 30 000 Kilometer Fahrstrecke. Dabei beschränken sich die Touren nicht auf Deutschland, auch in den angrenzenden Ländern wurden schon Gewitter gejagt. Außerdem war Piontek bereits zwei Mal in Venezuela. Dort kommt es über dem Maracaibo-See immer wieder zu blitzreichen Gewittern.

Ganz ungefährlich ist dieses Hobby allerdings nicht. „Die einzige Gefahr, die immer besteht und gegen die man nichts machen kann, sind die Blitze. Denn ein Blitz kann auch mal zehn oder 15 Kilometer vor oder neben einem Gewitter einschlagen.“

Grundsätzlich versuchen die Fotografen nicht, im Kern des Gewitters zu stehen, sondern sich davor zu positionieren. Kommt das Gewitter näher, fahren die Gewitterjäger ein Stück weiter und warten, bis das Gewitter wieder näher kommt. „Die Vorgänge in einem Gewitter sind so dynamisch, dass es sich von Standpunkt zu Standpunkt jedes Mal komplett verändert.“

Neben Gewittern und Stürmen fotografiert Piontek auch Landschaften und andere Naturphänomene, wie zum Beispiel Polarlichter in Norwegen. Seine Bilder teilt er auf seiner Webseite jonaspiontek.com und in sozialen Netzwerken wie Facebook. Dort kommen die Aufnahmen gut an. Auf Instagram hat er beispielsweise bereits 73 000 Fans, die ihm folgen und seine Bilder sehen wollen.


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