Blasmusik – der neue Trend?

Leute Junge Band aus Waldsolms schwört auf Klänge mit Tradition und verpackt diese neu

Haben sich der Blasmusik verschrieben: die jungen Kirbachtaler. (Foto: Band)
Michel Henrich (Foto: Berns)
Daniel Hammer (Foto: Berns)
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Moden finden sich auch in der Musik. Und wo es Mode gibt, da gibt es Trends. Techno war beispielsweise ab Mitte der 80er bis in die 90er bei einem breiten Publikum besonders angesagt. Heute schwören viele auf Hip-Hop oder Rap. Und dann gibt es da noch die Stilrichtungen, die irgendwie nie so richtig aus der Mode kommen, sich dauerhaft einer treuen Fangemeinde erfreuen und bisweilen sogar bei „der Jugend“ eine kleine Renaissance erfahren. Zu diesen Musikrichtungen gehört mit Sicherheit die Blasmusik; und gerade deren volkstümliche Variante erfreut sich seit einiger Zeit – parallel zum Hype der allgegenwärtigen Oktoberfeste – wieder einer wachsenden Beliebtheit.

„Wenn wir auf der Bühne stehen, merkt man uns an, dass wir mit dem Herz dabei sind“

Das ist aber nicht der Grund, warum „Die Jungen Kirbachtaler“ sich der Blasmusik, besonders der aus dem Egerland und aus Böhmen, verschrieben haben. Sie folgen keinem Trend, sondern ihren familiären Wurzeln. „Wir alle haben Vorfahren, die aus dem Sudentenland stammen. Ich kann mir gut vorstellen, dass daher unsere Liebe zu dieser Musik stammt“, sagt Daniel Hammer, der musikalische Leiter der Gruppe, die aus sieben Bläsern und einem Gesangsduo besteht.

Die Formation ist dabei so jung wie ihre Mitglieder: „Wir haben das erste Mal 2015 zusammen gespielt – als Überraschung auf einer Geburtstagsparty. Was aus Spaß begann, wuchs dann aber bei den Proben von Woche zu Woche mehr zusammen. Alle waren hochmotiviert“, erzählt Hammer, der Flügelhornist und hauptberuflich Musiker ist. Mittlerweile probt die Gruppe einmal die Woche und tritt deutschlandweit auf, beispielsweise bei den Hessentagen in Hofgeismar, Herborn und Rüsselsheim.

Mit seinen 29 Jahren gehört Hammer schon fast zu den ältesten Mitgliedern der Formation. Nur Trompeter Christoph Beck und Sänger Hans Bernhardt sind mit über 50 Jahren deutlich älter als die anderen Musiker, die zwischen 18 und 30 Jahre alt sind.

„Von Herzen böhmisch“ soll die Musik sein, die sie spielen und dennoch „frisch und neu verpackt“, erklärt der musikalische Leiter der Gruppe. „Die Tradition und das Herzblut für die Sache sollen aber nicht zu kurz kommen“, sagt er. Deshalb gehören zum Repertoire neben Stücken von jüngeren Komponisten wie Mathias Rauch natürlich auch Klassiker, beispielsweise die von Ernst Mosch.

Hammer befasst sich aber nicht nur mit Blasmusik. Beruflich sieht man den Musiker auch bei Studioaufnahmen einer Rockband oder an der Orgel. Privat sei sein Musikgeschmack „bunt gemischt“, sagt er.

Dass nicht immer nur die „Musik aus Böhmen der Schlüssel zum Glück“ ist, findet auch Michel Henrich. Der 18 Jahre alte Schornsteinfeger hat zunächst Schlagzeug spielen gelernt und dann die Liebe zur Tuba entdeckt. „Ich höre für mein Leben gerne Blasmusik, aber auch eben Rock und Metal“, sagt er. Dass das stimmt, verrät das Eintrittsbändchen vom Wacken-Open-Air, das er am Handgelenk trägt. Die Frage, wie Gleichaltrige oder Arbeitskollegen reagieren, wenn er erzählt, dass er Blasmusik macht, drängt sich da irgendwie auf. „Die Reaktionen sind durchgehend positiv. Manche sind zwar zunächst etwas überrascht, weil es ja nicht typisch für meine Generation ist, aber insgesamt kommt es gut an“, sagt Henrich.

