Campino geht unter die Haut

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Die Nadel summt.  In einem schwarzen Handschuh steckt die Hand, die die geschwungenen Linien auf dem schmalen Rücken entlanggleitet.  Die Linien bilden eine Unterschrift. Campino. Der Frontmann der „Toten Hosen“ hat sich auf einem seiner treuesten Fans verewigt: Alexandra Mülln (25) aus Herborn-Burg.

Noch kommt ihr alles vor wie ein Traum. Ihre Augen leuchten, wenn sie zurückdenkt an die Momente mit ihrem großen Idol. Stolz präsentiert sie die neue Tätowierung zwischen ihren Schulterblättern. Noch ist der Schriftzug gerötet. Darüber am Hals: ein altes Tattoo. Die Noten von einem der größten Erfolge der „Hosen“: Hier kommt Alex.

Angefangen hat alles mit einem Telefonanruf. Der Radiosender „YOU FM“ verloste Tickets für eine „Vorhörung“, bei der die Bandmitglieder Campino, Andi und Breiti im kleinen Kreis an der Frankfurter Universität einige Lieder des neuen Albums vorstellen und ihren Fans Rede und Antwort stehen würden. Es war sechs Uhr morgens. Alexandra rief wieder und wieder an – und kam durch.
„Warum möchtest du die Karten gewinnen?“, fragte die muntere Radiostimme.  - „Weil ich schon ein Tattoo von ,Hier kommt Alex„ am Hals habe. Und jetzt möchte ich mir das Autogramm von Campino auf den Rücken stechen lassen.“ Diese Idee kam Alexandra erst in dem Moment, als sie es aussprach. Aber sie gefiel dem Radioteam von „YOU FM“ sofort.  Alexandra durfte mit einem Freund zur „Vorhörung“. Außerdem erhielt sie eine Audiobotschaft vom Rockstar persönlich:  „Hi Alex, hier ist Campino. Und natürlich bekommst du dein Autogramm. Es wäre mir eine Ehre.“

An der Frankfurter Uni: Im Backstage-Bereich lernt Alexandra drei der „Hosen“ kennen. „Die sind so bodenständig“, schwärmt sie. „Und herzlich.“ Campino selbst fragte sie immer und immer wieder, ob sie sich sicher sei, sich für ihn diese Anschaffung fürs Leben machen zu lassen. „So was ist Champions League“, murmelte er beeindruckt. „Das berührt mich total, dass du so was machen willst.“  Dann der besondere Moment: Mit einem Edding-Stift platzierte er seine Unterschrift auf Alexandras nackter Haut.

„Ich weiß nicht, ob ich in meinem Leben etwas Besseres erleben werde“

Zum Abschied nimmt Campino seinen besonderen Fan in den Arm und gibt ihr einen Kuss. „Ich weiß nicht, ob ich in meinem Leben etwas Besseres erleben werde“, sagt die junge Frau, die außerdem auch leidenschaftlicher Anhänger des Zweitligisten St. Pauli ist. „Bislang war es für mich das Tollste, mal den Pauli-Spielern gegenüberzustehen. Aber das hier stellt alles in den Schatten.“ Dass sie selbst gut singt, hat sie Campino nicht verraten. „Wenn ich vor ihm was hätte singen sollen, hätte ich überhaupt keinen Ton herausgebracht.“

In dieser Nacht schlief die Fluggerätmechanikerin nur drei Stunden. „Vor lauter Aufregung. Aber ich bin mit einem Grinsen im Gesicht eingeschlafen.“ Dann ging es in den Sender. T-Shirt aus, rittlings auf einen Stuhl, das pinkfarbene Gummi-Maskottchen des Senders im Arm – zum Festkrallen, falls der Schmerz zu schlimm wird. Nicht zusammenzucken – das kann das ganze Werk zerstören. Alexandras Kopf ist in der Armbeuge vergraben. Ihre Finger sind verkrampft. „Das ist wie Epilieren – nur schlimmer“, erklärt Alexandra, als das Autogramm nach zwanzig Minuten ihren Rücken ziert.

Zweifel an ihrem Vorhaben hatte sie nicht einen Moment. Auch nicht beim Gedanken an später. „Ich habe ganz bewusst alle Tattoos da hinten.“ Sie zeigt lachend auf ihren Rücken. „Da wird die Haut später nicht so faltig. Und: Ich kann mich nicht so schnell daran sattsehen.“

Gekostet hat sie ihr ewiges Autogramm nichts – ein Geschenk von „YOU FM“, das sich für die Aktion das Frankfurter Tattoostudio Auge ins Boot geholt hat. Abschließend hat sie sich vom Wetzlarer Tätowierer Ron aus dem Tattoostudio „Pitch Black“ noch die Liedzeile „An Tagen wie diesen“ daruntersetzen lassen. 
Ihre Familie sieht die Aktion locker: „Mein Papa hat’s hingenommen und meine Mama sagte, dass sie, wenn sie früher die Möglichkeit gehabt hätte, so was mit ,ABBA‘ oder den ,Bee Gees‘ zu machen, das auch sofort getan hätte.“

Fotos vom fertigen Werk wird Alexandra Campino umgehend schicken. Denn er ist neugierig darauf, was aus seiner Unterschrift geworden ist. „Wir sehen uns wieder“, hat er versprochen. „Ich will mich persönlich davon überzeugen, wenn es fertig ist.“


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