Das Grinsen bleibt bis zum Ende

Wir treten beim SchneePogo in der Harmoniehalle in Laubuseschbach mit den Bands „Boneless“, „Stagewar“ und „Visions Only“ auf.
Es ist 19 Uhr und es dauert noch über eine Stunde, bis wir das Konzert eröffnen. Ob ich schon nervös bin? Eigentlich nicht.


Passend zum Thema des Abends schneit es. Unfassbar viel. Da müssen wir auch davon ausgehen, in einer leeren Halle zu spielen. Aber noch sitzen wir gemütlich beisammen hinter der Bühne, dem sogenannten Backstage-Bereich, und essen Chili con Carne. Und so langsam trudeln auch die anderen Bands ein.


Seit fast zwei Stunden sind wir jetzt schon unterwegs, haben unsere Instrumente im Probenraum geholt und nach Laubuseschbach gebracht. Für mich fing der Abend aber schon am Nachmittag an, denn frei nach dem Motto „Wenn ich schon kein Superstar am Schlagzeug bin, sollte ich wenigstens gut aussehen“ führte mein Weg zunächst zu meiner Schwester. Zum Glück schafft sie es in regelmäßigen Abständen immer wieder, aus meinen Haaren eine Frisur zu zaubern. Ich bin ehrlich: Dafür habe einfach kein Talent.


Um 17.30 Uhr sind wir pünktlich an der Halle, um den Rest des Schlagzeugs aufzubauen und mit dem Soundcheck zu beginnen. Glücklicherweise haben die Veranstalter und die anderen Bands die Technik schon in der vergangenen Nacht in die Halle gebracht, sodass es für uns sehr wenig zu tun gibt. Wir müssen auch nicht lange warten, bis wir zum Soundcheck geordert werden.

 

Der typische Soundcheck bleibt mir erspart: Diesmal geht’s richtig schnell


Der Soundcheck ist dafür da, die Lautstärke und den Klang der Instrumente und der Gesangsmikrofone aufeinander abzustimmen und einzustellen. Das klingt spannender als es eigentlich ist. Im Grunde hasse ich Soundchecks.

 

Minutenlang auf eine Trommel schlagen, dann auf eine andere, dann auf eine weitere und am schlimmsten von allem: Ohne musikalische Untermalung in das Mikrofon singen und brüllen, während eine Handvoll Musiker und Techniker um mich herumwuselt und die Mikrofone anders ausrichtet. 
Der typische Ablauf beim Soundcheck bleibt mir jedoch diesmal erspart: Die Techniker können das Schlagzeug so abnehmen, dass man mich auch hört. Ein Glücksfall für mich. Bis wir den Abend eröffnen, dauert es jetzt nicht mehr lange.
Die Aufgabe des sogenannten Openers, also der ersten Band des Konzerts, ist denkbar einfach: den Gästen einheizen und Stimmung für die folgenden Bands machen. Das können wir.


Es ist mittlerweile 19.30 Uhr, noch eine gute Dreiviertelstunde und es geht auf die Bühne. „Trink’ ein Bier, das hilft gegen die Nervosität“, rät mir einer der Veranstalter. So langsam kann ich es tatsächlich gebrauchen. Es kribbelt im Bauch, ich gehe alles noch einmal im Kopf durch. Wie vor der Abiturprüfung in Mathe, da hat es aber auch nichts gebracht.


Die ersten Musikbegeisterten betreten die Halle. Sie haben trotz der Schneemassen in die Harmoniehalle gefunden. Wir gehen nach vorne und begrüßen ein paar Freunde. 
Unser Auftritt wird von 20.15 Uhr auf 20.30 Uhr verschoben; wir hoffen, dass noch einige Besucher mehr kommen. Na gut, dann spielen wir eben nicht zur Primetime. Die Viertelstunde vergeht schnell und mit einem Mal geht das Licht aus.

Noch einmal tief einatmen, nicht an die Abiturprüfung denken


Es ist Zeit für uns, für den Opener des Abends, „Moppethead“. Noch einmal tief einatmen. Nicht an das Mathe-Abitur denken. Ausatmen. Stöcke in die Hand und ab auf die Bühne. Unsere Fans jubeln. Jedes Mal aufs Neue ein unglaubliches Gefühl. Das Kribbeln im Bauch wird noch stärker. Und dann kommt es ganz automatisch: das Grinsen. Ein dickes, fettes Grinsen über das gesamte Gesicht. Und sobald die ersten Töne gespielt sind, verabschieden sich das Kribbeln und die Nervosität. Das Grinsen bleibt bis zum Ende und hält auch an, obwohl ich mich verspiele. Die halbe Stunde vergeht wie im Flug, eine Zugabe ist unausweichlich und dann ist es schon wieder vorbei. Wir gehen von der Bühne und Erleichterung macht sich breit, denn obwohl wir beim Spielen schon nicht mehr nervös waren, verlangt so ein Auftritt große Konzentration und Ausdauer. 
Bevor wir uns setzen können, geht es noch einmal auf die Bühne. Denn der Umbau muss schnell gehen. Die Kabel und Instrumente werden getauscht, das Schlagzeug wird umgebaut, alles wird in die Autos geladen – möglichst innerhalb einer Viertelstunde, damit es mit der nächsten Band weitergehen kann. Nachdem alles verladen ist, setzen wir uns kurz zusammen, stoßen auf uns und unseren Auftritt an und gehen hinaus in die Halle, um mit den anderen Bands und unseren Freunden zu feiern.


„Boneless“ machen ordentlich Stimmung, „Stagewar“ und „Visions Only“ sind unfassbar gut und das Warten auf diese Bands hat sich mehr als gelohnt.
Leider müssen wir immer häufiger erleben, dass der musikalische Nachwuchs im Kreis Limburg-Weilburg auf sich warten lässt – deshalb kommt hier unser Band-Aufruf: Musik macht Spaß! Spielt ihr Instrumente? Dann rauft euch zusammen und jammt ein bisschen, vielleicht kommt was richtig Gutes dabei heraus?!

Mehr Infos zu Moppethead findet ihr auf deren Facebook-Seite.


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