Nicht nur, dass er Blasmusik spielt, auch die Musik selbst kommt bei vielen jungen Menschen wieder richtig gut an, ist Henrich sicher. Ein Trend, den auch Hammer auszumachen glaubt. „Vor zehn Jahren hatten Jugendliche mit Blasmusik noch nicht so viel am Hut. Ich finde, das hat sich in den vergangenen drei bis vier Jahren schon herauskristallisiert. Heute haben viele ja auch wieder eine Trachtenlederhose im Schrank.“ Auch das Publikum bei ihren Auftritten sei hinsichtlich des Alters immer bunt gemischt, viele seinen um die 18 Jahre oder sogar jünger, sagen die Musiker. Doch warum wächst die Beliebtheit gerade dieser Musikrichtung wieder? „Eine gute Frage. Ich vermute, dass nach der langen Zeit, in der Elektro und Techno so stark angesagt waren, handgemachte Musik einfach wieder überzeugt. Und Blasmusik transportiert auch Emotionen. Ich denke, wenn wir auf der Bühne stehen, merkt man uns an, dass wir mit dem Herz dabei sind. Bei Konzerten stehen die Freude und der Spaß an der Musik im Vordergrund. Deshalb bin ich mir sicher, dass neben allen Trends, die Blasmusik auch in mehr als 50 Jahren noch angesagt sein wird.“

Auf die Zukunft angesprochen, gibt sich die Gruppe bescheiden. Ein eigenes Album aufzunehmen, wäre ein Wunsch. „Doch da müssen wir vorher noch mal ins Trainingslager“, sagt Hammer und schmunzelt.

Sehen und hören kann man „Die Jungen Kirbachtaler“ unter anderem hier:

- 2. April, 11 Uhr, Traditioneller Ostertanz im DGH Kröffelbach.

- 21. Mai, 14 Uhr, Weinfest in Weilburg.

22. September, 18 Uhr, Oktoberfest in Breitscheid-Medenbach.

Weitere Daten und Informationen zur Gruppe gibt es auf www.die-jungen-kirbachtaler.de.

 

Das sind "Die Jungen Kirbachtaler":

Die Musiker

  • Daniel Hammer (29/aus Kraftsolms) ist hauptberuflich Musiker, spielt bei den Kirbachtalern Flügelhorn und ist der musikalische Leiter der Gruppe.
  •  Marek Henrich (21/ aus Kröffelbach) ist Anlagenmechaniker und spielt Flügelhorn.
  •  Michel Henrich (18/aus Kröffelbach) ist Schornsteinfeger und wechselte vor einigen Jahren vom Schlagzeug zur Tuba.
  •  Christoph Beck (52) ist ebenfalls hauptberuflich Musiker und kommt aus der Bodenseeregion und lebt mittlerweile in Hüttenberg. Er hat klassische Trompete studiert.
  •  Niklas Chrisitian (21/aus Schwalbach) ist Student und spielt Schlagzeug.
  •  Jacob Stark (18/aus Kröffelbach) ist noch Schüler und spielt in der Gruppe Tenor- sowie Baritonhorn.
  •  Hubertus Auriga (35) spielt in der Gruppe Tenorhorn, in anderen Formationen auch Posaune. Er ist Kaufmann.
  •  Hans Bernhardt (60) und Kathrin Jenisch (30) sind das Gesangsduo der „Kirbachtaler“. Bernhardt ist gelernter Mechatroniker und Jenisch Fremsprachensekretärin.

Der Bandname

  • Der Kirbach und das Kirbachtal liegen in Waldsolms. Die Bandmitglieder haben als Kinder dort oft ihre Freizeit verbracht. Auf der Suche nach einem „besonderen Namen“ wurde das Tal schließlich namensgebend. (jeb)

 


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