Das Dorf, nicht die Welt ändern

SERIE Im Jugendparlament Hüttenberg setzt der Nachwuchs seine Interessen durch

Das bisher größte Projekte des Hüttenberger Jugendparlaments: eine Dirtbike-Strecke auf dem ehemaligen Festplatz von Klein-Rechtenbach. (Archivfoto: Weil)

Nina Schmidt.

(Foto: Hoge)

Max Rühl.

(Foto: Hoge)

Lasse Schmidt.

(Foto: Hoge)

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Neun bis 16 Jahre alt sind die Mitglieder, die sich viermal pro Jahr treffen, um etwas in ihrer Gemeinde zu bewegen. „Wenn sich viele Leute zusammentun, können sie etwas erreichen“, erklärt Max Rühl, mit 16 Jahren einer der „alten Hasen“ in der Runde. „Wir sprechen das an, was uns interessiert“, ergänzt Ninas 14-jähriger Bruder Lasse, der Vorsitzender des Parlaments ist.

Gedanken macht sich der Nachwuchs aus Hüttenberg über ganz praktische Veränderungen – Themen, die vielleicht unter den Tisch fallen, wenn die Kinder und Jugendlichen nicht mit dem Finger darauf zeigen.

„Uns geht es um viele kleine Dinge. Erwachsene haben nicht den direkten Draht dazu.“

„Uns geht es um viele kleine Dinge rund um die Schule, Spielplätze und öffentliche Plätze. Erwachsene haben nicht den direkten Draht dazu“, erklärt Lasse Schmidt. Manchmal sind die Sorgen schnell Geschichte: Etwa, wenn wie in Weidenhausen ein Tornetz am Sportplatz ausgetauscht werden soll. Praktisch erlebbare Demokratie ist das. „Mit der großen Politik hat das nichts zu tun“, sagt Max Rühl.

Die Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung sei gut. Zur Seite steht dem Jugendparlament Jugendpfleger Volker Schaub. Er ist bei Fragen der erste Ansprechpartner. Allerdings gebe es nicht nur Zustimmung, seit das Jugendparlament in Hüttenberg bestehe. „Die Meinungen sind geteilt. Manche Leute finden gut, was wir machen, andere sind aber auch total dagegen“, berichtet Lasse Schmidt.

Dabei gelingt es dem Nachwuchs, aus wenig Geld viel zu machen. Wie im Fall der Dirtbikestrecke auf dem ehemaligen Festplatz von Klein-Rechtenbach. Gerade 100 Euro kosteten die Schaufeln und Hacken, mit denen die Kinder und Jugendlichen die Hügel beackerten. „Wir wollten einen Platz schaffen, an dem jeder fahren kann“, erklärt Max Rühl. Und Nina Schmidt meint: „Dinge selbst zu machen, das macht ja auch Spaß.“ Viel Mühe hat das Jugendparlament auch in einen Flyer gesteckt, der 79 Angebote für Jugendliche in Hüttenberg auflistet.

Mit beliebten Projekten wie der Dirtbike-Strecke wollen die Schüler auch für die Arbeit im Jugendparlament werben. Um zu zeigen, dass Kinder etwas bewirken können. „Wir gehen in die Klassen und sagen, was wir gemacht haben“, erklärt Nina Schmidt.

Ist das Jugendparlament also so etwas wie die ideale Form, Kinder und Jugendliche Demokratie und Mitbestimmung leben zu lassen? Ja, das Trio aus Hüttenberg. Schließlich seien der Spielplatz, die Schule, Busse oder eben die Dirtbike-Strecke greifbare Themen aus dem eigenen Alltag. Lasse Schmidt findet diesen praktischen Ansatz besser als ein früheres Wahlrecht.

„Mitmachen ja, aber dann so. Wenn man ab 16 wählen dürfte, würde es Chaoten geben, die sich daraus einen Spaß machen“, sagt der 14-Jährige.

Lieber möchten die Vertreter des Jugendparlaments dabei mitmischen, etwas vor der eigenen Haustür verändern. Es muss ja (noch) nicht gleich die ganze Welt sein.

 

JUGENDPARLAMENT HÜTTENBERG

Alle Kinder der Jahrgangsstufen 5 bis 10 können sich in Hüttenberg in das Jugendparlament wählen lassen. Die Wahl findet alle zwei Jahre statt - gewählt werden drei Schülerinnen oder Schüler aus jeder Stufe. Das Jugendparlament erhält von der Gemeindevertretung pro Schuljahr ein eigenes Budget. Die meisten Vorschläge gehen aber direkt an die Hüttenberger Politik. Beschlüsse des Jugendparlaments soll die Gemeinde nach Möglichkeit bei Entscheidungen berücksichtigen. Für Jugendliche ab 16 Jahren gibt es den Jugendbeirat. Hier sitzen auch Vertreter von Parteien, Schulen, der Gemeindeverwaltung und der Vereine aus Hüttenberg. (hog)


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